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Segeberg Neuer Chef soll Traventhaler Heim retten
Lokales Segeberg Neuer Chef soll Traventhaler Heim retten
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10:19 27.10.2019
Von Nadine Materne
Steven Beik ist seit 1. Oktober 2019 neuer Geschäftsführer und pädagogische Leitung der Kinder- und Jugendeinrichtung Schloss Traventhal. Das Heim war wegen eines Verdachtsfalls auf Kindesmisshandlung in die Schlagzeilen geraten. Quelle: Nadine Materne
Traventhal

Anfang September wurden gegen einen nicht-pädagogischen Mitarbeiter der Einrichtung Vorwürfe wegen Kindesmisshandlung bekannt. Die Polizei ermittelt. Inzwischen ist auch die Staatsanwaltschaft Kiel eingebunden. Ihr liegt eine Strafanzeige aus dem Sozialministerium vor, wie Oberstaatsanwalt Axel Bieler mitteilte.

Es geht um den Anfangsverdacht der Misshandlung Schutzbefohlener. „Näheres muss geprüft werden“, sagt Bieler, ohne weitere Details zu nennen. Auch das Sozialministerium, in dem das Landesjugendamt angesiedelt ist, äußert sich auf Anfrage nicht näher zu den Vorwürfen. Jedoch geht es ausdrücklich nicht um den Verdacht sexueller Gewalt, sondern um körperliche Gewalt, wie Bieler bereits klargestellt hatte.

Personelle Verflechtungen mit dem Kreisjugendamt

Zu Hinweisen aus der Branche, angeblich sei das Heim vom Kreisjugendamt durch personelle Verflechtungen gedeckt worden, hatte Bieler in einer früheren SZ-Anfrage nicht Stellung nehmen wollen. „An Spekulationen beteilige ich mich nicht.“

Wenn es einen Verdacht gebe, wäre das als Korruptionsdelikt aufzufassen. Und die Frage, wer die Kinder in einem Heim betreuen dürfe, sei Sache der entsprechenden Fachaufsicht, nicht der Staatsanwaltschaft. „Wir sind für den strafrechtlichen Teil zuständig.“ 

Auf Nachfrage bestätigt der Kreis Segeberg, dass zwei Mitarbeiter aus dem Kreisjugendamt im Juli in die Einrichtung gewechselt waren. Eine dieser Fachkräfte sei zudem im Rahmen einer angezeigten Nebentätigkeit zuvor freiberuflich beratend für die Einrichtung tätig gewesen, habe aber nicht in der Einrichtung gearbeitet, erklärt Kreissprecherin Sabrina Müller.

Es sei nicht richtig, dass Kreismitarbeiter gleichzeitig in der Einrichtung Schloss Traventhal gearbeitet hätten. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte Müller betont, dass „das Kreisjugendamt nach Bekanntwerden der Vorfälle sofort gehandelt hat“.

Anfang September hatte der Kreis sieben Kinder aus dem Heim herausgenommen und anderweitig untergebracht. Bis heute werden keine Kinder in der Einrichtung betreut.

Neuer Chef des Kinderheims auf Personalsuche

„Die Betriebserlaubnis aber existiert noch“, sagt der neue Geschäftsführer Steven Beik. „Allerdings habe ich ein Personalproblem.“ Von elf Mitarbeitern, die im Heim gearbeitet hatten, seien nur noch zwei vorhanden. Nun sucht er nach Ersatz. Er ist zuversichtlich, zügig zwei neue Mitarbeiter einstellen zu können, um den erforderlichen Personalschlüssel zu erfüllen und den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Mit der Heimaufsicht und dem Landesjugendamt sei er im Gespräch.

Gleichzeitig sei er dabei, ein neues Kinderschutzkonzept und ein Beschwerdemanagement zu erarbeiten. Hier soll es in der Vergangenheit Probleme gegeben haben. Mitarbeiter und Kinder müssten künftig genau wissen, an wen sie sich wenden können. Jedes Kind soll darüber aufgeklärt werden, welche Rechte es hat, was in Ordnung ist und was nicht.

Für Beik ist die Geschäftsführung der Kinder- und Jugendeinrichtung Schloss Traventhal die erste Leitungsfunktion. Eigentlich hatte er sich als pädagogische Leitung beworben, berichtet er, der 1. Oktober wäre sein erster Tag gewesen. Dann wurden die Vorwürfe bekannt und Beik zusätzlich Geschäftsführer.

Zuvor habe er 22 Jahre bei einem großen Kitaträger in Hamburg gearbeitet, ein Studium für die Leitung von Kindertageseinrichtungen absolviert und die vergangenen zwei Jahre auch als Leitungsvertretung gearbeitet, sagt Beik über seine bisherige Berufserfahrung. 

Traventhaler Heim soll noch immer erweitert werden

Im laufenden Verfahren hofft Steven Beik, dass nun zügig alle ehemaligen Mitarbeiter der Einrichtung angehört werden zu den Vorwürfen und eine Klärung stattfindet. Auch, damit es weitergehen kann in Traventhal.

Die Einrichtung besteht seit Mitte 2018, sie sollte eigentlich auf 24 Plätze erweitert werden. Im Erdgeschoss des Herrenhauses sind zahlreiche Räume frisch renoviert, ein Spielplatz wurde angelegt, damit weitere Kinder hier betreut werden können. Nun geht es für Beik aber zunächst darum, die ursprünglichen acht Plätze wieder belegen zu können.

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