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Segeberg Hoffnung im Kampf gegen Ärztemangel
Lokales Segeberg Hoffnung im Kampf gegen Ärztemangel
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19:37 01.07.2019
Von Gerrit Sponholz
Viele alte Hausärzte arbeiteten noch 60 bis 80 Stunden pro Woche. Junge Mediziner wollen dagegen auch ein Familienleben. Deshalb überlegen sie sich genau, ob sie eine Arztpraxis übernehmen.  Quelle: dpa
Bad Segeberg

Die Vorschläge der Kreisverwaltung wurden im Prinzip von allen Abgeordneten unterstützt und sollen jetzt genauer ausgearbeitet werden. In Zwiegesprächen berichteten mehrere Kreispolitiker, dass sie selbst auch schon einen Ärztemangel spüren. 

Die Partnerin von Toni Köppen, Fraktionschef der Wählerinitiative für den Kreis Segeberg (WI-SE), benötigte zeitnah einen Frauenarzt. In der Nähe vom Wohnort Seekamp (Seedorf) gab es keinen, berichtet Köppen. „Wir hätten ein halbes Jahr warten müssen.“

Facharzt 77 Kilometer entfernt

Also wandte sich seine Frau an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung in Bad Segeberg. Vier Wochen später hatte seine Frau einen Termin – bei einer Praxis in Elmshorn: 77 Kilometer und eineinhalb Stunden Autofahrt entfernt.

Anke Pawlik aus Groß Kummerfeld, als Vertreterin der Seniorenbeirats in Kreisgremien, erlebte Ähnliches. „Vor einem Jahr ging mein Hausarzt in Neumünster in Ruhestand.“ Sie fragte bei anderen Allgemeinmedizinern, und blitzte ab. „Alles voll, keine neuen Patienten!“

Vier Anläufe, um neuen Hausarzt zu finden

Erst im vierten Anlauf habe es geklappt, sagt Pawlik. Wie es anders gehen könne, habe sie bei einem Büsum-Besuch des einst von ihr geleiteten Landesseniorenbeirats erlebt. In Büsum habe die Kommune Zulassungen für Arztsitze gekauft und eine Gemeinschaftspraxis gegründet, wo Ärzte angestellt seien. Die Mediziner hätten geregelte Arbeitszeiten, Patienten ein gutes Versorgungsangebot. 

Solche Ideen und Modelle gibt es auch im Kreis Segeberg, wenn auch in kleinerem Maßstab. Jörg Buthmann (CDU) aus Wensin, Kreistagsabgeordneter und Bürgermeister, kann wählen zwischen der Gemeinschaftspraxis in Gnissau oder in Nehms, jeweils mit drei Ärzten. Die Mediziner dort kennen ländliche Gebiete, seien in der Umgebung aufgewachsen.

Es gibt auch positive Beispiele

Auch Raimund Schulz, Grünen -Politiker aus Todesfelde, ist Patient einer Praxisgemeinschaft auf einem Dorf. „Das läuft super!“

Rosemarie Jahn (FDP), Vorsitzende des Kreisgesundheitsausschusses, ist ebenfalls entspannt. Ihr Hausarzt habe seine Praxis sogar in ihrem Dorf Bimöhlen. Es gebe kaum Wartezeiten. Nur der Augenarzt liege in Itzehoe oder Kellinghusen

„Insgesamt ist die Situation gut“, der Kreis Segeberg gut mit Ärzten versorgt, versichert Marco Dethlefsen, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, auf Anfrage der SZ. „Es bleibt kein Patient ohne Arzttermin.“ Dafür sorge die Terminservicestelle der KV.

Sie besorge im Umkreis einen Arzttermin innerhalb von vier Wochen. „Allerdings gibt es keinen Anspruch auf den Wunscharzt.“ Bislang sei kein Patient leer ausgegangen oder hätte gar ersatzweise an eine Klinik verwiesen werden müssen. 

Der Großteil der Schleswig-Holsteiner, sagt Dethlefsen, sei zufrieden mit den Wartezeiten für Arztbesuche. „Allerdings gibt es Regionen, in denen es zu wenig Ärzte gibt.“ Oder bestimmte Fachrichtungen mit Mangel, wie Psychotherapeuten, Rheumatologen und Schmerztherapeuten. „Bei den Psychotherapeuten wird es bald neue Stellen geben.“ Das Land überarbeite derzeit den Stellenplan. 

Den sich offenbar abzeichnenden Ärztemangel erklärt Dethlefsen auch mit der geänderten Sichtweise der Medizinstudenten auf ihren Arztberuf. 60 oder 80 Stunden pro Woche wollten sie nicht mehr arbeiten, sondern auch ein geregeltes Familienleben. Außerdem belasteten Bürokratie, Budgetierungen und die Regelungszunahme.

Zentral für junge Mediziner sei bei der Frage, ob sie sich als Arzt niederlassen wollen, letztlich nicht Geld oder Bürokratie, sondern: „Stimmt die Balance zwischen Arbeit und Privatleben.“ Es sei gut, dass sich der Kreis, die Städte und Ämter Gedanken über das Thema machen, mit Ärzten sprechen. „Das eine Rezept gegen den Ärztemangel gibt es aber nicht.“ 

Auch Linke-Fraktionschef Holger Weihe, selbst Arzt, dämpfte im Kreistag die Euphorie über das Kreisförderprogramm. „Die Initiative ist gut. Aber auch die wird keine neuen Ärzte schaffen. Es gibt schon jetzt einfach zu wenige Medizinstudenten.“ 

Infokasten:

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein in Bad Segeberg vertritt 5300 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Sie ist ärztliche Selbstverwaltung und betreibt die Terminservicestelle für Patienten, die auf herkömmlichen Weg keinen Arzttermin erhalten haben.

Über die Servicestelle bekommen sie innerhalb von vier Wochen einen (Telefon 04551/30404931, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und montags bis donnerstags von 13 bis 17 Uhr).

Sie organisiert auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst in sprechstundenfreien Zeiten (Telefon 116117).

Mehr Info zum Thema: www.kvsh.de

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