Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Bürgermeister wehren sich gegen Vorwürfe
Lokales Segeberg Bürgermeister wehren sich gegen Vorwürfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:06 04.06.2019
Von Gunnar Müller
Zwei Gemeinden, ein Anliegen: Nahes Bürgermeister Holger Fischer (links) und Itzstedts Bürgermeister Helmut Thran ziehen an einem Strang. Quelle: Gunnar Müller
Nahe/Itzstedt

Herr Thran, warum waren Sie als Bürgermeister von Itzstedt eigentlich beim Treffen von „Nahe bleibt Dorf“?
Helmut Thran: Das Treffen fand in Itzstedt statt und wenn Holger Fischer Zeit gehabt hätte, wäre er auch gekommen.

Holger Fischer: Es gibt für mich auch angenehmere Abende. In dieser Runde kann man diese Fragen nicht richtigstellen. Es wird immer geblockt.

Thran: Ich kannte die Leute vorher nicht und wollte die mal kennen lernen. Ich bin durchaus nicht konfliktscheu. Die Gemeinde Itzstedt ist auch unmittelbar betroffen! Ich betrachte das als gemeinsames Projekt der Gemeinden Nahe und Itzstedt. Das betrachten auch alle anderen Gemeindevertreter so. Das berührt uns genauso. Und auch alle Bürger Itzstedts profitieren davon.

Und welche Erfahrungen machten Sie dort?
Thran: Man muss sich ja mal mit Argumenten auseinandersetzen – was da gemacht wird ist Stimmungsmache. Und die (Bürgerbewegung, Anm. d. Redaktion) arbeiten mit Fakes – also wenn ich das hier sehe (zeigt auf Flyer) und man sich mit den Realitäten auseinandersetzt, hat das nichts mehr miteinander zu tun.

Jetzt trifft sich „Nahe bleibt Dorf“ in Itzstedt und ist dagegen, dass Nahe und Itzstedt näher zusammenrücken.
Thran: (lacht) Tja, wollen wir das noch kommentieren? Ist das nicht paradox?

Fischer: Dazu muss man sich die Gruppe der Aktivisten betrachten, wer dabei ist und wie das zusammenspielt. Letztlich ist mein Vorgänger (Ortwin Peters, Anm. der Red.) ja auch noch aktiv in der Gruppe. Der hat 2001 genau das gleiche gemacht, was jetzt läuft: Die achte F-Plan-Änderung in Bezug auf die Landesplanung. Damals war das Bestreben, auch von ihm, dass wir um die 46 Hektar in die Planung mit reinbekommen. Das Land hat das zusammengestrichen auf 35 Hektar. Dann haben wir einen F-Plan aufgestellt mit 35 Hektar, mit sieben oder acht Teilflächen, von denen heute noch nicht alle von umgesetzt sind. „Rodelberg“ gehört zum Beispiel auch mit dazu. 2001 wurde das im F-Plan festgeschrieben und erst jetzt erschlossen.

Kennen Sie eigentlich zum Beispiel Frank Reher, einen der Sprecher von „Nahe bleibt Dorf“?
Fischer: Nein, den habe ich nie zuvor auf einer Versammlung gesehen. Deswegen war ich ja so überrascht, als er mir vorwarf, ich informierte die Bürger nicht. Auf der Facebook-Seite der Gemeinde, Postwurfsendungen, Aushänge, Zeitung und eine Einwohnerversammlung – übrigens zu einem Zeitpunkt, wo ich das noch nicht hätte machen brauchen. Aber wir haben gesagt, wir wollen die Bürger so früh wie möglich einbeziehen. Da tut’s mir leid, wenn man sich normal nicht um das Ortsgeschehen kümmert.

Sie waren bestimmt entsetzt, als Sie den Flyer von „Nahe bleibt Dorf“ bekamen, oder?
Fischer: Nein, ich habe nichts anderes erwartet. Das war ja schon vorher auf der Internetseite „Nahe bleibt Dorf“.

Thran: Also, ich habe mich schon drüber aufgeregt . Als ich das das erste Mal bei Juhls Gasthof auf dem Tisch gesehen habe, habe ich gedacht: Was ist das denn? Auf welchem Niveau bewegen wir uns da?

Fischer: Mich stört das gar nicht, dass es eine Gruppe gibt, die dagegen ist. Das ist Demokratie und völlig normal. Aber wie sie das machen. Das muss dann fair abgehen. Ich versuche auch immer ehrlich zu sein und das vernünftig rüberzubringen. Was mir da auf Facebook um die Ohren gehauen wird, ich sei „Bürgermeister Trump“ – Wahnsinn, was die da verbreiten. Ich weiß nicht, was das soll. Da sind für mich andere Bestrebungen bei...

