Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Nachwuchssuche und Bürokratiedschungel
Lokales Segeberg Nachwuchssuche und Bürokratiedschungel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:32 04.02.2019
Foto:  „Wir müssen alle Ressourcen nutzen, um potentielle Arbeitskräfte für das Handwerk zu bekommen“, appellierte Kreishandwerkermeister Michael Kahl beim 40. Neujahrsempfang vor 150 Gästen im Vitalia. 
 „Wir müssen alle Ressourcen nutzen, um potentielle Arbeitskräfte für das Handwerk zu bekommen“, appellierte Kreishandwerkermeister Michael Kahl beim 40. Neujahrsempfang vor 150 Gästen im Vitalia.  Quelle: Klaus J. Harm
Anzeige
Bad Segeberg

 „Wir müssen alle Ressourcen nutzen, um potentielle Arbeitskräfte für das Handwerk zu bekommen“, sagte Kreishandwerkermeister Michael Kahl am Wochenende im Vitalia. Einges wird bereits getan. So luden die Innungen des Bau-, Elektro- und Glaserhandwerks Jugendliche zu einer Ferienspaßaktion ein, bei der diese unter Leitung von Fachhandwerkern eigene Lampen herstellen konnten. Die kleinen Kunstwerke aus Beton, Holz, Glas oder Mosaikfliesen konnten sich durchaus sehen lassen. Auch in die überbetrieblichen Ausbildungsstätten lädt man regelmäßig Schulklassen ein, um dort zu zeigen, was Hände schaffen können. 

"Bürokratismus ist unser größtes Problem"

Auch dankte Kahl den Landtagsabgeordneten, dass sie im Herbst die Möglichkeit für eine „Meistergründungsprämie“ eröffnet hatten. Danach erhalten junge Handwerksmeister, die einen Betrieb gründen oder übernehmen eine Startprämie von 7500 Euro und nach drei Jahren, wenn sie mindestens einen Arbeitsplatz geschaffen haben, noch einmal 2500 Euro aus Landesmitteln. „Wir warten allerdings noch auf eine Durchführungsverordnung“, schränkte Kahl sein Lob etwas ein.

In der von RSH-Moderator Carsten Kock moderierten Talkrunde im „Vitalia“ arbeiteten Kahl und Landrat Jan Peter Schröder neben den Nachwuchsproblemen und wachsender Schattenwirtschaft auch das „superkomplizierte Vergaberecht“ (Kahl) aus. „Bürokratismus ist unser größtes Problem“, pflichtete Landrat Schröder seinem Vorredner bei. „Wir alle haben es geschafft, aus Angst vor Bestechung und Klagen das Verfahren so kompliziert zu machen!“ Verdrießlich setzte er hinzu: „Auch wir als Verwaltung schaffen es nicht immer, bei Ausschreibungen alles richtig zu machen.“

Kreishandwerksmeister Kahl fragte sich daraufhin: „Und wie soll dann ein kleiner Handwerker mit zwölf Mitarbeitern das machen?“ Lauter Beifall aus dem Plenum verdeutlichte, dass es sich hier nicht nur um ein Einzelproblem handelte.

Unverständnis herrschte bei den Handwerkern über die Diesel-Frage, da ihre Lieferwagen und Lkw ausschließlich mit diesem Kraftstoff laufen. „Es ist eine bodenlose Frechheit, was sich die Fahrzeugindustrie mit uns als Kunden erlaubt“, meinte Thorsten Freiberg. „Wenn ich auf der Baustelle so einen Betrug veranstalten würde, wäre ich sofort am Ende!“

Goldener Meisterbrief verliehen

Geehrt wurde auf der Veranstaltung neben anderen der Ehrenobermeister der Maler- und Lackiererinnung, Siegfried Jessen aus Seth, der über 25 Jahre ehrenamtlich neben seinem Betrieb für die Handwerkerschaft tätig war und am 6. April 1968 seinen Meisterbrief erhalten hatte. Er bekam aus den Händen des Präsidenten der Handwerkskammer Lübeck den Goldenen Meisterbrief.

Etwas jünger waren die Landessieger im praktischen Leistungswettbewerb der Handwerksjugend. Bei den Dachdeckern wurde dies Michel Christofferson aus Neumünster, bei den Metallbauern Tim Cruse aus Schenefeld. Dritter Landessieger bei den Landmaschinenmechatronikern wurde Hendrik Heisch aus Bimöhlen, der bei Timm Landtechnik in Fehrenbötel seine Lehre abgeschlossen hat. Sie erhielten von mehreren Sponsoren kleine Geschenke und Ausbildungsgutscheine, um ihnen den Weg zum Meister zu erleichtern.

Beim Neujahrsempfang der Kreishandwerker wurde viel diskutiert, aber auch verdiente Mitglieder ausgezeichnet.

Von Klaus J. Harm

Harald Becker 04.02.2019
04.02.2019