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Segeberg Schüler hatten Tränen in den Augen
Lokales Segeberg Schüler hatten Tränen in den Augen
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12:48 28.01.2019
Von Detlef Dreessen
Zu Volker (Mitte) haben die Schüler des Berufsbildungszentrums Bad Segeberg sehr schnell Vertrauen aufgebaut und so intensiv wie nie zuvor erfahren, wie Drogenkonsum einen Menschen kaputt machen kann - aber auch, wie man aus der Spirale wieder heraus kommt. Mit ihm konnten sie offen reden und eigene Probleme besprechen. Quelle: Dreessen, Detlef
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Bad Segeberg

Volker ist 54 Jahre alt und hat fast alle Höhen und Tiefen des Drogenkonsums durchgemacht. Dank einer Förderung durch den Lions Club Segeberg konnten 100 Schüler des BBZ ihn im abgelaufenen Schulhalbjahr in einem Projekt zur Suchtprävention erleben.

So intensiv, wie von Volker habe niemand ihnen zuvor vermittelt, wie Drogenkonsum Menschen kaputt machen kann, waren sich die Schüler einig, die in einem Pressegespräch von ihrer Begegnung mit dem Frührentner berichteten.

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Ex-Süchtiger erzählte über sein Schicksal

Volker berichtete offen, wie es damals anfing: Alle halbe Jahr ein Joint, dann Kokain, Heroin. Bei der Bundeswehr konnte er sich als Mitarbeiter der Divisionsapotheke selbst bedienen. „Da musste ich nur hinlangen. Als ich mit der Bundeswehr fertig war, war ich voll drauf.“

„Ich habe in Hamburg geschnorrt, pro Tag 500 bis 700 Euro“, berichtete der gelernte Tischler. So viel brauchte er, um sich mit dem Stoff zu versorgen, ohne den er dann nicht mehr leben mochte. „Ich habe alles genommen, außer Halluzinogenen. Vor allem Opiate wie Heroin, Kokain, Haschisch. Nach drei, vier Monaten ist man nervlich ein Wrack.“

Einiges an Therapien habe er hinter sich. Doch auf Erfolge und lange Clean-Phasen folgten nach Beziehungs- oder beruflichem Stress Rückfälle. Heute ist er nicht mehr abhängig, weiß aber, dass die Gefährdung nie vorbei ist. „Darum bin ich vor sechs Jahren von Hamburg nach Bad Segeberg gezogen.“ Hier sei die Drogenszene nicht so präsent.

Jeder zehnte Schüler nahm schon mal illegale Drogen

„Ich hatte fast Tränen bekommen“, berichtete Sevin Aydin (17). „Man hat gespürt, wie Sie durchs Leben gegangen sind.“ Auch Isa-Marie Hellberg fand: „Was ein Lehrer dazu sagt, der das nicht durchlebt hat, ist was anderes.“ Manch ein Schüler habe auf die Offenheit reagiert und von eigener Betroffenheit berichtet.

Solche Begegnungen sollten öfter möglich sein, findet Christa Schröder, die schon seit 28 Jahren als Präventionsbeauftragte im BBZ vor den Suchtgefahren warnt und ein Ohr für betroffene Schüler hat. Jeder zehnte der 2600 Schüler des BBZ habe bei einer anonymen Umfrage angegeben, schon einmal illegale Drogen genommen zu haben.

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