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Segeberg Motocrosser traten für Hörprobe an
Lokales Segeberg Motocrosser traten für Hörprobe an
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10:00 06.07.2019
Von Sylvana Lublow
Viel Lärm um nichts? 20 Motocrosser fuhren am Donnerstag für eine Hörprobe durch das potentielle Trainingsareal. In der 900 Meter entfernten Wohngegend war kaum etwas zu hören. Quelle: Sylvana Lublow
Kaltenkirchen

Das erregt seit Veröffentlichung der Pläne die Gemüter der Menschen, die in einem nicht weit entfernten Wohngebiet leben. 

Aufgrund der vielen Eingaben im Rathaus hatte die Stadt zunächst im Rahmen einer Bauausschusssitzung am 20. Mai eine offizielle Aussprache für die Bürger organisiert. Rund 600 Kaltenkirchener nahmen daran teil. Weil sie vor allem dem vorgestellten Lärmgutachten, das nur auf Schätzungen basierte, nicht vertrauten, beantragte die FDP-Fraktion im Bauausschuss eine Vor-Ort-Hörprobe, die einstimmig angenommen wurde. Untersucht werden sollte, wie laut es in dem Wohngebiet rund um den Lindrehm wird, wenn in Moorkaten unter realen Bedingungen ein Training simuliert wird.

Zwei mal 45 Minuten Testfahrt mit 20 Motorrädern

Gesagt, getan: Mit ein paar Minuten Verzögerung gingen am Donnerstag kurz nach 17 Uhr 20 Motocrosser des MSC an den Start, um auf dem potentiellen Trainingsgelände in Moorkaten die erste von zwei 45-minütigen Testfahrten auf einer zuvor absteckten knapp zwei Kilometer langen Strecke zu beginnen. Es war laut, die Luft von Abgasen geschwängert und eine allgemeine Aufgeregtheit war unter den vielen Anwesenden MSC-Unterstützern zu spüren. Kein Wunder, schließlich ging es um etwas: „Als uns das Gelände von der Stadt angeboten wurde, haben wir uns natürlich gefreut“, sagt Oliver Thomsen, Verkehrskoordinator beim MSC. Er koordinierte auch die Testfahrten am Donnerstag. „Wir erhoffen uns durch die Hörprobe mehr Objektivität. Das ist jetzt die Chance für jeden, unter realen Bedingungen ein Training zu erleben.“

MSC-Unterstützer hofften auf Annäherung und Verständnis

Und das war nicht ganz ungefährlich. Weil das Areal mit hohen Gräsern bewachsen ist, konnten die Motocrosser nicht jede Kuhle, jeden Hügel ausmachen. Einige von ihnen stürzten, zum Glück verletzte sich niemand. Am Rand des Geländes stand auch Daniela Gollub mit ihrem Baby am Bauch, das seelenruhig schlief. Gollub fährt selbst Motocross, begleitete diesmal aber ihren Mann zur Testfahrt. „Ich finde es gut, dass sich beide Seiten heute unter realistischen Bedingungen annähern können“, sagt die junge Mutter: „Das kann Ängste nehmen, obwohl ich auch schon gehört habe, dass einige der Gegner denken, hier würde nur geschauspielert werden. Es scheint schwierig zu sein, das anzunehmen.“ Ihre Freundin Nele Fröhlich steht daneben, auch ihr Freund Florian Voß ist auf dem Gelände unterwegs: „Diese Trainingsstrecke könnte Schwarzfahrten minimieren“, sagt sie und betont: „Beim Sportfahren gibt es Regeln, es wird auch darauf geachtet, Lärmhöchstwerte nicht zu überschreiten. Man möchte ja auch geduldet werden.“

Im Wohngebiet war kaum etwas zu hören

Szenenwechsel. Rund 900 Meter Luftlinie entfernt befindet sich an einem kleinen Kreisel im Heideweg der zweite Treffpunkt der Hörprobe. Hier standen anfangs noch rund 50 Menschen zusammen, viele davon gehörten zur Stadtverwaltung und Politik. Doch nach etwa einer halben Stunde löste sich die Gruppe mehr und mehr auf. „Ich hatte mit deutlich mehr Anwohnern gerechnet“, sagt Meike Wölfel, Büroleitende Beamtin im Rathaus. Doch knapp eine halbe Stunde nach dem ersten Start war das Ergebnis eindeutig: „Ich habe nichts gehört“, sagte Anwohner Jürgen Kleinworth: „Ich gehöre zwar zu den Gegnern, aber man muss da ehrlich bleiben.“ Auch Detlef Podalski, Sprecher der Bürgerinitiative gegen das geplante Motocrossgelände war vor Ort. Er habe nur wenig gehört. „Das haben wir aber nicht anders erwartet. Das, was dort drüben simuliert wird, ist die Geräuschkulisse eines Bikertreffs und nicht die einer Trainingsanlage.“ Er habe sich diese Hörprobe auch nicht gewünscht. „Das Ganze ist eine Täuschung, Auslassung und Verharmlosung. Ich traue der Stadt nicht“, so Podalski. 

Viel Lärm um nichts? 20 Motocrosser fuhren am Donnerstag für eine Hörprobe durch das potentielle Trainingsareal. In der 900 Meter entfernten Wohngegend war kaum etwas zu hören.

"Lärm zu Lärm": A7-Krach schluckt alles andere

Auch Thorben Kuhlmann vom Vorstand des MSC war im Heideweg und suchte dort die Gespräche mit den Anwohnern. „Ich höre nichts“, musste auch er feststellen: „Wir sind bemüht, um Verständnis zu werben. Aber wer komplett dagegen ist, wird auch mit der Hörprobe nicht überzeugt werden können“, fasst er zusammen. 

Tatsächlich ist an diesem Abend hauptsächlich der durchgängige Lärm von der Autobahn zu hören. An einigen Stellen im Wohngebiet war ab und an ein Motorradgeräusch zu vernehmen, das vom Trainingsareal, aber auch von jeder anderen Stra

ße kommen konnte. „Also ich habe etwas gehört, als ich am Lindrehm war“, erzählte Anwohnerin Stephanie Wittki: „Aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.“ Ihre Nachbarin Birte Berend stimmt zu: „Ich habe auch etwas gehört, aber es war nicht so, dass einem der Kuchen von der Gabel fällt.“ Beide Frauen sind trotzdem gegen eine Trainingsanlage so nah an ihrer Siedlung. Sogar zwei Mitglieder der Jugendstadtvertretung waren in Heideweg, um sich ein Bild zu machen: „Ich kann die Ängste verstehen, aber wir haben hier nichts gehört, außer die Geräusch der Autobahn“, sagte Maxim Hornbostel.

Auswertung erfolgt am 19. August

Einer der Mithörer war Ingenieur Jens Rainer Wittkugel: „Wir haben Westwind und vier Windstärken, optimale Voraussetzungen für diesen Hörtest“, sagte er. Stadtplaner Karsten Schwormstede kam als neutraler Beobachter. Sein Fazit: „Die Geräusche der A7 schlucken alles. Deshalb heißt es in der Stadtplanung auch ’Lärm zu Lärm’“. Außerdem waren auch professionelle Lärmtester vor Ort, allerdings an bewusst unbekannten Stellen. Die Auswertung dieser Messungen und der gesamten Hörprobe findet in der Bauausschusssitzung am 19. August statt. 

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