Kreis Segeberg alarmiert: Trave-Brücke droht Einsturz wegen schwerer Lkw
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Segeberg Schwere Lkw: Trave-Brücke droht Einsturz
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Kreis Segeberg alarmiert: Trave-Brücke droht Einsturz wegen schwerer Lkw

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13:57 06.11.2020
Von Gerrit Sponholz
Immer wieder fahren trotz Verbots zu große und schwere Fahrzeuge über die 150 Jahre alte, baufällige Steinbrücke über die Trave in Herrenmühle. Sie ist nur einspurig befahrbar und musste 2013 abgestützt werden. Quelle: Kreis Segeberg
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Herrenmühle

Vor Augen hat der Kreis Segeberg einen Vorfall 2019 bei Toulouse (Frankreich) mit zwei Toten. Diesen will er in Herrenmühle unbedingt verhindern. Das Unglück habe unter ähnlichen Randbedingungen stattgefunden, sagt Kreissprecherin Sabrina Müller.

Eine Jugendliche und der Fahrer eines zu schweren Lkw waren gestorben, als eine alte Brücke über einen Fluss, die nur für maximal 19 Tonnen ausgelegt war, unter der Last des Lkw zusammenbrach.

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Brücke wird besser gesichert

Immer wieder fahren Lkw und große landwirtschaftliche Fahrzeuge trotz Verbots über die Trave-Brücke. Das Brückengeländer in Herrenmühle wurde beschädigt, berichtet Müller. Es wird demnächst gegen ein erneutes Anfahren gesichert. "Die Brücke muss dann voraussichtlich für etwa eine Woche gesperrt werden."

Außerdem soll die Polizei jetzt verstärkt kontrollieren. Weitere Einschränkungen an der Brückenüberfahrt seien denkbar.

Wichtige Querung der Trave

Die hinfällige historische Brücke in der Talsohle zwischen Schwissel/A21 und Traventhal südlich von Bad Segeberg ist die einzige Travequerung zwischen Bad Segeberg und Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe. Sie sei eine Umleitungsstrecke für die A21, eine Zufahrt für Besucher der Karl-May-Spiele und eine wichtige Zuwegung zu landwirtschaftlichen Flächen.

Laut Verkehrszählung von 2016 fahren dort täglich 3158 Kraftfahrzeuge, davon drei Prozent Lkw.

Brücke muss jährlich geprüft werden

Wegen massiver Schäden an dem 1870 errichteten Bauwerk ist jährlich eine Sonderprüfung notwendig. Nur so kann der Kreis Segeberg die Benutzung gewährleisten, sagt Müller.

Einst für Pferdefuhrwerke auf der alten Wegstrecke Hamburg-Segeberg gebaut, rollten später bis in die 1990er Jahre sogar Panzer darüber. 2003 wurden Risse im Mauerwerk entdeckt, ab 2009 schweren Lkw die Durchfahrt verboten. Seit 2013 dürfen Fahrzeuge maximal 2,50 Meter breit und 16 Tonnen schwer sein. 2013 wurde die Brücke zusätzlich durch ein Korsett abgestützt.

2013 erhielt Brücke ein Korsett

Schon seit rund 30 Jahren plant der Kreis einen Ersatzbau. Das scheiterte zunächst, weil das Land sich nach Ansicht des Kreises geweigert hatte, sich an den Kosten zu beteiligen. Das Land ist für den Travelauf zuständig, der Kreis für die Straße.

2011 macht die Kreisverkehrsaufsicht Druck. Die Straße ist öffentlich gewidmet, müsste also auch durch alle Lkw genutzt werden können. Eine Sanierung der alten Brücke ist dem Kreis zu teuer. Sie soll abgerissen und nördlich des bisherigen Standorts neu gebaut werden. Ohne Pfeiler im Flussbett, damit nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie das Gewässer ohne Hindernis fließen kann.

Kreis plant schon lange Neubau

Die Kostenschätzungen stiegen, die Planungen zogen sich hin, ein Schutzgebiet könnte betroffen sein. Umweltstudien verzögerten das Verfahren, Grundstücke sind zu erwerben. Strittig ist auch, ob die neue Brücke auch einen Geh- und Radweg erhält. "Wenn die Vorzugsvariante vorliegt", so Sabrina Müller, "schließt sich ein Planfeststellungsverfahren an."

Schwissels Bürgermeister Jürgen Hildebrandt-Möller beobachtet selbst, dass viele Autos unterwegs sind, die dort nicht fahren dürften. Eine Trasse scheint nun gefunden zu sein. Die neue Brücke soll nicht, wie früher mal geplant, in großem Bogen viel weiter nördlich geführt werden. Zurecht, meint Hildebrandt-Möller. "Der Untergrund ist Wiese." Die Gründung könnte aufwändig werden.

Für neue Brücke wird Haus abgerissen

Nun soll die Straße nur wenige Meter nach Norden verschwenkt werden samt Brückenneubau. Auf der westlichen Flussseite steht zwar noch ein altes reetgedecktes Haus. Doch der Kreis hat sich mit dem Hausbesitzer geeinigt, weiß der Bürgermeister. Er war an den Gesprächen beteiligt.

Der Mann wird umziehen, erhält einen Bauplatz in Schwissel. Sein Haus an der Trave soll abgerissen werden. Die Kreisstraße würde also nur leicht verschwenkt. "2023", erfuhr Hildebrandt-Möller, "soll der Bau der neuen Brücke beginnen."

Die Trave-Brücke in Herrenmühle ist alt, baufällig und darf nur beschränkt befahren werden.
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