Thran: ...da sind so eindeutige Fälschungen dabei. Das vermittelt ja wirklich den Eindruck, da entstehe eine Betonwüste! Wenn man sich mit der Realität ein bisschen auseinandersetzt und die Zahlen mal liest, dann weiß man, dass das wirklich mit der Wahrheit nichts zu tun hat. Das ist reine Stimmungsmache. Und nun laufen die durch die Gegend mit: 37 Hektar Betonwüste. Von diesen 37 Hektar sind über fünf Hektar öffentliche Grün- und Wasserflächen, weitere sechs Hektar öffentliche Verkehrs- und Wanderwege. Es verbleiben circa 26 Hektar für Baugrundstücke. Davon dürfen nur 25 Prozent bis ein Drittel überbaut werden. Das heißt, es sind 18 Hektar von weiterer Bebauung freizuhalten, sodass dann rund acht Hektar übrigbleiben. Acht Hektar, von denen wir reden! Die reden von fast 50 Hektar.

Zwischen einem Konzept, einem Plan und letztlich einer Realisierung liegen zumeist viele Jahre – wie stellte sich das in der Vergangenheit dar, und was erwarten Sie beim umstrittenen Konzept?
Fischer: Ansonsten wäre dies wenn überhaupt eine F-Plan-Erweiterung unserer jetzigen. Aus der achten Änderung von 2001 kann man wirklich ersehen: sieben Teilflächen und zusammen 35 Hektar. Diese Teilflächen sind alle beschrieben, wo sie sind. Und das ist auch noch nicht alles bebaut. Das Gebiet „Rodelberg“ etwa wird jetzt erst umgesetzt. 

Thran: Fakten werden nicht einmal mehr aufgenommen. Ich möchte mal aus dem Schreiben des Innenministeriums zitieren: Den Gemeinden Nahe und Itzstedt wurde die Funktion eines gemeinsamen ländlichen Zentralortes zugewiesen. Damit ist Itzstedt gleichgestellt mit den Gemeinden auf den Siedlungs-Achsen. Und die sollen eine bedarfsgerechte Flächenvorsorge für die wohnbauliche und gewerbliche Versorgung leisten. Dazu sind wir verpflichtet.

FischerNahe war mal in den 40er- und 50er-Jahren eine Großgemeinde, aus den Kriegszeiten noch. Dann wurde das geändert und dann kam 1962/63 das erste F-Plan-Verfahren. Da war alles aufgelistet, was wir damals an Betrieben und Ärzten hatten. Ich recherchiere gerne, was mal gewesen ist, bevor die im Glashaus sitzen und mit Steinen schmeißen.

Thran: In den letzten hundert Jahren hat sich die Einwohnerzahl von Itzstedt mehrfach verdoppelt. Nach dem Ersten Weltkrieg kam ein großer Zuzug, während des Zweiten Weltkrieges viele Hamburger, die dort ausgebombt wurden – und viele davon blieben dann auch hier. Dann war nach dem Zweiten Weltkrieg die ganze Flüchtlingswelle. Da sind ganze Siedlungen angebaut worden, weil Wohnungsnot herrschte. Und später kam die Wohlstandswelle und die Bürger bauten eigene Häuser. 

Fischer: Die Zentralorte sind von 1987 bis 1999 um 36,39 Prozent gewachsen. In zwölf Jahren waren das 893 Wohneinheiten in Nahe und in Itzstedt 653.

Angenommen das Konzept würde irgendwann realisiert und das Wachstum wäre dann wirklich 58 Prozent, dann wäre das ja gar nicht so viel?
Fischer: Nein, wenn man das zurückverfolgt, dann nicht.

Thran: Und dann muss man sehen, dass die Zahlen nur auf Nahe bezogen sind. Ich sehe das aber als Projekt von Nahe und Itzstedt. Wenn man die gemeinsamen Einwohnerzahlen zugrunde legt, dann halbiert sich der Zuwachs ja. Das ist eigentlich Realität. Nahe und Itzstedt werden aus meiner Sicht irgendwann mal fusionieren. Da gibt es Vorteile, die eindeutig auf der Hand liegen. Wir sind jetzt schon ein zentraler Ort und als solchen müssten wir uns auch begreifen. Man muss vielleicht mal ein bisschen über die eigene Ortsgrenze hinweg gucken.

Glauben Sie, Sie haben da die Rückendeckung der meisten Itzstedter und Naher?
Fischer: Kann ich nicht sagen, aber wenn man das mal alles richtigstellt, was hier von den Leuten verbreitet wird, dann glaube ich schon, dass die meisten das nachvollziehen. Ich werde in einem Gemeindebrief mal alle Straßen aufzählen – man kann ja nicht dagegen sein, was man früher selbst gemacht hat? Junge Familien freuen sich, einen Bauplatz zu bekommen – warum soll man dem Wunsch entgegentreten? Schule, Feuerwehr, da können alle profitieren.

