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Segeberg Kiesabbau: "Hinterlasst mehr Chaos"
Lokales Segeberg Kiesabbau: "Hinterlasst mehr Chaos"
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09:32 19.03.2019
In den Kieskuhlen bei Bark und Wittenborn sind durch den Abbau von allein wichtige Feuchtbiotope entstanden. "Hinterlasst das Chaos", fodert deshalb der Kreisnaturschutzbeauftragte. Quelle: karsten wilkening
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Kreis Segeberg

„Regieren Fledermäuse die Stadt?“ Das fragt sich Kreisnaturschutzbeauftragter Dr. Georg Hoffmann. Nach einem Jahr in dieser Funktion macht sich Hoffmann Sorgen, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippen könnte, wenn lokal engstirnig ein einziges Ziel in den Fokus genommen werde - wie der Fledermausschutz in Bad Segeberg, dem alles andere untergeordnet wird.

Das generelle Bemühen um den Schutz der Natur könnte dabei schaden nehmen. Ähnlich sieht Hoffmann die Diskussionen um die Rückkehr des Wolfes. „Die Lösung können nur die drei K´s sein: Kenntnis, Kleinarbeit und Kompromisse“, erklärt er. 

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Über 100 Fälle hat Hoffmann bisher bearbeitet. Er selbt nennt es „Kontakte“. Zwei Drittel davon rührten aus Stellungnahmen der Kommunen zu Landschaftsplänen, Kiesabbau, Flächennutzungsplänen und ähnlichem. Der Rest waren Beratungen von Einzelpersonen und Verbänden in Umweltfragen.

Kiesabbau: "Hinterlasst das Chaos"

Ein Schwerpunktthema ist dabei der Kiesabbau, etwa im Bereich Damsdorf-Tensfeld-Stocksee oder im Dreieck Wittenborn-Kükels-Bark. Die Abbaugebiete verbrauchten durch das Wachsen der Metropolregion Hamburg immer größere Flächen.

„Hinterlasst bitte das Chaos“, ist hier Hoffmanns Bitte an die Abbaufirmen. Allein bei Wittenborn seien rund 160 Hektar Wasserflächen kleinteilig durch den Nassabbau des Kieses mit Saugbaggern entstanden. Sie bildeten wertvolle Biotope - ohne aufwendige Bearbeitung mit Landschaftsplanern, damit sie gefälliger aussehen. 

Den Blick auf das Ganze nicht verlieren

Einen großen Wunsch hatte der Kreisnaturschutzbeauftragte an seinen Landrat und den Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Axel Timmermann: „Ich würde mir wünschen, dass die Behörde mehr draußen ist“, sagte Dr. Hoffmann.

Er vermisse auch die wandgroße Kreiskarte mit allen Schutzgebieten und Landschaftsplanungen: „Kein noch so großer Monitor kann die ersetzen. Heute blickt man immer nur auf einen kleinen Bereich und hat so den großen Überblick nicht mehr.“

Axel Timmermann bat um Verständnis für seine Mitarbeiter: „Wir haben alle Fachbereiche besetzt, aber Vertretungsregelungen stehen meist nur auf dem Papier. Allein die Regionalplanung Windkraft, die jetzt in die dritte Runde geht, verschlingt jede Menge Arbeitskraft.“

Wünschen würde sich Dr. Hoffmann, der zudem anerkannter Natur- und Landschaftsführer ist, auch Anlaufpunkte für Touristen, die sich auf Wanderungen durch den Kreis Segeberg über die hiesige Landschaft informieren möchten. „Der Mönchsweg, der mitten durch unseren Kreis führt, wird noch viel zu wenig beachtet!“ 

Von Klaus J. Harm

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