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Segeberg "Es gibt keine Alternative für uns"
Lokales Segeberg "Es gibt keine Alternative für uns"
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19:41 24.05.2019
Von Sylvana Lublow
Monika Henning während der Einwohnerversammlung am Montagabend, neben ihr sitzt Torsten Johne vom ADAC.  Quelle: Sylvana Lublow
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Kaltenkirchen

Die 66-jährige Ur-Kaltenkirchnerin hat eine besonders tiefe Verbindung zu ihrem Verein: Ihr Vater war 1952 einer der Gründer des MSC Kaltenkirchen. Der Motorsportclub ist seit 1997 auf der Suche nach einem passendem Trainingsgelände und trat mit diesem Wunsch auch immer wieder an die Stadtverwaltung heran. Jetzt wurde ein passendes Areal gefunden. Doch schon in der noch frühen Planungszeit – eine Entscheidung ist noch nicht gefallen – regen sich starke Proteste. Einen Eindruck davon, wie stark und ernst der Protest tatsächlich ist, bekam Monika Henning am Montag zu spüren.

Frau Henning, mit was für einem Gefühl haben Sie die Veranstaltung am Montagabend verlassen?

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Monika Henning: Mit einem bitteren und traurigen Gefühl in der Magengegend. Mit so starken Emotionen seitens der Gegner hatte ich nicht gerechnet.

Warum haben die Befürworter, also Ihre Vereinskollegen, von denen ja einige dort waren, nicht das Wort ergriffen?

Die meisten von uns sind das Sprechen in der Öffentlichkeit nicht gewohnt. Wir hatten Angst vor lautstarken Auseinandersetzungen, die wollten wir auf jeden Fall vermeiden. Torsten Johne vom ADAC war auch dabei und es war geplant, dass er für uns spricht.

Das hat er ja auch. Seine Rede kam aber nicht gut an, klang eher wie eine Drohung....

Das sollte aber gar keine Drohung sein. Er nannte nur ein Beispiel aus einem anderen Ort, wo es gelungen war, das wilde Fahren einzudämmen, weil man den Motocrossern eine Alternative angeboten hatte. Herr Johne war auch ein bisschen aufgeregt, weil man ihn nicht zu Ende sprechen lassen wollte. Ich hätte da auch nicht vor 500 Leuten reden können, die Stimmung war ja unschön.

Hat der MSC diesen Abend schon gemeinsam ausgewertet?

Nein, das machen wir zusammen mit der Stadtverwaltung. Aber wir finden den Antrag der FDP für eine Hörprobe vor Ort gut. 

Denken Sie, dass die Angst vor dem Lärm begründet ist?

Ich denke nicht, dass die Geräusche so weit zu hören sind. Aber mir war auch nicht bewusst, dass unsere Veranstaltung „Onkel Toms Hütte“ so vielen Menschen nicht gefällt und sie sich dadurch belästigt fühlten.

Wieviele Motorräder würden denn in der Trainingszeit gleichzeitig fahren? Im Lärmgutachten war von 20 die Rede, ihr Vereinskollege sprach von 30 und aktiv in der Sparte sind rund 140.

Das wird sich aufteilen. Niemand fährt ja volle zwei oder vier Stunden durch. Man macht Pause, erholt sich, dann fahren andere. Außerdem gibt es auch Fahrer, die an vielen anderen Veranstaltungen teilnehmen und gar nicht so viel Zeit haben, immer am Training teilzunehmen.

Apropos Veranstaltungen: Viele der Bürger zeigten auch ihre Bedenken darüber, dass der MSC neben den vereinbarten Trainingszeiten auch noch extra Veranstaltungen an den Wochenenden plant.

Das haben wir nicht vor. Wir möchten erst mal nur trainieren können, wir möchten, dass die Leute uns kennenlernen und sehen, dass wir gar nicht so schlimm sind. Wir wollen einen Dialog mit den Kaltenkirchenern und uns nicht verfeinden. Nach dem Grundgesetz hat jeder das Recht, sich frei zu entfalten. Nichts anderes möchten wir. Wir haben auch schon mit einigen Menschen aus jenem Wohngebiet gesprochen. Einige finden unsere Pläne gut, andere stören sich daran nicht. Der MSC ist ein Verein in der dritten Generation und in Kaltenkirchen geboren. Es sollte ein Kompromiss gefunden werden.

Haben Sie nach der Einwohnerversammlung am Montagabend noch Hoffnung?

Für uns gibt es einfach keine Alternative, es gibt kein anderes Areal, das in Frage käme. Die Verwaltung hat lange nach diesem Platz gesucht. Wie gesagt, den Beschluss mit der Hörprobe finden wir gut, vielleicht merken die Anwohner danach, dass es nicht so schlimm wird, wie sie befürchten.

Birgit Panten 24.05.2019
Thorsten Beck 24.05.2019
Einar Behn 24.05.2019