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Segeberg Kreis lockt mit Zuschüssen Ärzte an
Lokales Segeberg Kreis lockt mit Zuschüssen Ärzte an
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13:42 29.09.2019
Von Gerrit Sponholz
Immer mehr Hausärzte gehen in Ruhestand. In Kaltenkirchen etwa fällt es immer schwerer, Nachfolger für die Praxen zu finden. Quelle: Symbolbild Benjamin Ulmer/dpa
Kreis Segeberg

15 Jungmediziner sollen sich an Kliniken zu Allgemeinmedizinern weiterbilden können. Der Ärztenachwuchs soll auch Zuschüsse für Wohnkosten erhalten.

Zum Zweiten wird die Weiterbildung von Sprechstundenhilfen zu 20 Nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPas) gefördert. Diese Art Gemeindeschwestern sollen die Mediziner in den rund 150 Arztpraxen entlasten.

Medizinische Versorgungszentren im Kreis Segeberg

Als Drittes wird ein Koordinator installiert. Er soll Kommunen und Ärzteschaft beraten bei der Gründung von medizinischen Versorgungszentren, sowie Ansprechpartner für Bewerber des Förderprogramms und Netzwerker sein. 

Hierbei wird die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises mit eingebunden. Sie wirbt ohnehin für die Gesundheitsregion Segeberg. Der Vorteil: So konkurrieren die einzelnen Kommunen nicht miteinander bei der Anwerbung des medizinischen Personals. 

Landrat Schröder: Es gibt Ärztemangel, in Städten und Dörfern

„Das Thema bewegt uns“, sagte Landrat Jan Peter Schröder. „Den Ärztemangel gibt es wirklich, in Dörfern und auch in Städten.“ Zwar sei für ein ausreichendes Arztnetz die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Ärztekammer zuständig. „Aber wir als Kreis haben den Druck. Wir werden von den Menschen angeguckt.“ Das neue Konzept des Kreises sei von den beteiligten Stellen befürwortet worden.

Die Dringlichkeit machte auch Rosemarie Jahn (FDP) deutlich, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses. „Aus dem gesamten Kreis gibt es Berichte über fehlende Ärzte.“

Schon die Arbeitsgruppe zum Projekt „Kreis Segeberg 2030“ hatte 2016 gewarnt, dass es eng würde. 2014 gab es im Kreis Segeberg 97 Praxen mit hausärztlichem Versorgungsangebot und 166 praktizierende Hausärzte.

Hälfte der jetzigen Ärzte gehen bis 2030 in Ruhestand

Bis 2030 geht über die Hälfte der Hausärzte in Ruhestand. Lücken drohen im Amt Trave-Land mit Nehms, Geschendorf und dem Raum Neuengörs, im Amt Kaltenkirchen-Land mit Lentföhrden und Ellerau/Alveslohe sowie im Amt Boostedt-Rickling.

Gerade erst hat eine Studie der Universitätsklinik Lübeck am Fall Pronstorf festgestellt, dass auf dem flachen Land vor allem Fachärzte fehlen. Pronstorfer hatten außerdem berichtet, dass manche Allgemeinmediziner zu Abrechnungsquartalsende nicht immer öffnen würden, möglicherweise, weil es sich für sie nicht mehr lohne. 

Auch in Wahlstedt und in Kaltenkirchen waren Sorgen aufgekommen. Es fehlen Ärzte, die Praxen übernehmen. Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause hatte im Sommer zwar eingeräumt, dass seine Stadt laut Statistik im Vergleich zu anderen Regionen wie Nordfriesland gut dastehe, aber: „Das statistische Bild hat nur wenig mit der Realität zu tun.“ Immer häufiger wendeten sich besorgte Bürger an ihn, da die ansässigen Hausärzte keine neuen Patienten aufnehmen könnten. 

Kassenärztliche Vereinigung verteilt Arztsitze

In Kaltenkirchen gab es seinerzeit 17 Sitze für Allgemeinmedizin und hausärztliche Internisten. Diese versorgen neben dem Stadtgebiet auch die umliegenden Gemeinden mit. Der Verteilungsschlüssel von Arztsitz zur Anzahl der Patienten, die regionale Verteilung der Kassenarztsitze sowie die Zulassungsentscheidungen erfolgen durch die Kassenärztliche Vereinigung.

Nach Ansicht von Krause hätten sich die beruflichen Wünsche der Ärzte verändert. „Eine Rolle spielen Übernahmepreis, Praxisausstattung, Attraktivität des Arbeitsortes bis hin zu Kita-Plätzen, Teilzeitmöglichkeiten oder den Kollegen vor Ort.“ 

Jungmediziner schauen auf Work-Life-Balance

Ähnliche Hinweise hatten Experten dem Kreis für sein Förderprogramm als Tipps mit auf den Weg gegeben. Wenn der Kreis Jungärzte anlocken wolle, müsse er verlässliche Angebote machen. In medizinischen Versorgungszentren müssten Ärzte angestellt tätig sein können, die in Teilzeit arbeiten und deren Vertretung gesichert ist für eine „Work-Life-Balance“. Faktoren wie kulturelle und schulische Angebote, Kinderbetreuung seien wichtig. 

Falls die vom Kreis geförderten Ärzte die Weiterbildung abbrechen oder im Anschluss nicht im Kreis bleiben und praktizieren, sollen sie die Förderung zurückzahlen. 

KV: Insgesamt sei die Lage gut

Die Kassenärztliche Vereinigung hatte gegenüber der SZ im Juni eine Ärztenot bestritten. „Insgesamt ist die Situation gut“, meinte seinerzeit KV-Pressesprecher Marco Dethlefsen. Den sich abzeichnenden Ärztemangel hatte er auch mit der geänderten Sichtweise der Medizinstudenten auf ihren Beruf erklärt. 

60 oder 80 Stunden pro Woche wollten sie nicht mehr arbeiten, sondern auch ein geregeltes Familienleben. Außerdem belasteten Bürokratie, Budgetierungen und Regelungszunahme. So schreibe der Staat vor, wie eine Praxis zu führen sei, etwa wie viele offene Sprechstunden es zu geben habe.

Zentral für junge Mediziner sei bei der Frage, ob sie sich als Arzt niederlassen wollen, nicht Geld oder Bürokratie, sondern: „Stimmt die Balance zwischen Arbeit und Privatleben.“ Falls Patienten keinen Termin beim Arzt erhalten, so Dethlefsen, sollten sie die Terminservicesstelle der KV einschalten.

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