Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Landflucht und Verstädterung
Lokales Segeberg Landflucht und Verstädterung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:15 05.11.2013
Von Petra Stöver
Wenn die Gemeinden nahe der A 7 Platz für neue Wohnhäuser schaffen, werden sie auch 2030 noch wachsen, während im übrigen Kreisgebiet die Bevölkerung schrumpft.
Anzeige
Kreis Segeberg

Die Bevölkerungs- und Haushaltsprognose zeigt, dass die bereits vorhandenen Unterschiede sich weiter vergrößern werden.

 Gegen den bundesweiten Trend der alternden und schrumpfenden Bevölkerung, der Landflucht und Verstädterung kann sich der Kreis Segeberg langfristig nicht stemmen. Seine Einwohnerzahl wird in den nächsten paar Jahren durch Zuzüge von außerhalb weiterhin wachsen, doch irgendwann um 2025 wird der Wendepunkt eintreten. Die deutlichsten Rückgänge, über 15 Prozent, erwartet Jens Rümenapp vom Büro GGR-Planung für das Amt Bornhöved und die Stadt Wahlstedt. In alarmierendem Tiefrot sind sie auf einer Kreiskarte der Bevölkerungsentwicklung bis 2030 gekennzeichnet. Für Ämter Bad Bramstedt-Land und Trave-Land wird eine ähnliche Entwicklung vorausgesagt.

 Um 15 Prozent wachsen wird hingegen Kaltenkirchen. In beruhigenden Grüntönen skizzieren die Planer auch die Zukunft von weiteren Orten nahe der A7 - vorausgesetzt, sie schaffen Wohnungen und Bauland für alle, die dort hinziehen möchten. Die Nähe zur Metropole und die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze in Hamburg in einer akzeptablen Fahrzeit seien ausschlaggebend, sagen die Gutachter.

 Kreisweit wird laut Prognose bis 2030 die Zahl der Kinder und Jugendlichen um bis zu 15 Prozent und die der 20- bis 65-Jährigen um 8 Prozent zurückgehen. Deutlich um über ein Drittel wachsen wird die Gruppe der Über-65-Jährigen. Weiterhin geht das Büro davon aus, dass die Zahl der Haushalte weiter zunehmen wird, weil es mehr Singles und Paare als Familien unter einem Dach geben wird.

 Diese Voraussage gilt als eine wichtige Grundlage für die weiteren Planungen der Kommunen. Wo ist welcher Wohnraum sinnvoll? Kann sich Bornhöved eine gymnasiale Oberstufe leisten oder sollte besser ein Kindergarten in ein Pflegeheim umgebaut werden? Wo können im Amt Trave-Land noch Wohngebiete entstehen? Wie bekommt Wahlstedt den Leerstand in Griff? Wie müssen Kaltenkirchen und Norderstedt ihre Infrastruktur umbauen? Einmünden soll alles im Kreis Segeberg in ein Leitprojekt „Demographie und Daseinsvorsorge“. Ziel ist es, in mehreren Arbeitsgruppen den tatsächlichen Bedarf vor Ort anzupacken und in drei Jahren konkrete Ergebnisse vorzulegen.

 Landrätin Jutta Hartwieg zeigte sich erfreut über eine „saubere Zahlengrundlage“ für die Kreispolitik. Sie sei zum richtigen Zeitpunkt, passend auch zu großräumigeren Planungen, fertig geworden. In 15 bis 20 Jahren drohe einigen Dörfern im Kreis das, was heute in Mecklenburg-Vorpommern passiert: Kleine Siedlungen sterben aus. Doch Hartwieg geht davon aus, dass es zu einer „Konzentrationsdiskussion“ kommen wird; im ländlichen Bereich müsse es um „Konsolidierung“ gehen.