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Segeberg 50 Jahre im Dienst für Beeinträchtigte
Lokales Segeberg 50 Jahre im Dienst für Beeinträchtigte
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18:02 03.01.2019
Von Gunnar Müller
Hans-Joachim Hecker ist inzwischen 82 Jahre alt und fährt immer noch für die Lebenshilfe. Vor rund 50 Jahren baute er diese mit auf. Quelle: Gunnar Müller
Kaltenkirchen

„Moin Frau Hecker, ist Ihr Mann zu sprechen? Der macht doch so viel mit der Lebenshilfe in Kaltenkirchen, darüber würden wir gerne berichten.“ Helen Hecker lacht ins Telefon und sagt: „Der arbeitet nicht da, der ist fast die Lebenshilfe.“ Irgendwie, nach mehr als 50 Jahren ehrenamtlichen Engagements, lässt sich das wohl kaum trennen. „Hier, Hans-Joachim, da fragt wieder einer von der Zeitung.“ Wieder. Hecker, langjähriger Vorsitzender der Lebenshilfe in Kaltenkirchen, ist auch mit 82 Jahren noch ein gefragter Mann.

Jahrzehntelanges Engagement für die Lebenshilfe

Als Ort des Gesprächs schlägt er die Räume in der Lebenshilfe in Kaltenkirchen vor. Flottkamp, Rotklinkerbau, 16 Stufen bis in sein Büro. Der 82-Jährige lässt sich vor einem kleinen Tisch nieder. Der eigentliche Schreibtisch ist voller Unterlagen und ein, zwei Bildern mit Rahmen.

Versucht man mit Hecker über Hecker zu sprechen, geht es bereits im zweiten Satz um die Lebenshilfe. Hecker gilt als Vorreiter der innovativen Behindertenarbeit in Kaltenkirchen. Anfang 1969 gründete er dort mit wenigen Mitstreitern den Verein „Lebenshilfe für geistig Behinderte“. Vor einigen Jahren erhielt er das Ansgar-Kreuz der Nordkirche.

Zufall oder göttliche Fügung

Dass alles so kam, ist je nach religiöser Sichtweise Zufall oder göttliche Fügung: Geboren wurde Hans-Joachim Hecker im heutigen Polen. Mit seiner Mutter flüchtete 1945 der damals Neunjährige. Seine Familie fand Zuflucht in Hamburg, das ihm zu seiner zweiten Heimat wurde. Mitte der 1950er-Jahre machte er eine gärtnerische Ausbildung, ehe er sich zum Diakon fortbildete.

Neues Aufgabengebiet in Kaltenkirchen

Zu seiner dritten Heimat, Kaltenkirchen, kam der junge Diakon schließlich durch das Sendungsprinzip der evangelischen Kirche. „Als ich in Kaltenkirchen aus der AKN ausstieg, schaute ich mich nach einem Kirchturm um – ich kannte mich hier ja überhaupt nicht aus!“ Hier war er zunächst für die Jugendlichen da und für die soziale Betreuung. Einmal, sagt Hecker, habe ihn eine Frau mit drei behinderten Kindern aufgesucht, ein seelsorgerliches Gespräch.

1969 - Beginn der Lebenshilfe in Kaltenkirchen

Der 27. Februar 1969 markiert die Wende in der Betreuung behinderter Kinder und junger Erwachsener in Kaltenkirchen. In der reetgedeckten ehemaligen Scheune stand anfangs nur die halbtägliche Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen auf dem Plan. „Wir haben, unterstützt durch viele Ehrenamtliche, mit ihnen gesungen, gespielt und gemalt.“ In den Folgejahren, gerade Anfang der 1970er-Jahre, werden von der Lebenshilfe viele Sachen initiiert: Die Janusz-Korczak-Schule etwa entstand, als auch Menschen mit geistiger Beeinträchtigung der Schulpflicht unterlagen, Bildung auch für sie ein Recht wurde. Alten- und Pflegeheime kamen dazu, eine Werkstatt. „24 Jahre und elf Monate habe ich das Pflegeheim am Ehrenhain geleitet.“  Manches musste, manches wollte die Lebenshilfe in den vergangenen Jahrzehnten an andere Träger überleiten. „Die Werkstatt abzugeben hat mich schwer getroffen.“

Lebenshilfe wortwörtlich

Zu seinen Hochzeiten übernahm der Lebenshilfe-Vorsitzende bis zu 19 rechtliche Betreuungen – noch heute hilft und unterstützt er davon 13 Menschen mit Beeinträchtigungen in ihrem Leben. Akten stapeln sich in seinem Büro. Alles wird sorgsam dokumentiert. Manche von ihnen betreut er seit 50 Jahren. „Da bekommt man natürlich ein besonderes Verhältnis zu einigen.“ Andere hat er auch mit beerdigt. Und dann wiederum erzählt Hecker von einer Mutter, die ihm ihren Sohn anvertraute. „Einen Tag später starb sie.“ Seelsorge – sich um die Seelen kümmern und für andere sorgen, nimmt Hans-Joachim Hecker wortwörtlich.

Eigentlich ist er mit seinen 82 Jahren in einem Alter, in dem er sich um seine Frau, seine Tochter, den Enkel, den Garten, das Angeln und das Aquarium kümmern könnte. Einen Gang zurückschalten.

Hecker engagiert sich weiterhin bei der Lebenshilfe

Loszulassen falle ihm jedoch ein bisschen schwer: „Ich fühle mich noch topfit!“ Allein an Heiligabend hielt er drei Christvespern in den Wohn- und Pflegeheimen. In diesem Jahr sind Vorstandswahlen bei der Lebenshilfe Kaltenkirchen, die mit einem vollen Programm ihr 50. Jubiläum feiern wird. Und natürlich sei er bereit, noch einmal vier Jahre der Lebenshilfe als Vorsitzender zu dienen.

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