Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Mann spricht wiederholt Kinder an
Lokales Segeberg Mann spricht wiederholt Kinder an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:45 13.05.2019
Von Gunnar Müller
Der Albtraum aller Eltern: Ein Unbekannter gewinnt das Vertrauendes Kindes – und es geht mit. Quelle: RENÁTA SEDMÁKOVÁ/STOCK.ADOBE.COM
Kaltenkirchen

Die Grundschule Flottkamp etwa wandte sich in einem mit der Polizei abgestimmten Brief an Eltern, um diese im Sinne einer Prävention aufzuklären und ihnen die Möglichkeit zu geben, mit ihren Kindern die Situation zu besprechen.

Gespaltene Diskussion in den sozialen Netzen

Es erinnert ein bisschen an „stille Post“: Dichtung und Wahrheit liegen in dem Fall eng beieinander. Innerhalb kurzer Zeit handeln gleich zwei Einträge in einer Kaltenkirchener Facebook-Gruppe von dem Vorfall. Im ersten wird vor einem Mann gewarnt, der, nachdem er sich am Flottkamp herumgetrieben habe, nun am Krückauring, bei der Seilbahn, im Bereich von Kitas und Schulen „aktiv“ sei. „Passt auf eure Kinder auf!!!“, schrieb eine Kaltenkirchenerin und fügte eine detaillierte Beschreibung eines jungen Mannes an.

Die folgende Diskussion spaltete: „Einfach gruselig, dass solche Gestalten rumlaufen dürfen“, so die einen, die sich mit weiteren Eltern zusammentun und verstärkt in von Kindern frequentierten Gegenden patrouillieren wollten. Deren Meinung nach handele die Polizei zu nachlässig, unternehme nichts gegen den vermeintlichen Tatverdächtigen.

Warnung vor Selbstjustiz

Auf der anderen Seiten mahnten andere vor Vorverurteilungen und falschen Verdächtigungen: „Selbstjustiz ist keine Lösung! Unterstützt die Arbeit der Polizei durch Informationen!“ Ein – inzwischen gelöschtes – Foto sollte den Tatverdächtigen zeigen. Darauf, dass ein solches öffentliches An-den-Pranger-stellen jedoch mitunter selbst eine Straftat darstellen kann, wiesen nicht nur einzelne Diskussionsteilnehmer, sondern auch Polizeioberkommissar Dirk Scheele, Pressesprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg, hin: „Bezüglich der Nutzung sozialer Medien rät die Polizei dringend davon ab, Aussagen über vermeintlich pädophile Personen und deren Wohn- oder Aufenthaltsorte zu treffen und ungeprüft zu teilen.“ Sollten sich gepostete Inhalte (und Bilder) als nachweislich falsch herausstellen, könnten Straftaten wie Verleumdung, falsche Verdächtigung oder üble Nachrede verwirklicht sein. „Durch gegen den Willen eines Betroffenen veröffentlichte Fotos kann eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen in Frage kommen.“ Und daraus entstünden mitunter sozialpsychologische Dynamiken, die im weiteren Verlauf kaum noch kontrollierbar seien, warnt Polizeioberkommissar Scheele.

Das rät die Polizei Eltern

Wie sollte ich als Mutter oder Vater jetzt reagieren?

Polizeioberkommissar Dirk Scheele: Wir empfehlen Eltern, das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen und sie thematisch zu sensibilisieren – ohne jedoch Panik zu verbreiten.

Wie vermeide ich, dass mein Kind in so eine Situation überhaupt gerät?

Scheele: Kinder sollten nicht alleine ihre (Schul-)Wege antreten, sondern entweder in Begleitung anderer Kinder oder ihrer Eltern unterwegs sein.

Was können alle tun?

Scheele: Grundsätzlich ist es im Sinne eines vernünftigen Miteinanders wünschenswert, dass insbesondere erwachsene Personen im öffentlichen Raum die Augen offen halten und verdächtige Beobachtungen unverzüglich der Polizei melden, wenn sich eine Person Kindern gegenüber auffällig verhält oder im Bereich von Kitas, Spielplätzen und Schulen verdächtige Wahrnehmungen gemacht werden.

Dirk Scheele ist Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg

Aktionen bereits außerhalb des Internets

Beschränkte sich etwa die „Hexenjagd“ bislang auf Gruppen im Internet, wurden vor einigen Wochen in Kaltenkirchen auch Bilder, die mutmaßlich den Mann zeigen sollen, an Laternen gehängt. Diese Fotos wurden von Polizeibeamten entfernt. Zudem verfolgten einige Personen den Tatverdächtigen bis zu seiner Wohnung und veröffentlichten daraufhin dessen Adresse.

Mann bereits polizeilich in Erscheinung getreten

All dem liegt ein wahrer Fall zugrunde, der sich bereits vor einigen Monaten ereignet hat: Im Februar suchte die Polizei Kaltenkirchen nach einem Radfahrer, der auf einem Weg zwischen Krückauring und Hohenmoorweg einen Jungen gestoppt und am Kragen gepackt hatte. Dabei solle er den Jungen aufgefordert haben, ihn zu begleiten. Der Zehnjährige wehrte sich jedoch und konnte vor dem Mann fliehen. Vor wenigen Wochen nun erkannte der Junge den Tatverdächtigen auf offener Straße wieder. Nach Angaben der Polizei handele es sich dabei um einen 25-Jährigen mit Wohnsitz in Kaltenkirchen, der in der Vergangenheit bereits wegen Rohheitsdelikten in Erscheinung getreten sei.

Polizei hat Mann im Blick

„Polizeiliche Maßnahmen einschließlich einer Gefährderansprache haben bereits stattgefunden“, erklärte Scheele. Bereits vorher habe sich der Mann in auffälliger Weise gegenüber Kindern verhalten – auch dazu liefen weitere Ermittlungen. „Nach bisherigen Erkenntnissen ist nicht auszuschließen, dass eine psychische Erkrankung das Verhalten der Person mit beeinflusst.“

Deshalb, so Oberkommissar Scheele, sei neben der Staatsanwaltschaft Kiel auch das Gesundheitsamt des Kreises Segeberg hinzugezogen worden.

Ob bei dem Verhalten des Mannes überhaupt von einer sexuellen Motivation auszugehen sei, müssten also erst weitere Ermittlungen ergeben. Dennoch verstärkte die Polizei ihre Kontrollen im Bereich von Schulen und Kindergärten, um Präsenz zu zeigen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Als Europaschule legt die Jürgen-Fuhlendorf-Schule (JFS) natürlich besonderes Augenmerk auf die Europawahl am 26. Mai. Am Montag war Europatag am Bad Bramstedter Gymnasium, von der 5. bis zur 12. Klasse waren alle Schüler eingebunden. In einer Podiumsdiskussion warben Europapolitiker für die EU.

Einar Behn 13.05.2019

Neuer Schritt gegen die Ansiedlung des Rewe-Konzerns in Henstedt-Ulzburg: Ein Kisdorfer hat beim Oberverwaltungsgericht Schleswig den Antrag auf eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan 146, in dem die Rewe-Ansiedlung festgezurrt wurde, eingereicht. Bürgermeister Stefan Bauer ist gelassen.

Nicole Scholmann 13.05.2019

„In Bad Bramstedt gibt es zu viele Menschen, die ihr Geld verschenken“. Das hat Björn Grünberg festgestellt, der seit einigen Monaten die Commerzbank-Filiale am Kirchenbleeck leitet. 33 Millionen Euro liegen auf Sparbüchern, ohne dass es dafür nennenswerte Zinsen gibt.

Einar Behn 13.05.2019