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Segeberg Es geht um knallharten Rechtsextremismus
Lokales Segeberg Es geht um knallharten Rechtsextremismus
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10:15 18.10.2019
Von Heike Stüben
Dortmund gilt als eine der Hochburgen von Neonazis -in Schleswig-Holstein wurde in den letzten Jahren ein leichter Rückgang der Szene auf 1100 Personen, davon 400 gewaltbereit, beobachtet. Doch das könnte sich mit der Rückkehr von Neonazi Bernd T. jetzt ändern. Quelle: Marius Becker
Kiel

Besondere Sorge bereitet, dass die Gruppe um Neonazi Bernd T. versucht, Schüler für einen Aryan Circle Nord zu rekrutieren und Menschen bedroht, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.

„Insbesondere in Bad Segeberg werden Vertreter der  Zivilgesellschaft massiv unter Druck gesetzt. Es kommt zu bedrohlichen Situationen, die sich zunehmend gegen politische Gegner richtet und in Zusammenhang mit einer Neonazi-Szene steht, die sich dort gerade entwickelt“, sagt Dr. Kai Stoltmann vom Zentrum für Betroffene rechter Angriffe.

Erst Bedrohung, dann tätlicher Angriff?

Die Entwicklung sei  besorgniserregend. „Es ist zu befürchten, dass aus bedrohlichen Situationen tätliche Angriffen werden.“

Denn Bernd T. ist nicht nur wegen diverse Gewalttaten rechtskräftig verurteilt worden, sondern ist bundesweit eng mit der Rechtsextremisten-Szene vernetzt und will offenbar von Bad Segeberg aus einen deutschen Aryan Circle aufbauen. Das Neonazi-Netzwerk stammt aus den USA und gilt dort als kriminelle Vereinigung. Es kämpft für den Erhalt der weißen Rasse, die als überlegen angesehen wird.

Klimabewegung gehört zum Feindbild

In Bad Segeberg soll T. bereits eine Gruppe von Anhängern um sich geschart haben. Auf einer Demonstration in Hamburg trat man sichtbar in Aryan-Circle-T-Shirts auf. Zuvor hatte die Gruppe Teilnehmer der Klimademonstration in Bad Segeberg fotografiert und zum Teil persönlich eingeschüchtert.

Lesen Sie auch: Neonazis machen sich in Bad Segeberg und Schleswig-Holstein breit

Die Gruppe um T. soll sich bereits mit der Division Nord vernetzt haben, die sich bereits in Aryans Circle Nord umbenannt haben soll. Die Division Nord, hinter der ein Mann und eine Frau aus Bornhöved stehen soll und die Kontakte zur NPD und  zur Gruppierung Bollstein Kiel hat, hat der Verfassungsschutz bereits seit 2017  im Fokus.

Schulterschluss mit Divison Nord

Die Gruppe bekennt sich zum Nationalsozialismus, verbreitet im Netz eine rassistische und antisemitische Ideologie, tauscht sich aber auch über die Beschaffung von Waffen und deren Einsatz aus.

Der Verfassungsschutz war sicher, dass die Gruppe diese Waffen auch einsetzen will. Deshalb gab es 2018 gegen Nordic Division wie auch eine weitere Neonazi-Gruppierung Nordadler Durchsuchungen und strafrechtliche Ermittlungen. Das Ergebnis steht noch aus.

Erhöhte Gefahr für öffentliche Sicherheit

 „Division Nord oder jetzt Aryan Circle sind Belege, dass aus anfangs virtuellen Gruppierungen im Netz ohne feste Organisationsstruktur inzwischen organisierte Gruppierungen mit aggressiv-kämpferischem Auftreten in der Realwelt geworden sind. Von diesen Gruppierungen geht eine erhöhte Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus“, erklärte gestern ein Vertreter des Verfassungsschutzes.

 „Division Nord“ oder jetzt „Aryan Circle“ stellen grundsätzlich keine völlig neuen Entwicklungen im Rechtsextremismus dar. Gruppierungen dieser Art gab es bereits in der Vergangenheit, beispielsweise als sogenannte Kameradschaften. Damals wie heute zeichnet viele diese Gruppierungen ein gefestigtes neonationalsozialistisches Weltbild mit einem ausgeprägten Rassismus und Gewaltorientierung aus. Die Vernetzung erfolgt heute fast ausschließlich über das Internet.

Die Schulleiter in Bad Segeberg sollen mittlerweile vom Bildungsministerium eine Anweisung erhalten haben, sofort die Polizei zu rufen, wenn der Skinhead Bernd T. auf dem Schulgelände auftaucht oder Gruppenmitglieder Schüler ansprechen. Mindestens eine Schule hat dem 45-Jährigen bereits Hausverbot erteilt. 

Service

Hier gibt es Informationen und Hilfe

Aus Sicht des Landesdemokratiezentrums Schleswig-Holstein ist es aus präventiver Sicht notwendig, dass Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen für das Thema sensibilisiert und informiert werden, woran man Neonazis erkennt und wie man sich verhält, wenn sie Kontakt aufnehmen oder einen bedrohen. "Das wird nicht erst notwendig, wenn Kinder und Jugendliche auf Schulhöfen angesprochen wurden", wurde betont.

Privatpersonen, Schulen und andere Institutionen können sich bei den Regionalen Beratungsstellen Landesdemokratiezentrums SH kostenlos informieren und beraten lassen. Die Kontakte finden Sie hier. Wer Opfer antisemitischer, rechtsextremer oder anderer rassistischer Angriff wird, kann sich an Zebra e.V., das Zentrum für Betroffene rechter Angriffe  wenden.

Aktuelle Nachrichten aus Schleswig-Holstein finden Sie hier.

Jahrelang hat die hiesige Neonazi-Szene ihre Propaganda und Drohungen vor allem anonym im Internet verbreitet. Seit einigen Wochen zeigt sie sich aber auch in Bad Segeberg und Umgebung immer offener. Es tauchen Aufkleber des "Aryan Circle" auf.

Thorsten Beck 18.10.2019

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