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Segeberg Angeklagter muss in die Psychiatrie
Lokales Segeberg Angeklagter muss in die Psychiatrie
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07:00 24.07.2018
Von Stephan Ures
Foto: Die 1. Strafkammer des Landgerichts Kiel wies den Angeklagten (links) in ein psychiatrisches Krankenhaus ein. Sein Verteidiger Hans-Jürgen Wolter plädierte lediglich auf eine amtlich bestellte Betreuung des Mannes.
Die 1. Strafkammer des Landgerichts Kiel wies den Angeklagten (links) in ein psychiatrisches Krankenhaus ein. Sein Verteidiger Hans-Jürgen Wolter plädierte lediglich auf eine amtlich bestellte Betreuung des Mannes. Quelle: Stephan Ures
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Wahlstedt

Angeklagt war der Mann wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Michael Scheck hielt ihn nach drei Verhandlungstagen wegen seiner langjährigen psychischen Erkrankung nicht für schuldfähig.

Am 31. Dezember 2017 war der Angeklagte von einer Passantin und später von den alarmierten Polizisten an seinem Elternhaus im Heideweg in Wahlstedt für einen Einbrecher gehalten worden. Es gab eine Verfolgungsjagd zu Fuß über etwa einen halben Kilometer, ehe der Mann am Gildeweg mit Schüssen in die Beine gestoppt und schwer verletzt wurde. Die Waffe, die er kurz zuvor auf die Polizisten abgefeuert hatte, war - wie sich erst dann herausstellte - eine Schreckschusspistole. Die Ergebnisse der Spurensicherung belegten, dass die drei verfolgenden Polizisten eine Reihe von Warnschüssen abgegeben hatten, ehe sie den Mann gezielt niederstreckten.

Staatsanwältin Barbara Westermayer hatte keine Verurteilung gefordert, sondern - gemäß § 63 des Strafgesetzbuches - die Einweisung in die Psychiatrie. Damit folgte sie den Empfehlungen der vom Gericht bestellten Sachverständigen. Der Wahlstedter leidet seit etwa 2000/2001 an paranoider Schizophrenie. Hans-Jürgen Wolter, der Verteidiger des Angeklagten, hielt einen solchen Beschluss gemäß § 63 für überzogen. Er argumentierte, sein Mandant habe Aggressivität allenfalls immer erst dann gezeigt, wenn er von der Staatsmacht dingfest gemacht werden sollte. 

Der Fall hatte sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt, zumindest nach Auffassung der behandelnden Ärzte in der psychiatrischen Klinik in Neustadt. Sie gehen davon aus, dass der Angeklagte sich am vergangenen Donnerstag mit einem um den Hals geschlungenen Handtuch umbringen wollte. Der Wahlstedter hingegen schilderte, er habe damit etwas gegen seine Kopfschmerzen unternehmen wollen.

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