Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Neubau zieht sich hin und wird teurer
Lokales Segeberg Neubau zieht sich hin und wird teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:43 25.06.2019
Von Gerrit Sponholz
Die historische Travebrücke der Kreisstraße 12 in Herrenmühle zwischen Schwissel und Traventhal war 1870 gebaut worden und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Quelle: Gerrit Sponholz
Anzeige
Traventhal/Schwissel

„Das hat sich reichlich verzögert“, stöhnt auch Jörg Buthmann (CDU), Vorsitzender des Kreiswirtschaftsausschusses. „Die K12-Brücke ist seit vielen Jahren ein Dauerthema.“ Schon Ende der 1990er Jahre sei darüber gesprochen worden. 

Die einzige Travequerung zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe

Klar ist: Geschehen muss etwas. Derzeit hält die über 140 Jahre alte Brücke aus Stein nur deshalb, weil vor einigen Jahren das Bauwerk abgestützt worden ist. Nur Pkw und Lkw bis 16 Tonnen dürfen passieren. Der Verkehr darf nur einspurig laufen, um die Brücken nicht zu sehr zu belasten. 

Anzeige

Dass ein Neubau nötig ist, hatte der Kreis zuletzt 2018 betont: Die kleine Brücke sei die einzige Travequerung für Schwerlastverkehr zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe, eine Umleitungsstrecke für die A21, eine Zufahrt für Besucher der Karl-May-Spiele, und wichtige Zuwegung zu landwirtschaftlichen Flächen. 

Laut Verkehrszählung von 2016 fahren dort täglich 3158 Kraftfahrzeuge, davon drei Prozent Lkw. 

Seit rund 20 Jahren ziehen sich die Planungen hin. Anfangs verzichtete der Kreis auf einen Neubau. Das Land, das für die Trave zuständig ist, wollte sich partout nicht an den Brückenbaukosten beteiligen. Vor 16 Jahren bildeten sich Risse im Mauerwerk, später ging es an die Planung.

Bis heute ziehen sich die Umweltprüfungen hin, denn das Gelände liegt in einem FFH-Schutzgebiet. Außerdem gab es „Konflikte mit dem Auftragnehmer der Planung“, sagt eine Kreissprecherin. Und von einem „aufwändigen straßenrechtlichen Verfahren“ hatte 2017 der frühere Bauamtsleiter Thomas Falck gesprochen. 

Fast 150 Jahre alt ist die Travebrücke in Herrenmühle - die einzige Querung über die Trave zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe. Die Brücke ist marode, doch ein Neubau zieht sich hin.

Fünf mögliche Varianten, Kreis will Flächen kaufen

Die Folge: Es ist weiter offen, wo und in welcher Form die Trave bei Herrenmühle künftig gequert werden soll. Die Kreisverwaltung will sich alle Optionen offen halten. Deshalb möchte sie jetzt alle Flächen kaufen, die für den Standort und die Zuwegung in Frage kommen.

Fünf Varianten für eine Lage der Brücke gibt es, sagt Jörg Buthmann (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. Eine läge südlich von Herrenmühle, vier nördlich. Wo genau, wollte er nicht sagen. Der Ausschuss hatte hinter verschlossenen Türen getagt. 

Das Gremium entsprach mit Mehrheit dem Wunsch der Kreisverwaltung. Das Geld soll aus dem Topf der Kreisstraßensanierung genommen werden. Es war bislang für den Ausbau der K57 bei Schmalensee und Stocksee gedacht. Der fällt aber erst 2020 an, nicht mehr 2019. Nach Angaben des Kreises waren hierfür 900.000 Euro vorgesehen. 

Notfalls, so Buthmann, könne der Kreis die später ungenutzten Flächen für Naturschutz nutzen. Für ihn fällt die Lage der K12-Brücke in Abhängigkeit von der künftigen A20-Trasse bei Bad Segeberg. „Das steht und fällt mit der A20“, sagt Buthmann.

Noch Jahre bis zur Baugenehmigung

Eine Kreissprecherin sieht dies anders: „Ein Zusammenhang mit der A20-Planung besteht nicht. Grundsätzlich unterliegt die fachlich anspruchsvolle Planung der K12 aber vergleichbaren rechtlichen Anforderungen.“ Bis zu einer Baugenehmigung „werden noch mehrere Jahre vergehen“. 

Wo die A20 entlang führen soll, wird die Planungsgesellschaft Deges im Auftrag von Bund und Land wohl Ende des Jahres festlegen. Allerdings könnte die A20-Trasse, wie schon einmal, erneut beklagt werden.

Eine Klage schließen Beobachter mittlerweile auch nicht im Fall der K12-Brücke bei Herrenmühle aus. Sie würde, wie die A20, ein FFH-Schutzgebiet treffen. Wohl auch deshalb plant der Kreis so genau, um nicht vor Gericht Schiffbruch zu erleiden. Gerichtssensible Themen werden offenbar intensiv abgearbeitet, etwa die Welt der Fledermäuse, Haselmäuse und Reptilien mehrfach seit 2013 untersucht. 

Derweil wachsen die Kosten. In die Planung gesteckt wurden bislang 225.000 Euro, sagt eine Kreissprecherin. Über die möglichen Baukosten, früher mal auf 2,5 Millionen Euro geschätzt, wollte sie nicht spekulieren. 

Kritiker plädiert für Neubau an gleicher Stelle

Grünen-Fraktionschef Arne Hansen, aus dem Nachbardorf Klein Gladebrügge und A20-Kritiker, wundert sich über den Kreis. Auf Verdacht wolle er Flächen kaufen. Hansen plädiert dafür, lieber die alte Brücke abzureißen und an selber Stelle eine neue zu bauen. „Das ist ein minimaler Eingriff und kein Hexenwerk.“ Das wolle der Kreis aber wohl nicht, sondern lieber eine Brücke, die sich geradewegs durch das Tal ziehe und damit einen schnelleren Verkehr ermögliche.

Bislang liegt die alte Brücke schwer passierbar in einer unübersichtlichen Kurve. Außerdem wolle der Kreis wohl vermeiden, dass der Verkehr komplett gestoppt würde für die Zeit des Abrisses und des Neubaus an gleicher Stelle. 

Außerdem zweifelt Hansen den Nutzen einer großen Brücke an neuer Stelle an. Er stützt sich auf offizielle Verkehrsprognosen für das Jahr 2025. Gäbe es die A20 noch nicht, würden auf der K12 täglich rund 3400 Kraftfahrzeuge unterwegs sein, mit einer A20 wären es sogar nur 500. 

Eine Chronologie lesen Sie hier.

Gerrit Sponholz 25.06.2019
Sylvana Lublow 24.06.2019
Jann Roolfs 24.06.2019