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Segeberg Pflegeberufe werden attraktiver
Lokales Segeberg Pflegeberufe werden attraktiver
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06:05 05.03.2019
Finn Storim, Auszubildender im ersten Jahr in der generalistischen Pflege, und Beate Hamann, Gesundheits- und Krankenpflegerin, kümmern sich auf einer Station des Reha- und Pflegebereichs im Psychiatrischen Zentrum in Rickling um einen Bewohner. Quelle: Landesverein für Innere Mission
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Rickling

Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, war gekommen, um sich das Pilotprojekt für generalistische Pflegeausbildung anzusehen und über viele Neuerungen in der Pflegepolitik zu informieren. Der Landesverein für Innere Mission gilt bundesweit als Vorreiter in der Ausbildung, bietet eine neuartige Pflegeausbildung an und plant den Bau einer neuen Pflegeschule.

"Die Möglichkeiten sind irre"

Westerfellhaus selbst hatte als Krankenpfleger angefangen und es über den OP-Pfleger und ein Studium in den deutschen Pflegerat gebracht. „Sie sehen, die Möglichkeiten im Pflegedienst sind irre, man kann sogar Staatssekretär werden“, sagte er vor Pflegeschülern. 3,4 Millionen Pflegebedürftige gebe es, und es würden sicher noch mehr werden, da viele pflegende Familienangehörige am Ende ihrer Kräfte seien.

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„Wo bekommen wir das Geld, viel schlimmer noch, wo bekommen wir die Pflegekräfte her?“ Er beklagte auch, dass man lange genug das Thema Pflege öffentlich erst dann diskutiert habe, wenn wieder einmal Skandale bekannt geworden seien. „Wir sind doch alle pflegebedürftig als Säuglinge auf die Welt gekommen, und jeden kann es jederzeit treffen.“ 

Abwärtsspirale stoppen

Ein großes Problem für den Pflegedienst hatte er bereits ausgemacht: Durch die Kürzung der Pflegestellen in den Krankenhäusern fühlten sich die Pfleger überlastet, hätten zu wenig Zeit für die Patienten. Dadurch seien viele in Teilzeit oder gleich ganz aus dem Beruf gegangen. Sie hätten ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können. „Diese Spirale müssen wir stoppen“, rief er den Zuhörern zu. 

Dazu gäbe es schon verschiedene Ansätze, wie eine Rückkehrprämie in Höhe von 5000 Euro. In Schweden müssten die Pflegekräfte bei Rückkehr nur 80 Prozent der Arbeitszeit Dienst verrichten, und in Schleswig-Holstein sei ein Versuch mit einem Arbeitszeitmodell geplant. Drei Tagen Arbeit würden drei Tage frei folgen.

Bundespflegekammer gefordert

Zur Stärkung des Pflegeberufs hatte der Staatssekretär noch viele andere Ideen. „Wir brauchen in Berlin eine Bundespflegekammer, die als gleichberechtigter Ansprechpartner für die Regierung die Interessen der etwa 190 000 Angehörigen der Pflegeberufe vertreten kann.“ Auch müsse in den Gemeinden ein Ansprechpartner, eine Art „Pflegecopilot“, geschaffen werden.

Von Klaus J. Harm

Uwe Straehler-Pohl 04.03.2019
04.03.2019
Gerrit Sponholz 04.03.2019