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Segeberg Junge Pastorin rückt für Hofmann nach
Lokales Segeberg Junge Pastorin rückt für Hofmann nach
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09:05 17.03.2019
Von Einar Behn
Pastorin Lisa Schwetasch in der Maria-Magdalenen-Kirche. Hier wird sie am Sonntag, 24. März, ins Amt eingeführt. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Frau Schwetasch, Sie sind in Bad Bramstedt ja keine Unbekannte mehr, sondern schon seit 2014 hier tätig. Warum werden Sie nun noch einmal ins Amt eingeführt?

Lisa Schwetasch: Ich war von 2014 zunächst Pastorin zur Anstellung. Das ist so eine Art Probezeit. 2017 wurde ich dann auf Lebenszeit verbeamtet. Aber ich hatte nur eine befristete Stelle, die zum Teil vom Kirchenkreis getragen wurde. Nun übernehme ich die feste Gemeindestelle von Pastor Hofmann und habe damit auch eine größere Sicherheit, hier bleiben zu können.

Sie können jetzt theoretisch bis zur Pensionierung in Bad Bramstedt bleiben?

Ich hatte mich im Oktober auf die Stelle von Pastor Hofmann beworben und bin dann vom Gemeinderat auch gewählt und von Bischof Gothart Magaard ernannt worden. Aber es gibt alle zehn Jahre einen sogenannten Pastoren-TÜV. Da wird dann vom Gemeinderat entschieden, ob er die Zusammenarbeit fortsetzen will.

Wollen Sie denn, wie ihr Vorgänger, bis zur Pensionierung in Bad Bramstedt bleiben?

Mit 33 kann ich das heute noch nicht überblicken.

Aber Sie wohnen schon in Bad Bramstedt.

Ja, im Pastorat im Alt-Bissemoor mit meinem Mann und meinem anderthalbjährigen Sohn Jakob. Der war auch der Grund, weshalb Sie jetzt längere Zeit nicht mehr im Amt waren. Ich bin im Mai 2017 in Mutterschutz gegangen und hatte danach eine Elternzeit genommen.

Warum haben Sie sich für den Pastorenberuf entschieden?

Ich wollte lange Zeit Lehrerin werden, wie ganz viele Leute in meiner Familie. Als Jugendliche habe ich dann in meiner Heimatgemeinde Kirchbarkau mit der Pfadfinderei und der Hilfe bei Kindergottesdiensten angefangen. Als Abiturientin habe ich dann viele Gespräche geführt und letztlich entschieden, dass ich Theologie studieren möchte.

Sie lösen nun Pastor Hofmann ab, der 37 Jahre in Bad Bramstedt gewirkt hat.
Er war eine Institution. Ist das für Sie eine Last, weil Sie fürchten an ihm gemessen zu werden?

Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe und weiß auch, dass die Leute in der Gemeinde ihn sehr geschätzt haben. Aber ich bin ganz anders, eine junge Frau mit Anfang 30. Ich werde Dinge, die zu ihm gut gepasst haben, anders machen, weil sie nicht zu mir passen.

Zum Beispiel?

Plattdeutsche Gottesdienste kann ich leider nicht anbieten. Ich kann kein Plattdeutsch. Ich werde aber auch wie er viel in die Kindergärten gehen, aber dort ganz anders arbeiten als er. Wir sind ja auch ganz unterschiedliche Menschen.

Werden Sie als junge Frau in diesem Beruf von den Menschen ernst genommen?

Es ist sehr unterschiedlich. Bei Traugesprächen ist die Schwelle niedrig, weil die Leute mein Alter haben. Da ist der Kontakt sofort da, man hat die gleichen Bücher im Regal, guckt die gleichen Fernsehserien. Manchmal, in anderen Situationen, bei Beerdigungen oder Seelsorgebesuchen, wenn die Leute eigentlich den alten Herrn Pastor sprechen wollten, höre ich schon: ’Oh, Sie sind ja noch so jung, können Sie das denn?’

Der Herr Pastor ist wahrscheinlich im Denken vieler Menschen noch verankert.

Ja, der Herr Pastor, dem die Frau den Rücken frei hält. Das ist in meinem Fall schwierig. Mein Mann ist Hubschrauberpilot bei der Bundespolizei in Fuhlendorf. Der kann mir nicht den Rücken frei halten. Aber wir sind in einem großen Wandel in der Kirche, weil immer mehr Frauen Pastorinnen werden und die älteren männlichen Kollegen in den Ruhestand gehen. Dadurch wird sich auch das Bild vom Pastorenberuf ändern.

Wie handhaben Sie es denn mit ihrem anderthalbjährigen Sohn, wenn Sie beide berufstätig sind?

Die Frage wird immer Frauen gestellt...

... ich hätte sie auch gestellt, wenn ein Mann vor mir sitzen würde.

Wir haben eine Tagesmutter und ein Au-pair-Mädchen. Ab August hat Jakob einen Kitaplatz.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde in der Kirchengemeinde heftig diskutiert, ob Ganztagsplätze in der Kita für Dreijährige mit dem christlichen Familienbild in Einklang zu bringen sind.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, erst einmal mit einer Tagesmutter zu beginnen, da Jakob jetzt erst eineinhalb ist. Wenn er in die Kita kommt, ist er fast zwei. Generell denke ich, dass sich Berufstätigkeit beider Eltern und ein geborgenes Elternhaus nicht ausschließen. 

Was ist Ihnen an Bad Bramstedt besonders positiv aufgefallen?

Dass die Gottesdienste hier sehr gut besucht sind. Ich habe das Gefühl, es gibt eine gute Gottesdienstgemeinschaft. Aber auch die Zusammenarbeit im Kollegium ist sehr angenehm.

Mit vier Pastoren ist Gemeinde ja auch gut versorgt.

Ja, wir sind auch eine große Gemeinde mit 8600 Mitgliedern.

Seelsorger zu sein, hat auch belastende Seiten, Beerdigungen beispielsweise. Wie gehen Sie damit um?

Man lernt damit umzugehen, sodass einen Beerdigungen nicht jedes mal komplett umhauen. Es gibt aber auch schwer belastende Erlebnisse. Ich hatte beispielsweise in der Notfallseelsorge einen Einsatz, bei dem sich ein Jugendlicher umgebracht hat. Das steckt man nicht so einfach weg. Da hab’ ich um supervisorische Begleitung gebeten, die der Kirchenkreis ermöglicht. Wenn man versucht, alles mit sich selbst auszumachen, hält man das nicht lange aus.

Können Sie Privatleben und Beruf trennen?

Hier in Bad Bramstedt ist das schwer. Wenn ich bei Rossmann jemanden treffe, der mich als Pastorin kennt, dann spreche ich natürlich mit demjenigen. Das ist auch ok und gehört zu meinem Beruf. Aber mir tut es auch gut, mal nach Kiel oder Lübeck zu fahren, wo mich keiner kennt, eben ein ganz normales Leben zu führen, mit Freundinnen ins Kino zu gehen, zu shoppen.

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