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Segeberg Neuer Winnetou ist angekommen
Lokales Segeberg Neuer Winnetou ist angekommen
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18:25 30.06.2019
Von Thorsten Beck
Alexander Klaws (links) gab als Häuptling Winnetou bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg einen gelungenen Einstand. Quelle: Claus Harlandt
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Bad Segeberg

„Sie haben unendlich viel für die Karl-May-Spiele getan“, dankte ihm Geschäftsführerin Ute Thienel.

Noch einmal trägt die Bearbeitung des berühmten Stoffes im Freilichttheater die Handschrift des 76-jährigen, der dort 1996 erstmals die Gesamtverantwortung getragen hatte und die erfolgreichste Ära in der Geschichte der Spiele mit sechs Besucherrekorden in Folge maßgeblich mitgeprägt hat. Und nach der Premiere vor gut 7500 begeisterten Besuchern, die Schultze jr. am Sonnabend stehend applaudierten, lässt sich festhalten: Er ist sich und seinem in all der Zeit geschulten Blick auf eine der bekanntesten Open-Air-Bühnen Deutschlands treu geblieben. 

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Winnetou weniger salbungsvoll

Leicht verändert im Vergleich zu früher ist in dem rund zweistündigen Spektakel allenfalls die Tonlage der beiden Blutsbrüder – beide als Debütanten in ihren Rollen mit einer Art künstlerischem Migrationshintergrund. Der eine, Sascha Gluth als Old Shatterhand, war lange Jahre der Klaus Störtebeker auf Rügen; der andere, Alexander Klaws als Winnetou, schwang sich einst als Tarzan durch ein Hamburger Musicalhaus.

Shatterhand kommt im neuen Buch von Michael Stamp etwas flapsiger daher als früher, und auch der große Häuptling der Apachen zeigt sich in moralischen Konfliktmomenten weniger salbungsvoll als gewohnt. In Gegenwart seines vom Publikum noch einmal gefeierten Vorgängers Jan Sosniok konnte Klaws unter Beweis stellen, dass die gelungene Darstellung des Old Surehand 2017 kein Zufallsprodukt war. Besser dosiert als in manchen Vorjahren ist dieses Mal die Komik, natürlich wie immer garniert mit etlichen aktuellen Anspielungen.

Ministerpräsident Günther gibt Startschuss

Eröffnet wurde die neue Saison zum zweiten Mal in Folge von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Er erinnere sich noch gut an das Jahr 1984: Damals habe er in Bad Segeberg schon einmal eine Inszenierung von „Unter Geiern“ gesehen – als Elfjähriger.

Kreisstadt-Bürgermeister Dieter Schönfeld, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Kalkberg GmbH, griff noch einmal die kürzlich geäußerte Kritik auch an den Karl-May-Spielen auf, ihre Darstellung der Indianer und die Benutzung des Begriffs „Rothaut“ seien nicht mehr zeitgemäß und politisch unkorrekt. „Wir zeigen hier eine erdachte Geschichte, die Phantasiewelt Karl Mays.“ 

Überraschung Larissa Marolt

Er freue sich über die Ermunterung und den Zuspruch, die den Verantwortlichen in den vergangenen Tagen in erheblichem Umfang zuteil geworden seien. Der Autor ließ es sich im Übrigen nicht nehmen, das Thema noch rasch in die Dialoge einzuarbeiten.

Eigentliche personelle Wundertüte war vor der Premiere die 26-jährige Larissa Marolt als „Tiffany O’Toole“, in den Rocky Mountains gestrandete Schauspielerin. Der Österreicherin könnte es dem ersten Eindruck nach gelingen, sich im Staub der Kalkbergarena von ihrem eher eindimensionalen Fernsehbild zu emanzipieren. Auch der 32 Jahre alte Raúl Richter als „Martin Baumann“, Sohn des Bärenjägers, fremdelt überhaupt nicht mit den doch sehr speziellen Gegebenheiten der Arena.

Indianer als Oberschurke

Ungewohnt: In dieser Saison zieht kein weißer Schurke wie der berüchtigte „Ölprinz“, der im kommenden Jahr nach Bad Segeberg zurückkehrt, den Groll des Publikums auf sich. Zentraler Bösewicht ist stattdessen ein Indianer: Sioux-Häuptling Hong-peh-te-ke, der Schwere Mokassin: wieder einmal glänzend verkörpert von Nico König. Ansonsten sind die garstigen Häuptlinge meist von den bösen Bleichgesichtern instrumentalisiert und zeigen sich gegen Ende gern geläutert.

Furioses Finale

So bekommt auch der rote Schurke am Ende natürlich, was er verdient: Erst im furiosen Finale offenbart das neue Bühnenbild seine ganzen, in der Tat ziemlich beeindruckenden Geheimnisse. Dabei lässt ein anderer großer Abenteuerheld unverkennbar grüßen: Indiana Jones.

Premiere von "Unter Geiern - Der Sohn des Bärenjägers" am Kalkberg.
Thorsten Beck 30.06.2019
Michael Stamp 29.06.2019
Nicole Scholmann 29.06.2019