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Segeberg Segeberger Vereine streiten über E-Sport
Lokales Segeberg Segeberger Vereine streiten über E-Sport
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14:10 08.09.2019
Von Christian Detlof
Ein Ausflug in den E-Sport: Beim Kick-and-Play-Cup des SV Todesfelde traten dessen Fußballer Christian Jaacks (rechts) und Tom Limbara vom SV Henstedt-Ulzburg an der Spielkonsole gegeneinander an. Das Ergebnis im Spiel aus der FIFA-Serie wurde mit dem ihrer Teams beim Hallenfußball kombiniert. Quelle: Sönke Ehlers
Kreis Segeberg

Große deutschen Vereine haben es vorgemacht und eine E-Sport-Bundesliga gegründet. Namhafte Nord-Vertreter wie der Hamburger SV, Werder Bremen und Holstein Kiel, Hannover 06 und VfL Wolfsburg sind darunter. Einen Sogeffekt hat dieser neue Zweig vermeintlich sportlicher Betätigung auf die Segeberger Sportlandschaft noch nicht entwickelt. Das lässt jedenfalls ein Blick auf die Internetauftritte der Sportvereine vermuten. Dort finden sich keine Hinweise auf feste E-Sport-Angebote.

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Eine Umfrage unter den Vereinen zeigt, dass ihre Haltung zu E-Sport und E-Gaming mehrheitlich dahin tendiert, von diesem Phänomen Abstand zu nehmen. Dazu gehören auch jene Klubs, die sich noch nicht ernsthaft mit der Frage beschäftigt haben, weil sie den Bedarf nicht verspüren.

Breitensportvereine sollten Aufwand und Kosten für E-Sport nicht unterschätzen

Im SV Schackendorf, so dessen Vorsitzender Stefan Christensen, gibt es die grundsätzliche Überlegung, E-Sport in das Angebot zu integrieren. Ein eigens ausgerichtetes Turnier verhalf zu ersten Erfahrungswerten und positivem Feedback. „Zu jenem Zeitpunkt war die Nachfrage sehr groß“, so Christensen, der aktuell aber von einem eher verhalten geäußerten Bedarf spricht. „Der Aufwand und die Kosten für ein solches Event sind nicht zu unterschätzen“, lässt Christensen erkennen, dass die Einführung von E-Sport in den Verein wohlüberlegt sein sollte.

Erste Versuche im E-Sport

Die Fußballer des SV Todesfelde haben es in der Vergangenheit spaßeshalber mit einem Mix versucht: Zu ihrem Hallenturnier um den Kick-and-Play-Cup gehörte neben dem analogen Fußballspiel auch der virtuelle Kampf um den Ball. Mehr hat der Verein daraus aber in Sachen E-Sport nicht gemacht und plant es auch nicht.

Für Großvereine ist das Gewinnen von Mitgliedern durch E-Sport  interessant

Für die Kaltenkirchener TS teilt Geschäftsstellenleiterin Carola Kubisch mit, dass man „diesem Thema positiv gegenüber“ stehe. Im SV Henstedt-Ulzburg ist man gedanklich weiter und bereits in die Erarbeitung eines E-Sport-Konzeptes eingestiegen. „Wir beobachten die Entwicklung des E-Sports und die Diskussion auf politischer Ebene“, verrät Rosario Cassará, der Leiter der Geschäftsstelle. Er betont, dass für den SVHU nur Sportspiele infrage kämen. Gewaltspiele seien nicht mit dem Leitbild des Vereins vereinbar. Neue Mitglieder über E-Sport zu gewinnen, wäre reizvoll. Der SV Henstedt-Ulzburg hat aber auch die Kosten im Blick: „Aktuell gibt es keine Zuschüsse – Hard- und Software müsste der Verein tragen“, weiß Cassará.

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Kampfspiele ausgeschlossen

Für den MTV Segeberg, den größten Sportverein der Kreisstadt, steht E-Sport nicht auf der Themenliste, wie Vorstandsmitglied Malte Butzlaff erklärt. Zwar könne man nachvollziehen, dass andere Klubs Spiele aus dem Bereich der virtuellen Sportarten aufgreifen. Spiele aus dem E-Gaming wie „Counter Strike“ oder „League of Legends“ würde der MTV grundsätzlich ausschließen – und steht dabei im Kontrast zu seinem Kooperationspartner SC Rönnau 74.

Der SC Rönnau 74 will eine E-Sport-Sparte gründen

Der SC Rönnau bekennt sich explizit dazu, E-Sport als feste Sparte im Verein installieren zu wollen. „Weil es eine immer größere Relevanz in der Freizeitgestaltung hat und in vielen seiner Ausprägungen dem klassischen Sport gleich ist“, erklärt Vorstandsmitglied Conrad Ilgmann und listet „Teambuilding, Teamgeist, Taktik, Wettkampf sowie kognitive und körperliche Fähigkeiten“ auf, die durch E-Sport gefördert und gefordert würden.

E-Sport-Auftakt mit "Leaque of Legends"

Das Spiel „League of Legends“ (LoL), das sowohl in Europa als auch in Übersee in einer Liga gespielt werden kann, sollte den Auftakt machen, die erste Veranstaltung wurde aber noch einmal verschoben. Von der Haltung des Deutschen Olympischen Sportbundes, E-Sport nicht anzuerkennen, distanzieren sich die Klein Rönnauer.

