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Segeberg Immobilienmarkt im Umbruch
Lokales Segeberg Immobilienmarkt im Umbruch
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13:00 23.07.2019
Von Gerrit Sponholz
Im Süden von Kaltenkirchen entstehen zurzeit unter anderem von dem Investor BIG Bau in Auftrag gegeben fünf Stadtvillen mit 59 Wohnungen, betreutes Wohnen und Tagespflegeeinrichtung. Quelle: Nicole Scholmann
Bad Segeberg

Schon einmal, Ende des vorigen Jahrhunderts, hatte es Einwohner aus Metropolen wie Hamburg ins Umland gezogen. Damals trieb die Eigenheimzulage Häuslebauer aufs flache Land.

Dann zog es wieder viele Menschen eher in die Metropolen: Das große kulturelle Angebot und die schicke Altbauwohnung als Statussymbol lockten.

Immer wieder Trendwechsel

Seit 2014 hat sich der Trend, zumindest für Einwohner deutscher Staatsangehörigkeit, umgedreht. Sie wollen wieder lieber im Umland wohnen.

Zwar wachsen die Metropolen wie Hamburg weiterhin, von 2011 bis 2017 allein um rund 112000 Einwohner. Doch Zuzügler sind meist Euro-Krisenflüchtlinge aus Südeuropa, arbeitssuchende Osteuropäer und Asylbewerber aus Syrien und Afghanistan, schreiben die Experten des IW.

Deutsche Staatsbürger zieht es allerdings zunehmend ins Umland. Weil Wohnungen zu teuer wurden, die Staus, übervolle Busse und Bahnen und soziale Brennpunkte nerven.

Umland hat Infrastruktur verbessert

Gleichzeitig haben Umlandgemeinden mittlerweile eine gute Infrastruktur, gute Anbindungen, zugleich bieten sie Ruhe und Natur. Glasfasernetze helfen, vermeintliche Nachteile der größeren Entfernung zur Stadt zu überbrücken.

Doch die Zusammensetzung der Bevölkerung in einem Umlandkreis wie Segeberg ändert sich. Es gibt zunehmend alte Menschen. Deshalb hatte der Kreistag eine Arbeitsgruppe zu Segeberg 2030 eingesetzt, die 2016 ihren Bericht vorgelegt hat, an dem auch Experten mitgearbeitet hatten.

Fazit: Vor allem ältere Menschen wollen zentral, also städtisch wohnen. Am besten in einer geeigneten Wohnung mit Gesundheitsangeboten und Einkaufsläden in der Nähe. Viele haben zuvor ein Haus mit Garten besessen und wollen, wenn sie den Haushalt nicht mehr stemmen können, lieber in kleinere Wohneinheiten ziehen.

Bei den Mietwohnungen, die es vor allem in städtischen Bereichen gibt, „ist ein zunehmender Konkurrenzdruck um kostengünstige und kleine Wohnungen zu verzeichnen.“ Der demografische Wandel verstärke den Druck. Es fehlten vor allem seniorengerechte Wohnungen. „Kein anderes Thema wird von den 57 befragten Segeberger Gemeinden so hoch auf der Prioritätenskala eingestuft.“

Das Problem: Es gebe zwar Investoren, aber sie schielten vor allem auf das mittlere und obere Preissegment.

"Wohnen wurde zum Armutsrisiko"

Der Mieterbund Schleswig-Holstein und der Sozialverband (SoVD) hatten in diesem Jahr Alarm geschlagen und 40000 Unterschriften gesammelt, damit die Politik sich für mehr bezahlbaren Wohnraum einsetzt. „Wohnen ist zum Armutsrisiko geworden“, hatte die SoVD-Vorsitzende Jutta Kühl gewarnt.

Jochen Kiersch, Landesvorsitzender des Mieterbundes, sieht vor allem ein Versagen der Politik. So hätten Bund, Land und Städte Wohnungsgesellschaften verkauft und sozialen Wohnungsbau nicht mehr so stark gefördert. „Die Probleme sind hausgemacht.“

Die Immobilienpreise im Kreis Segeberg stiegen innerhalb eines Jahres um 7,8 Prozent. Das stellte die Stiftung Warentest fest. Befeuert wird der Boom durch eine kräftige Nachfrage. Durch den rasanten Anstieg der Preise in Hamburg wichen Selbstnutzer von Häusern und Wohnungen häufiger ins Umland aus.

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