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Segeberg Mitfahrnetz ist Flop, läuft aber weiter
Lokales Segeberg Mitfahrnetz ist Flop, läuft aber weiter
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07:34 10.11.2019
Von Gerrit Sponholz
Eine Mitfahrbank an der Falkenburger Straße in Bad Segeberg ist verwaist. Das Angebot des Mitfahrnetzes im Kreis Segeberg wird kaum genutzt. Quelle: Gerrit Sponholz
Kreis Segeberg

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume würde bei einem vorzeitigen Ende des Mitfahrnetzes seinen Zuschuss von 145.000 Euro zurückfordern. Das Geld stammte aus EU-Mitteln zur Stärkung des ländlichen Raumes.

Wie sich schon vor knapp einem Jahr abgezeichnet hatte: "Das Mitfahrnetz wird nicht angenommen", bedauert Arne Hansen (Grünen-Fraktion), Vorsitzender des Kreisumweltausschusses. Das Gremium verständigte sich nun auf die billigste Lösung für den Kreis.

Kreis Segeberg muss noch mal 24.000 Euro investieren

Der beauftragte technische Betreiber des Internetportals soll nur das notwendige technische Update erledigen (3510,50 Euro) und den Weiterbetrieb sicherstellen (4000 Euro pro Jahr). Der Kreis muss also bis 2025 noch mal 23.510,50 Euro investieren. 

Eine große Marketingaktion und ein besseres Update hätten bis zu 166.000 Euro gekostet. Darauf wurde verzichtet. Selbst die Kreisverwaltung hatte der Kreispolitik von diesem großen Schritt abgeraten. "Nach bisherigem Projektverlauf erscheint diese Variante zu risikobehaftet."

Mitfahrnetz läuft übers Internet

Über das Portal Mitfahrnetz können sich seit Anfang 2018 per Internet oder Telefon Fahrer, die Mitfahrten anbieten, und Mitfahrer gratis zusammenschließen. Die Idee dahinter: Auf dem Land fällt es manchen Menschen nicht leicht, alltägliche Besorgungen oder Termine ohne eigenes Auto wahrzunehmen, besonders in den ländlichen Bereichen. Dazu wurden überall in der Region, bei teilnehmenden Partnerunternehmen, in Praxen und Geschäften sogenannte "Mitfahrbänke" aufgestellt, die als Start- und Zielorte für die Fahrten dienen. Das Mitfahrnetzportal finden Sie hier.

220 Fahrten werden monatlich angeboten - aber nur insgesamt 13 wurden genutzt

40 Kommunen hatten sogar 28 Mitfahrbänke an den Dorf- und Stadtstraßen aufgestellt und 70 Haltestellenschilder montiert. 381 Menschen hatten sich im Portal zwar registriert. Und monatlich werden im Schnitt 220 Fahrten angeboten.

Darunter war auch mal von Landrat Jan Peter Schröder eine Mitfahrt in seinem Dienstwagen. Doch genutzt von allen Angeboten wurden insgesamt nur 13 Mitfahrten. 

Senioren zögern, zu Fremden ins Auto zu steigen

Die Seniorenbeiräte hatten das Mitfahrnetz einst angeregt, blickte Hansen zurück. Doch ausgerechnet diese Klientel habe das Angebot kaum genutzt. "Sie wollen nicht zu fremden Menschen ins Auto steigen." Mitfahrgelegenheiten würden eher über Kontakte zu Nachbarn, über den Gartenzaun hinweg, organisiert. Außerdem scheuten sich Ältere wohl noch davor, per Internet solche Dienste in Anspruch zu nehmen. 

Das bestätigt Klaus Stuber aus Kaltenkirchen, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirats, mahnt aber zu Geduld. "Die Sache braucht einen langen Atem, bis sie sich herumspricht." Außerdem wachse eine ältere Generation nach, die mehr mit der Nutzung des Internets vertraut sei als die bisherige. 

Auch das Pendlerportal im Kreis Segeberg floppte

Verhalten auf die Mitfahrgelegenheiten reagierten auch die Bürger in Schieren. Die Gemeinde hatte als eine der ersten im Kreis eine Mitfahrbank aufgestellt. Das Interesse sei eher verhalten gewesen, sagt Bürgermeister Hans-Werner Schumacher rückblickend. Im Dorf kenne man immer jemanden, der gerade in die Stadt fahre. Und Jüngere nutzten vielfach den Bus. 

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Auch eine andere, ähnliche Idee des Kreises floppte: Ein Pendlerportal für Fahrgemeinschaften. Es erwies sich laut Hansen als "Rohrkrepierer". Dieses Angebot hätten die Kreise reihenweise wieder eingestellt.

Das Problem bei allen Fahrgemeinschaften sei, dass es eine ausreichend kritische Masse von Anbietern und Nachfragern geben müsse, damit das System funktioniere, sagt Hansen. In Städten sei dies einfacher. Auf dem Land würden diese Angebote dagegen nicht so wahrgenommen.

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