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Segeberg Meierei besteht 125 Jahre
Lokales Segeberg Meierei besteht 125 Jahre
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20:24 06.02.2014
Von Alexander Christ
Diese historische Aufnahme aus den 1960er-Jahren zeigt den ehemaligen Meiereimitarbeiter Ernst Eggers aus Struvenhütten bei einem Rundgang durch die Produktionshalle.
Struvenhütten

„Aus den ersten Jahren nach der Gründung der Meierei sind leider keine Aufzeichnungen erhalten geblieben. Daher wissen wir nur wenig über die Produktionsabläufe in der Anfangszeit“, erklärte Betriebsleiter Jan Wippich, der zusammen mit dem Vorstand der 105 Mitglieder zählenden Meiereigenossenschaft, dem Struvenhüttener Landwirt Werner Albrecht, rund 130 Gäste zur Feier in der Gerhard-Lawerentz-Mehrzweckhalle in Hartenholm begrüßte. Fest steht jedoch, dass einige Nachfahren von den damaligen Gründungsmitgliedern bis heute die Meierei mit Milch beliefern. Einer davon ist Albrecht. Auf seinem Hof geben die 60 Kühe jährlich rund 500000 Liter Milch. Sie wird in der Meierei zu Sahne und Magermilchkonzentrat verarbeitet.

 „Es ist davon auszugehen, dass in den ersten Jahren nach der Gründung ein Großteil der Milch zu Butter verarbeitet und in Hamburg auf sogenannten Butterauktionen verkauft wurde“, sagt Albrecht. Ein Indiz sind erhalten gebliebene Aufzeichnungen aus dem Jahr 1913, aus denen hervorgeht, dass damals fast 33000 Butterfässer aus Struvenhütten in Hamburg verkauft wurden.

 Zehn Jahre später wurde in der Meierei der erste Telefonanschluss gelegt. Ende der 1920er-Jahre erkannten die Verantwortlichen der Genossenschaft, dass Investitionen im großen Stil erfolgen mussten, um konkurrenzfähig zu bleiben. So wurden unter anderem ein Butterfertiger, ein sogenannter Rahmreifer, eine Dampfmaschine und weitere technische Geräte im Gesamtwert von 40000 Reichsmark angeschafft. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1980er-Jahre wurden in Struvenhütten unter anderem Butter, Käse und Magerkäse produziert. Abnehmer war die genossenschaftliche Butter- und Eierzentrale in Hamburg.

 Doch der Markt für Magerkäse wurde immer schwieriger, und die Struvenhüttener Meierei geriet ins Schlingern. Die Wende brachte eine Entscheidung des damaligen Meiereichefs Bertram Husfeldt, der Anfang der 1980er-Jahre mit der Produktion von Sauermilchquark begann, der als Vorprodukt zur Weiterverarbeitung zu Harzer Käse verwendet wurde.

 „Das war ein echter Volltreffer“, sagt Wippich. Die Jahresproduktion in der Meierei wurde von 5,5 Millionen Liter Milch im Jahr 1982 auf 10,3 Millionen Liter drei Jahre später fast verdoppelt. 1990 wurden bereits 32 Millionen Liter und 2000 sogar 71 Millionen Liter Milch zu Sauermilchquark und Butter verarbeitet. Als die Preise für Sauermilchquark durch steigenden Preisdruck der lebensmittelverarbeitenden Industrie und des Handels immer tiefer in den Keller rutschten, war es erneut Husfeldt, der die rettende Idee hatte, um die Meierei vor dem Aus zu bewahren. 2003 wurde eine sogenannte Eindampfanlage für 1,4 Millionen Euro angeschafft, die den Einstieg in die Milchkonzentratproduktion ermöglichte.

 2005 wurde die Butter-, ein Jahr später die Sauermilchproduktion eingestellt. Seitdem werden von den zurzeit sieben Mitarbeitern in Struvenhütten ausschließlich Sahne und Magermilchquark hergestellt.

 Der jüngsten Coup in der 125-jährigen Unternehmensgeschichte landete die Struvenhüttener Meierei in diesem Jahr. Mit den in Buchloe (Bayern) ansässigen Karwendelwerken konnte ein starker Partner für die Abnahme der in Struvenhütten erzeugten Sahne gewonnen werden. „Die Karwendelwerke produzieren unter anderem die Frischkäsemarken Exquisa und Miree. Sahne aus Struvenhütten findet sich somit in fast jedem Käseregal in Deutschlands Supermärkten“, sagt Wippich. Auch der Absatz des Magermilchkonzentrats floriert. Fünf große Abnehmer, wie beispielsweise die Gut von Holstein GmbH mit Sitz in Bad Bramstedt oder die Ostmilch Handelsgesellschaft in Berlin werden mit Milchkonzentrat aus Struvenhütten beliefert.

 2012 wurden in der Struvenhüttener Meierei 55 Millionen Liter Milch verarbeitet. Das bescherte der Genossenschaft einen Jahresumsatz von 23 Millionen Euro.