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Segeberg Immobilienkäufer sind unter Zugzwang
Lokales Segeberg Immobilienkäufer sind unter Zugzwang
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13:01 23.07.2019
Von Gerrit Sponholz
Immobilienbau boomt: Viele Häuser werden im Neubaugebiet neben dem Schwimmbad Trappenkamp errichtet. Dort stand einst ein Sport- und Waldhotel. Quelle: Gerrit Sponholz
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Bad Segeberg

„Immobilien werden uns aus den Händen gerissen.“ Immobilienkaufmann Johannes Hansen aus Bad Segeberg ist seit rund 20 Jahren im Geschäft. Aber solch einen Boom habe er noch nicht erlebt, selbst nicht in den guten 1990er Jahren. „Die Preise stiegen 2018 deutlich, und in diesem Jahr noch mehr.“

Immobilien: "Nachfrage steigt weiter"

Von einem Plus von zehn bis 15 Prozent spricht er. „Die Nachfrage steigt weiter.“

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Am Tag, als die Segeberger Zeitung mit ihm spricht, hat er um 11 Uhr ein Einfamilienhaus als Angebot ins Internet gestellt. Vier Stunden später hat er schon 20 Anfragen gehabt. Viele Kunden hätten es eilig, wollen die Ersten sein, sehen sich in Zugzwang, sagt er. Sie legen beim Kaufpreis auch mal freiwillig 10000 Euro drauf. Hauptsache, sie bekommen den Zuschlag.

„Früher haben wir eine Immobilie etwa ein halbes Jahr im Bestand gehabt“, sagt Hansen. Heute seien es nur noch zwei oder vier Wochen.

Kreis Segeberg: Manche zahlen bar

Manche Angebote stelle er erst gar nicht ins Netz. Ein Drittel bis die Hälfte biete er erst mal seinen Bestandskunden an. Manche zahlen bar, andere zu 100 Prozent über Kreditfinanzierung. Oft seien es junge Familien, die aus Mietwohnungen in ein Eigenheim streben. Selbst Mietwohnungen seien mittlerweile schwer zu bekommen, und 10 Euro kalt pro Quadratmeter seien längst keine Seltenheit mehr.

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Von „starker Nachfrage in allen Bereichen“ berichtet auch Immobilienmakler Philipp Frank aus Bad Segeberg. „Wir erleben gerade die Hamburger Wanderröte.“ Wie nach einem Zeckenbiss die rote Hautfärbung, breite sich die Nachfrage von Hamburg kommend ins Umland aus. Alles, was bis zu einer Stunde mit Bus und Bahn von Hamburg weg ist und eine gute Infrastruktur für die Familie habe, komme für diese Käufer in Frage.

Hamburger drängen in den Markt

Sie könnten sich Immobilien im Wert von 400000 bis 500000 Euro leisten. Bad Segeberger etwa würden verdrängt und zögen ins billigere Umland, nach Klein Rönnau, Fahrenkrug, Trappenkamp und Wahlstedt.

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Selbst auf zentrumsfernen Dörfern wie der Heimatgemeinde von Frank (Seedorf) gibt es große Nachfrage. Das Neubaugebiet im Ortsteil Schlamersdorf werde gerade erst erschlossen, aber drei Viertel der Grundstücke seien schon verkauft, sagt Frank, der auch Gemeindevertreter ist.

Mehr Wohneinheiten werden gebaut

Gewinner seien alle, ist Frank überzeugt. Der Käufer genieße die niedrigen Zinsen und sein neues Heim, der Makler habe Umsatz, der Immobilienverkäufer, der sein Haus oder seine Wohnung noch in DM-Zeiten gekauft habe, verdiene. Und auch das Land kassiere, „ohne Gegenleistung“, bei jedem Kauf, sagt Frank: 6,5 Prozent Grunderwerbssteuer.

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Im Kreis Segeberg sind die Bauherren fleißig. Die Gewerkschaft IG Bau errechnete auf Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes, dass 2018 kreisweit 1268 Wohnungen gebaut worden sind, darunter 531 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Das seien sieben Prozent mehr als 2017 gewesen.

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