Gewalt und Herabwürdigung im E-Sport lehnen alle ab

Einig sind sich Befürworter und Gegner im Kreis Segeberg darin, dass E-Sportspiele nicht dafür sorgen dürfen, das grundsätzlich durch Sportvereine gewährleistete Bewegungsangebot zu konterkarieren. Auch lehnen die Klubs mehrheitlich jede Art von Gewaltverherrlichung und Sexismus ab. Etwa Kay Schmidt, Chef des Kreistennisverbandes Segeberg-Pinneberg: „Weg von der Konsole, raus an die frische Luft! Lieber miteinander sprechen und sich nicht abballern !“ Conrad Ilgmann vom SC Rönnau 74 betont, dass Spiele für seinen Verein nicht infrage kämen, „die ein abwertendes Menschenbild“ vermitteln.

Auch eine Meinung: E-Sport nicht weiter fördern

Im TuS Garbek, einem traditionellen Fußballklub, schaut man mit Sorge auf den gesellschaftlichen Trend, statt Zeit an der frischen Luft zu verbringen, den Rückzug vor die Spielekonsole zu wählen. „Man sollte nicht eine ,Sportart’ fördern, die dazu führt, dass immer mehr Mannschaften abgemeldet werden müssen“, fasst der Vorsitzende Torben Gloe zusammen. Wilfried Tautz, stellvertretender Vorsitzender im TV Trappenkamp, betont „Sportvereine sollten Alternativen zur Computer-Beschäftigung anbieten.“

Sorge bereitet der mögliche Verlust der Gemeinnützigkeit

Öffentliche Förderung ist in der Regel auch abhängig von anerkannter Gemeinnützigkeit. „E-Sport, insbesondere E-Gaming, ist nach unserem Eindruck bereits stark kommerzialisiert. Die Betreiber von Plattformen sind nicht gemeinnützig, sondern ertragsorientiert“, stellt der Vorsitzende des SV Boostedt, Peter Blumenröther, fest. Sein Verein unterstütze die Auffassung des DOSB, dass zwischen „Daddeln“ und elektronischer Unterstützung analoger Trainingsabläufe zu unterscheiden sei. E-Sport würde weder Teamgeist noch Bewegung und somit Gesundheit gerecht. Im SC Rönnau 74 ist man in Sachen Gemeinnützigkeit auf der Hut: „Wir prüfen, wie mit E-Sport umzugehen ist, etwa außerhalb des Kernangebots unseres Vereins“, so Conrad Ilgmann.

Verteilungskampf zwischen klassischem und E-Sport

Förderung, wie von TuS Garbeks Torben Gloe angesprochen, ist ein wichtiges Stichwort in der Debatte, ob E-Sport nun Sport ist oder nicht. Dahinter steckt ein noch leiser Verteilungskampf. Beispiel Neudorf-Bornstein im Kreis Rendsburg-Eckernförde: Hier will der Turn- und Sportverein im Rahmen seiner Jugendarbeit – weil es in Schleswig-Holstein keinen Liga-Betrieb gibt – E-Sport im Wortsinn fest etablieren und für gut 130 000 Euro ein „E-Sport-House“ im Vereinsheim einrichten. Gespielt werden sollen Spiele, die es auch analog im Verein gibt, etwa Fußball und Basketball.

Streit über finanzielle Förderung von E-Sport

„Wenn es die Aufgabe von Vereinen ist, Menschen zusammenzubringen, damit sie Sport betreiben können, dann gehört auch E-Sport dazu“, so der Vorsitzende Helge Kühl gegenüber den Kieler Nachrichten. 5 000 Euro hat die Gemeinde bereits zugesagt zuzuschießen, sofern es eine Landesförderung gibt. Ein gewichtiger Haken, bedenkt man die Reaktionen der Dachverbände des Sports, die auch vor dem Hintergrund nur begrenzt verfügbarer Fördermittel für Sportstätten und -geräte argumentieren. Darauf spielt der Vorsitzende des Kreisleichtathletikverbandes Segeberg Jürgen Drümmer an, wenn er leicht überspitzt fragt, ob denn zukünftig „die Spielhallen in den Sportstättenplan aufgenommen“ würden.

Es gibt auch ganz pragmatische Gedanken

Sportstätte des Sportfischervereins Neuengörs ist zweifelsohne das offene Gewässer. Man habe sich bislang nicht mit dem Thema E-Sports befasst, räumt der Vorsitzende Martin Rusch ein, der sich allerdings Gedanken darüber machen will: „Es könnte eine Alternative für die kalte Jahreszeit sein, um die Gemeinschaft zu fördern“, so Rusch, der aber für seinen Sport betont, „im Zentrum steht das Naturerlebnis.“

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Beim Thema E-Sport sieht Holger Böhm, Vorsitzender des Kreissportverbandes Segeberg, vor allem den möglichen Kampf um Ressourcen kritisch und verweist auf den Sanierungsstau bei klassischen Sportanlagen, der längst nicht abgebaut ist. Eine in Stein gemeißelte Absage erteilt er dem E-Sport nicht.

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