Eine ältere Dame auf der Versammlung befürchtete das Schlimmste für die Natur.
Thran: Wenn die als Bewahrer der Natur auftreten: Da, wo die wohnen, war vor 30 oder 40 Jahren auch noch Wiese. 

Fischer: Ich habe eigentlich keine Lust das zu kommentieren (zeigt auf den Flyer). Wenn ich das hier sehe mit der Plastikwüste. Gerade wenn man so umweltbewusst ist, zeigt man keine Kunststoffbahnen, dann zeige ich was, was auch richtig an der frischen Luft wächst.

Thran: Ja, es findet ein Eingriff statt – und ich sag mal ganz ketzerisch: Die Monokultur Ackerfläche wird zu einer Siedlung mit vielen Gärten und Bäumen. In einer derart strukturierten Wohnsiedlung, in der die Grundstücke überwiegend nur zu ein Drittel überbaut werden dürfen und mit über fünf Hektar zusätzlichen öffentlichen Grün-/Park und Wasserflächen, ist die Artenvielfalt garantiert vielfach höher als auf einer intensiv genutzten Ackerfläche! Trotzdem ist es ein Eingriff und dafür werden Ersatzmaßnahmen geschaffen.

Befürchten Sie nicht, um Sie zu zitieren, dass die sich von diesen „Fake News“ beeinflussen lassen?
Thran: Nein, das darf man auch nicht überbewerten. Wir haben zusammen fast 5000 Einwohner. Und da sitzen 50 Leute. Wir nehmen jeden Einzelnen ernst, aber das ist nicht die Mehrheit.

Kann man sich da nicht noch einmal an einen großen Tisch setzen?
Thran: Na, die Frage ist sowieso, warum ist Herr Reher nicht mal auf uns und vor allem die Naher Gemeinde zugekommen. Ich fand das schon ein starkes Stück in Juhls Gasthof . Warum hat er uns nicht ein einziges Mal eingeladen zu einer Veranstaltung? Wir laden ja alle ein.

Interview: Gunnar Müller

Info-Box:

Der Initiative „Nahe bleibt Dorf“ haben sich inzwischen 43 Bürger angeschlossen. Sie wollen, dass die Kommunalpolitiker sich „wieder auf ein moderates Wachstum unseres Dorfes besinnen“, heißt es auf der Internetseite www.landleben-nahe.de. So sei es in den vergangenen 25 Jahren praktiziert worden. Der dörfliche Charakter des Ortes müsse erhalten bleiben. Mit Hilfe der Politik solle der Verkehrskollaps auf der Bundesstraße 432 verhindert werden. Für ihr Anliegen wollen die Initiatoren auch drastischere Wege gehen: „Hierzu steht uns als demokratisches Hilfsmittel das Bürgerbegehren und der Bürgerentscheid zur Verfügung. Einige unserer Mitstreiter haben die ersten, sehr erfolgversprechenden, Kontakte zur Kreisverwaltung geknüpft. Die Weichen sind gestellt.“ Einen neuen Termin für ein Treffen hat die Initiative noch nicht bekannt gegeben.

Bei Kontrollen wurden Risse im Fenstersturz des Rathausturmes Kaltenkirchen entdeckt. Am Dienstagvormittag rüsteten Bauarbeiter den Turm ein, um zum einen die Passanten vor möglichen herabfallenden Mauerteilen zu schützen, aber zum anderen den Fachleuten Platz zum Arbeiten zu geben.

Nicole Scholmann 04.06.2019
Segeberg Gedenkstätte Springhirsch - Damit Geschichte nicht vergessen wird

Wie es ist, im Unterricht nicht nur Theorie zu pauken, sondern etwas Nachhaltiges zu erschaffen, das durften Kaltenkirchener Gymnasiasten des Geschichtsprofils erleben. 25 Schüler entwickelten im vergangenen Jahr ein Geschichtslabor für die KZ-Gedenkstätte Springhirsch in Nützen.

Sylvana Lublow 04.06.2019

Edgard Schmidt aus Garbek beschäftigt sich mit dem Tod. Der 69-Jährige wünscht sich die Bestattung in einer Urnenwandkammer. Bei mehreren Kirchengemeinden seines Umkreises fragte er an - und blitzte ab. In Stockelsdorf gibt es zwei solcher Kolumbarien. Die Plätze sind stark nachgefragt.

Gerrit Sponholz 03.06.2019