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Segeberg Neue Biografie über Arved Fuchs
Lokales Segeberg Neue Biografie über Arved Fuchs
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06:05 06.04.2013
Von Uwe Straehler-Pohl
Autor Bernhard-Michael Domberg (links) und Arved Fuchs stellten die gut 400 Seiten umfassende Biografie vor. Quelle: Uwe Straehler-Pohl
Bad Bramstedt

Seit über zehn Jahren kennen sich Fuchs und Autor Bernhard-Michael Domberg, der ebenfalls in Bad Bramstedt lebt. Über verschiedene Projekte, unter anderem die lokale Initiative Berufsausbildung (LIBA), die Jugendlichen beim Einstieg ins Berufsleben hilft, lernten sie sich näher kennen und schätzen. Domberg, der als freier Journalist für die Segeberger Zeitung tätig ist und bereits mit einem weiteren Autor ein Buch über die Industriellenfamilie Stinnes verfasst hat, fragte Fuchs Ende 2010, ob er seine Biografie schreiben dürfe. „Ich habe relativ schnell zugestimmt“, erinnerte sich Fuchs nun bei der Präsentation des druckfrischen Buches. „Es gab bereits einige Anfragen anderer Autoren, sodass eine Entscheidung gefällt werden musste.“

 Für Domberg war es ein Vertrauensbeweis, den Zuschlag zu erhalten. Anfang 2011 begann er die Arbeit mit dem Ziel, nach ein bis eineinhalb Jahren fertig zu sein. Sein anfängliches Konzept verwarf er jedoch wieder, „es war zu chronologisch und zu wenig autobiografisch“, erinnert sich Domberg. Das Menschliche sollte mehr in den Fokus rücken. Doch genau das entpuppte sich als außerordentlich zeitaufwendig. Zeitzeugen aus Fuchs‘ Umfeld sollten helfen, ihn als Menschen zu beschreiben und kennenzulernen: Seine Mutter, die in Berlin lebenden Schwestern, Lehrerinnen, ehemalige Mitglieder seiner Schiffscrew, Begleiter auf den Expeditionen wurden befragt, ebenso Abenteurer Rüdiger Nehberg und Extrembergsteiger Reinhold Messner.

 „Aufwendig war es auch, die Fakten richtig darzustellen“, erinnert sich Domberg an die Recherchearbeiten. Stimmten die Jahreszahlen, die geografischen Lagen, waren die Inseln, deren Namen kaum jemand kennt, richtig geschrieben? „Ich war mir sicher, dass dieses Buch auch von kritischen Menschen gelesen wird, die sich bestens auskennen“, beschreibt Domberg den Druck, den er bei dieser Arbeit verspürt hat. Hinzu kam, dass der ursprünglich gedachte Herausgabetermin, der 23. Juni 2012, schon im Fernsehen bekannt gegeben wurde. Das Datum war aber nicht zu halten, das Material einfach zu umfangreich. Arved Fuchs sei wegen des Verzugs nicht erfreut gewesen, gibt Domberg zu, aber seinem Grundsatz treu geblieben, „jedem eine zweite Chance zu geben“.

 Fuchs berichtete, die Lektüre des Manuskriptes sei für ihn eine ganz neue Erfahrung gewesen, komplett anders als bei den Sachbüchern, die er selbst geschrieben hat. „In dieser Komplexität etwas über sich selbst zu lesen, ist schon etwas befremdlich, zumal auch viele Details gar nicht mehr so präsent sind.“ Über Fakten könne man nicht diskutieren, erinnert sich Fuchs an die diversen Besprechungen mit Domberg, „wohl aber über die Gewichtung des Inhaltes. Darüber haben wir uns manches Mal gefetzt. Ich habe mich aber bewusst aus der Bewertung einiger Dinge herausgehalten, es ist schließlich eine Biografie, keine Autobiografie.“

 Die Kindheit in Bad Bramstedt als Sohn eines Arztes der Rheumaheilstätte beschreibt Domberg facettenreich, Fuchs‘ Berufsausbildung als Seemann, die ihn erstmals in ferne Kontinente bringt, gehört ebenfalls zu den Kapiteln, die bisher weniger bekannte Seiten des prominentesten Bad Bramstedters zeigen. Im Mittelpunkt des über 400 Seiten starken Druckwerkes stehen natürlich die zahlreichen Expeditionen, angefangen mit einer Kanutour durch Labrador, für die Fuchs auf der heimischen Osterau trainierte. Mit Kopfjägern in Borneo machte er als junger Mann Bekanntschaft, ehe er dann seine Liebe für die ganz kalten Regionen der Erde entdeckte. Statt der Osterau diente nun das Kühlhaus des Bad Bramstedter Nordfleisch-Schlachthofs als Trainingsterrain.

 Ein besonders heikles Kapitel ist die Südpol-Expedition 1989 mit dem Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner. Der Medienstar aus Südtirol veröffentlicht bereits während des Gewaltmarsches zum Pol im „Spiegel“ seine Expeditionsberichte, ohne dass Fuchs davon weiß. Messner verkauft sich als der „Winner“, Fuchs wird als „Loser“, als Verlierer, dargestellt, der das Tempo nicht halten kann. Die Freundschaft der einstigen Weggefährten zerbricht – bis heute.

 Nicht nur die Beschreibung der vielen Unwägbarkeiten, des Kampfes mit Naturgewalten, Eisbären und Torturen bis zur völligen Erschöpfung machen dieses Buch spannend, sondern auch die Beschreibung des Miteinanders der Expeditionsteilnehmer. Der Leser erfährt, wie es ist, auf engstem Raum an Bord eines kleinen Segelkutters die unwirtlichsten Gegenden der Welt zu bereisen und trotzdem irgendwie miteinander auszukommen.

 Das Buch zeigt aber auch den Wandel der Persönlichkeit Fuchs‘ vom jungen Abenteurer, der die Welt entdecken wollte, bis zum heute – Fuchs wird in wenigen Tagen 60 – auch von Wissenschaftlern ernst genommenen und geschätzten Gesprächspartner in Sachen Klimaschutz.

 Öffentlich vorgestellt wird das Buch erstmals am Freitag, 24. Mai, im Bramstedter Schloss (19 Uhr). Der Eintritt kostet 5 Euro. Karten gibt es im Tourismusbüro Bad Bramstedt und in der Buchhandlung Buch und Medien im Maienbeeck.