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Segeberg Minister Altmaier warb für Energiewende
Lokales Segeberg Minister Altmaier warb für Energiewende
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12:59 07.02.2014
Engagiert setzte sich Altmaier im Kaisersaal für die Energiewende ein. „Umwelt und Wohlstand passen zusammen“, betonte er.
Bad Bramstedt

Seine Stimme klang zwar arg strapaziert, aber das politische Schwergewicht in der schwarz-gelben Regierungskoalition warb engagiert für die schnelle Abkehr vom Atomstrom.

 Rund 150 Gäste mussten auf Altmaier allerdings über eine Stunde warten. Grund der deutlichen Verspätung: Die zwei schweren dunklen Wagen mit den Berliner Kennzeichen und abgedunkelten Scheiben waren bei der Fahrt von Altmaiers letztem Auftrittsort Hannover auf der A7 in langen Staus stecken geblieben. Um sich nicht noch mehr zu verspäten, hatte er unterwegs „alle zwecks Essen vorgesehenen Raststätten gestrichen“, betonte er launig. Das sei zum Glück das erste Mal in seinem Politikerleben gewesen, stellte der 55-Jährige mit gespielter Erleichterung fest. Schließlich gehöre Essen zu den Freuden seines Lebens. „Und dies“, ergänzte er mit einem breiten Grinsen, „kann man ja auch deutlich sehen.“ Damit kokettierte der studierte Rechtsanwalt mit seinem barocken Leibesumfang.

 Neben dieser bei Berufspolitikern eher seltenen Selbstironie erwies sich Altmaier außerdem als uneitel. Schon bevor der gebürtige Saarländer auf dem Podium Platz genommen hatte, zog er sein Sakko aus und saß kurzärmlig vorn im Saal. Neben ihm die Parteifreunde Mark Helfrich und Gero Storjohann. Beide kandidieren für den Bundestag. Während der Segeberger CDU-Kreisvorsitzende Storjohann wiedergewählt werden möchte, ist Helfrich erstmals Direktkandidat im Wahlkreis Steinburg/Dithmarschen-Süd, zu dem auch Bad Bramstedt gehört.

 Als politisch Verantwortlicher für die Energiewende hat Altmaier seit seinem Amtsantritt im Mai 2012 zahlreiche Reden gehalten. Bei seinem Referat vor den Bramstedter Parteifreunden begnügte er sich deshalb mit kurzen Blicken auf den kleinen Spickzettel. Er bezeichnete die Energiewende als Schlüsselprojekt des Landes, das größte seit der deutsch-deutschen Einheit.

 Ausdrücklich lobte Altmeier die Kanzlerin, die mit Führungsstärke und viel Mut die Abkehr vom Atomstrom eingeleitet habe. Nach seinen Worten geht Deutschland mit der Energiewende als weltweit erstes großes Industrieland den Weg zu einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung. Dabei müsse man allerdings in längeren Zeiträumen denken. „Die Energiewende ist eine Operation am offenen Herzen der Volkswirtschaft“, betonte Altmaier. Sie sei eine Herausforderung für kreative Köpfe, ein Wettbewerb der Ideen. Bei der Unterhaltungselektronik und später bei der Computertechnik habe Deutschland in der Vergangenheit die Vorreiterrolle schlicht verschlafen. Altmaier: „Wenn unser Land bei der Energietechnologie diesmal ganz vorn dabei ist, habe ich vor der Zukunft keine Angst.“

 Auch zum Thema Fracking bezog der Minister klar Stellung: „Das Schiefergas in den tiefen Gesteinsschichten ruht seit Tausenden von Jahren da unten. Da kann es die nächsten Jahre auch erst einmal bleiben. So lange wir keine genauen Untersuchungen darüber haben, wird es in Deutschland keinen Abbau geben.“ Damit lag er übrigens auf einer Linie mit der Piratenpartei, die vor dem Kaisersaal einen Info-Stand aufgebaut hatte.

 Ein wenig Parteipolitik gönnte sich Altmaier bei der CDU-Veranstaltung auch noch. „Trotz der Umfragewerte ist die Bundestagswahl am 22. September noch nicht gelaufen“, mahnte er. Er rief deshalb zum Urnengang auf und warnte seine Parteifreunde vor einem „Mitleidbonus“ für den Koalitionspartner FDP. „Eine Stimmabgabe aus Gnade und Barmherzigkeit für die Liberalen“, betonte Altmaier, „können wir uns nicht leisten.“ Seine Prognose: Die FDP wird mit rund 7 Prozent den Einzug in den Bundestag schaffen.