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Segeberg Löwinnen haben sich emanzipiert
Lokales Segeberg Löwinnen haben sich emanzipiert
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17:10 12.11.2019
Von Sylvana Lublow
Powerfrauen vor dem Gut Kaden: (von links) Sabine Lemke, Heidi Siebert, Dagmar Schmidt und Marion Johl-Brentano von den Lions Alveslohe Quelle: Sylvana Lublow
Alveslohe

Begonnen hatte alles 1989. Das Jahr der Maueröffnung und der Beginn der Wende in Deutschland war auch ein Wende-Jahr für die Lions. Denn da hatte eine Frau aus Kaltenkirchen die Idee, nicht länger nur „Anhängsel“, also Ehefrau, eines Lions-Mitglieds zu sein, sondern lieber selbst tätig zu werden. „Kurzerhand schrieb sie alle Damen aus ihrem Bekanntenkreis an und blätterte auch das Telefonbuch durch. Schließlich benötigt man in einem Club auch Frauen, die sich mit Finanzen auskennen, also Bankkauffrauen oder Steuerberaterinnen“, erzählt Heidi Siebert. Die Hamburgerin ist eines der 25 Gründungsmitglieder und im Lions Club für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Männer waren anfangs nicht begeistert

Das erste Treffen fand im September 1989 statt. „Wir waren alle Feuer und Flamme“, erinnert sich Marion Johl-Brentano, ebenfalls eines der acht noch verbliebenen Gründungsmitglieder. Sie wollte in ihrer Freizeit „gerne etwas mit Frauen machen“, weil sie als Generalbevollmächtigte einer Bank jahrelang in einem Männerberuf arbeitete.

Doch bis zur Gründung waren noch ein paar Hürden zu nehmen. „Frauen waren in den Lions Clubs ja überhaupt erst seit 1987 zugelassen“, sagt Siebert. Dementsprechend mussten die Frauen auch bei den Männern „um Erlaubnis bitten“, ihren Club gründen zu dürfen. „Die Herren waren anfangs überhaupt nicht begeistert“, sagt Johl-Brentano. Ihren Antrag schickten sie in die USA zum Hauptsitz der Lions.

Auf Gut Kaden fing alles an

„Wir brauchten aber einen Partner-Club, sonst hätten wir uns nicht gründen dürfen“, sagt Siebert. Auf einer Kabinettssitzung der Lions aus Schleswig-Holstein trugen sie ihr Anliegen vor. „Zunächst kam das nicht gut an“, so Siebert. Sätze wie „Lions gehört uns“ oder „Die Frauen sollen sich ihre eigene Spielwiese suchen“, seien gefallen. Doch am Ende erlaubten es die Männer dann doch. Die Gründungsurkunde aus Amerika kam – und ab April 1990 gab es den ersten rein weiblichen Lions Club. Da jeder Club an eine Postleitzahl gebunden sein muss, fiel die Wahl auf Alveslohe, da auf Gut Kaden die ersten Treffen der Frauen stattfanden, was sich bis heute nicht geändert hat.

Wagenladungen in den Osten

„Und dann ging es auch gleich richtig los“, erzählt Heidi Siebert. Gerade erst war die innerdeutsche Mauer gefallen, im ehemaligen Osten fanden die Lions-Frauen ihre ersten Hilfsprojekte. „Wir schickten mehrere Wagenladungen rüber, sammelten alles, von Büchern, Gebrauchsgegenständen über Kleidung bis zu Kuscheltieren.“ Das meiste landete in einem Krankenhaus und in einer Kinderpsychiatrie in Hagenow und in einem Altersheim in Zarrentin, beides Kleinstädte in Mecklenburg-Vorpommern. Rollstühle, Tapetenreste, Kinderbetten, Möbel, sogar eine komplette OP-Einrichtung gingen dort hin. „Und wir haben auch eine Zahnarztpraxis-Einrichtung nach Jugoslawien geschickt“, erzählt Siebert. In Hagenow haben die Frauen dann noch einen Basar organisiert und konnten dem Kinderkrankenhaus ein Auto spenden. Das alles habe die Lions-Männer dann doch beeindruckt. „Irgendwann waren sie stolz auf uns“, so Siebert. Angewiesen sind die Frauen auf den Lobgesang schon lange nicht mehr; längst können sie mit den traditionellen Männer-Clubs in Sachen Wohltätigkeit mithalten.

Vier Millionen Bar- und Sachspenden

In den weiteren Jahren verschob sich die Hilfe auf andere Projekte. Eines der wichtigsten ist das Don-Bosco-Haus in Mölln. Aber auch eine MS-Gruppe in Ostholstein, das Projekt „Klasse 2000“, das Frauenhaus Norderstedt, der Blindenverein Kaltenkirchen oder der Eichenhof Alveslohe gehören zu den Institutionen, denen die Lions-Frauen helfen. Finanziell in erster Linie. Rund vier Millionen Euro in Bar- und Sachspenden hat der Club bis heute zusammengetragen und verteilt. Auch spontane Hilfsmaßnahmen, wie für die schwerkranke Djelly aus Lentföhrden, gehören für die Lions dazu.

Natürlich muss das Geld auch fließen. Und dafür tun die Frauen Einiges. Seit bald 25 Jahren zum Beispiel organisieren sie regelmäßig ein Golf-Benefizturnier auf Gut Kaden. Ein jährliches Bridge-Turnier und ein regelmäßiger Benefizlauf im Sommer mit der Kaltenkirchener Turnerschaft (KT) sind zwei weitere Standbeine.

Junge Verstärkung dringend gesucht

Alles läuft also gut. Oder doch nicht? „Unser größter Wunsch ist junge Verstärkung“, sagt Marion Johl-Brentano. 29 Mitglieder zählt der Club, nur wenige von ihnen sind in den 30ern oder 40ern. „Es ist schwer, Nachwuchs zu bekommen, das wissen wir“, sagt Siebert. Auch deshalb habe der Club schon vor fünf Jahren die alten Statuten gelockert und offen für Mitglieder geworben. „Löwinnen suchen Verstärkung“, damit sind sie an die Öffentlichkeit gegangen. Und ein paar neue Mitglieder hatten sie durch diese Mission auch gewinnen können. Normalerweise müssen Anwärterinnen von einem Mitglied empfohlen werden. Neue Mitglieder brauchen eigentlich einen Paten, der für sie bürgt. Doch diese Tradition brechen die Löwinnen nur allzu gern. „Uns ist bewusst geworden, dass wir uns verjüngen müssen“, so Juhl-Brentano.

Gemeinsam viel erreichen

Viel Geld zu haben, ist übrigens keine Voraussetzung, um eine „Löwin“ zu werden. 150 Euro kostet der Jahresbeitrag. „Wir treffen uns zweimal im Monat, Zeit ist also auch nicht das Wichtigste“, so Siebert. Viel mehr zähle das Engagement, die Lust, sich einzubringen, neue Ideen zu entwickeln. Sabine Lemke ist erst seit einem Jahr dabei. Die Apothekerin aus Kaltenkirchen wurde von einer Freundin angesprochen und ist einfach mal zu einem Treffen mitgegangen. Seitdem ist sie dabei: „Es ist toll, in der Gemeinschaft etwas Gutes zu tun und sehen zu können, was man gemeinsam alles erreichen kann.“

Weitere Informationen und Kontakt zu den Lions-Frauen gibt es auf der Homepage www.lionsclub-alveslohe.de.

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