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Segeberg Musik wird groß geschrieben
Lokales Segeberg Musik wird groß geschrieben
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06:00 21.12.2012
Von Einar Behn
Jazzige Improvisationen brachten Ben Jotzer (Klavier), Alexander Janßen (Gitarre), Klaas Hadaschik (Cajon und Schlagzeug) und Philip Guhl (Saxofon). Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

So war es auch am Mittwochabend, als Schüler, Lehrer und einige Eltern auf der Bühne der neuen Aula für gute Laune bei den rund 250 Gästen sorgten.

 Musik wird im Bad Bramstedter Gymnasium wieder groß geschrieben. Vorbei die Zeiten, als es mit Harald Schilling nur einen Musiklehrer gab. Mittlerweile stehen dem Fachschaftsleiter mit Gesa Rahders, Anja von Essen und Anja Lommer drei Lehrerinnen zur Seite, die sichtlich Spaß an ihrer Aufgabe haben. Auch Christian Belau, eigentlich Bio- und Sportlehrer, unterrichtet in den unteren Jahrgängen das Fach, weil er privat Schlagzeuger mit langer Bühnenerfahrung ist.

 Musik ist seit einigen Jahren schon kein Abiturfach mehr an der Jürgen-Fuhlendorf-Schule. Nur an wenigen Gymnasien in Schleswig-Holstein gibt es ein sogenanntes „Ästhetisches Profil“, bei dem Kunst und Musik den Schwerpunkt bilden und dann auch Abiturfächer sind. An der JFS wird Musik nur bis zur zwölften Klasse unterrichtet. Lehrer Schilling kann dem aber auch Gutes abgewinnen: „Im Musikunterricht stellen wir jetzt die Praxis in den Vordergrund.“ Da keine Abiturprüfungen mehr geschrieben werden, habe die Theorie nicht mehr den Stellenwert wie früher. Gewollter Nebeneffekt: Es bilden sich Chöre, Bands und andere Ensembles, die einfach Spaß am Musizieren haben.

 Ein Ergebnis dieser Praxisorientierung ist unter anderem die Musicalaufführung der Unterstufenschüler vor 14 Tagen. Jetzt beim Weihnachtskonzert sangen und spielten die Schüler unter Leitung von Anja Lommer einen Auszug aus dem Werk „Das Jahr, in dem Weihnachten fast auf Freitag den 13. gefallen wäre“. Gelungene Gesangssoli steuerten Jennifer Wagenleiter und Lea Scholz bei.

 „Rock for Fun“, „Holy Nights“ und „Let My Light Shine Bright” waren die Titel, mit denen der Schülerchor unter Leitung von Anja von Essen Weihnachtsstimmung in den Saal brachte. Sie leitet auch den Eltern-Lehrer-Chor, in dem eigentlich jeder mitwirken kann. „Wir hatten ihn bisher Elch abgekürzt“, erklärte Musiklehrerin von Essen. Nun müsse das Gesangsensemble richtigerweise „Elech“ heißen, denn einige ehemalige Schüler haben sich dem Chor angeschlossen.

 Es wurde nicht nur gesungen, sondern auch flotter Jazztanz geboten. Dafür sorgte die Tanz AG von Hannah Reiffert. Die Abiturientin leitet die AG im Nachmittagsangebot der JFS.

 Das Weihnachtskonzert war ein Abend der Kontraste. Der Percussion-Wahlpflichtkursus des achten Jahrgangs von Christian Belau war für die lauten Töne zuständig. Mit Trillerpfeife im Mund dirigierte er seine Schüler, die mit Trommeln in allen Varianten für Samba-Rhythmen sorgten. Ganz ruhig wurde es dagegen, als Jorid Behn (13. Jahrgang) zur spanischen Gitarre griff und gekonnt zwei schwierige klassische Werke des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos und des Spaniers Francisco Tárrega vortrug. Jazzige Improvisationen brachte das Quartett Assorted Four auf die Bühne. Vier Schüler aus dem Musikkursus des elften Jahrgangs haben sich zusammengefunden, um mit Klavier (Ben Jotzer), Gitarre (Alexander Janßen), Percussion (Klaas Hadaschik) und Saxofon (Philip Guhl) vor allem freie Improvisationen zu spielen. Philip Guhl versteht sich nicht nur auf Saxofon, er beherrscht auch die Trompete, wie er als Mitglied der Big Band bewies. In der von Harald Schilling geleiteten Band spielte er in Abwechslung mit dem Saxofonisten Daniel Lücht ein Solo, für das es Sonderapplaus gab.

 250 Konzertbesucher bei einer Schule mit 1000 Schülern, das ist nicht besonders viel. Dafür war es ein Publikum, „das sichtlich Freude an dem Konzert hatte“, wie Musiklehrer Schilling meinte. Eintritt wurde nicht erhoben, stattdessen am Ausgang um Spenden gebeten, von denen neue Mikrofone, Kabel und was sonst noch für Musikaufführungen benötigt wird, besorgt werden.

 Das letzte Weihnachtskonzert war es für Direktor Uwe Czerwonka. Er wird mit Ablauf des Schuljahres pensioniert. „Vielleicht werde ich dann als Ehemaliger im Eltern-Lehrerchor mitsingen“, kündigte er an.