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Segeberg Motorsportanlage: Fraktionen uneins
Lokales Segeberg Motorsportanlage: Fraktionen uneins
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22:01 28.05.2019
Von Sylvana Lublow
Ob der MSC Kaltenkirchen künftig in Moorkaten trainieren darf, hängt auch von einer Lärmprobe unter realen Bedingungen ab, die Ende Juni durchgeführt werden soll. Quelle: Archiv
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Kaltenkirchen

Die geplante Motorsportanlage in Moorkaten sorgt ordentlich für Zündstoff. Im Oktober 2017 waren sich die Kaltenkirchener Fraktionen noch einig: Der Bauausschuss beschloss einstimmig eine Änderung des Flächennutzungsplans für das Gelände zwischen der A7 und dem Industriegebiet Moorkaten, um dort zu prüfen, ob sich das Areal für ein Trainingsgelände des MSC Kaltenkirchen eignet. Damit war der Weg frei für Gutachten und die Erarbeitung eines Vorentwurfs, der im März dieses Jahres abermals die Zustimmung aller Mitglieder im Bauausschuss fand.

Doch mit dem Wust an Reaktionen auf diesen Vorentwurf, der mehrere Wochen für die Bevölkerung im Rathaus einsehbar war, hatte wohl niemand gerechnet. Mehr als 700 Eingaben gingen im Rathaus ein, eine Bürgerinitiative aus Anwohnern hat sich gebildet, eine Einwohnerversammlung im Rahmen einer Bauausschusssitzung fand statt.

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Stimmungswechsel nach Gegenwehr

Da das Lärmgutachten niemanden so richtig überzeugen konnte, vor allem die besorgten Anwohner nicht, machte die FDP-Fraktion den Vorschlag einer Lärmprobe vor Ort, dem alle anwesenden Bauausschussmitglieder zustimmten. Dennoch hat die massive Gegenwehr der Bürger für einen Stimmungswechsel bei einigen Fraktionen oder einzelnen Stadtvertretern gesorgt. 

Katharina Loedige, Fraktionssprecherin der FDP, die den Vorschlag zur Lärmprobe machte, möchte diese zunächst einmal abwarten: „Wir wollen wissen, wie es wirklich ist und die Gelegenheit bekommen, den Lärm zu bewerten“, sagt sie: „Es kann durchaus sein, dass die Motorengeräusche der Motorräder vom Lärm der A7 geschluckt werden“, vermutet sie. Für Loedige stehe jedenfalls fest: „Auch dem MSC steht ein rechtsstaatliches Verfahren zu.“

Unterschiedliche Meinungen auch innerhalb der Fraktionen

In der CDU-Fraktion sei noch nichts entscheiden, die Gespräche stehen noch aus, sagt Fraktionssprecher Hauke von Essen. „Wir hatten der Aufstellung des Vorentwurfs zugestimmt, jetzt muss abgewogen werden.“ Von Essen könne sich vorstellen, dass einige Fraktionsmitglieder jetzt gegen die Motocrossanlage stimmen würden. „Es steht nicht fest, ob wir uns als Fraktion einstimmig verhalten, aber das finde ich auch nicht schlimm“, so der CDU-Mann. Von der hohen Beteiligung an der letzten Bauausschusssitzung sei er beeindruckt: „Das habe ich persönlich zuvor noch nicht erlebt.“ 

Auch in der Wählergemeinschaft Pro-Kaki scheint man sich nicht einig zu sein. Fraktionssprecher Reinhard Bundschuh verkündete zwar schon während der Bauausschusssitzung, dass seine Fraktion nun gegen eine Motocrossanlage stimmen werde, doch nicht alle sind der selben Meinung. Pro-Kaki-Stadtvertreterin Renate Volkland sagte der Segeberger Zeitung: „Hundert Prozent einig sind wir uns nicht. Ich möchte erst mal die Lärmprobe abwarten, dann sehen wir weiter.“ Bundschuh hingegen ist sich bereits sicher: „Die vorgeschlagene Hörprobe kann möglicherweise neue Erkenntnisse bringen. Pro-Kaki wird diese Messungen aufmerksam verfolgen, aber auch eigene Messungen durchführen.“ Kaltenkirchen habe aber auch ohne Motocrossanlage schon ein Lärmproblem. „Zusätzliche Belastungen durch eine weitere Lärmquelle, wie Trainingsfahrten des MSC, sind der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, so Bundschuh.

Auch SPD und AfD nehmen Sorgen vor Lärmbelästigung ernst

Von einer „komplizierten Thematik“ spricht SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Schädler: „Uns ist wichtig, mit den Menschen zu sprechen, in kleinem Rahmen.“ Deshalb habe die Fraktion Vertreter der Bürgerinitiative eingeladen. „Der MSC bekommt auch noch eine Einladung“, so Schädler, der Verständnis für beide Seiten zeigt. „Natürlich verstehe ich die Angst vor dem Lärm. Aber der MSC hat auch ein Recht darauf, sich entfalten zu wollen.“ Andere Argumente der Motorsport-Gegner hätten Schädler nicht überzeugt: „Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen gäbe es auch, wenn wir dort einen BMX-Rad-Platz einrichten würden. Außerdem kann man von einem Verein nicht verlangen, nur Kaltenkirchener aufzunehmen.“ Auch das Naturschutz-Argument stehe bei der SPD nicht an erster Stelle. Schädler: „Alles, was in Kaltenkirchen gebaut wird, ob Wohnungen oder Kindergärten, ist ein Eingriff in die Natur.“ Die SPD könne sich noch nicht festlegen. „Es sind bestimmt nicht alle einer Meinung, aber bei uns besteht auch kein Fraktionszwang“, so der Vorsitzende. 

Auch die AfD-Fraktion sieht Schwächen in dem vorhandenen Lärmgutachten. „Wir nehmen die Sorgen der Anwohner ernst und begrüßen deshalb den Antrag der FDP, ein tatsächliches Bild über die Lärmbelastungen zu erstellen“, sagt Fraktionssprecher Marco Werner: „Das Anliegen des MSC ist legitim, eine Zustimmung kann aber nur erfolgen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen und die Bürger nicht über Gebühr belastet werden. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sichergestellt.“

Bürgermeister hofft auf Lösung, die alle zufrieden stellt

Bürgermeister Hanno Krause, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Aufklärungsveranstaltung in der Feuerwache teilnehmen konnte, freut sich über die hohe Beteiligung. „Den dort gemachten Vorschlag, den real erlebbaren Schallpegel von Motorrädern durch Testfahrten wahrzunehmen, begrüße ich sehr“, sagt Krause: „Zurzeit laufen die Abstimmungen zu den Testfahrten, die aktuell für Ende Juni geplant sind. Der konkrete Termin wird rechtzeitig mitgeteilt.“ Krause hoffe, dass letztendlich eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann. „Wir werden auch versuchen, die ungünstigsten Rahmenbedingungen herauszufinden“, so Krause. Zum Beispiel einen Tag mit Süd-West-Wind, der die Geräusche direkt ins Wohngebiet bläst. 

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