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Segeberg Neuer Wirbel um Kita-Neubau
Lokales Segeberg Neuer Wirbel um Kita-Neubau
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05:58 12.04.2013
Von Einar Behn
Elternvertreter Thomas Rickert, hier vor der Arche, will nicht akzeptieren, dass künftig, trotz neuer Küche, vorgekochtes Essen ausgegeben wird. Quelle: Bernd-Michael Domberg
Bad Bramstedt

Die Eltern schlagen Alarm und haben bereits die Bad Bramstedter Parteien um Unterstützung ersucht. Architektin Angela Schnack verweist auf die zu hohen Kosten, die eine Gewerbeküche verursachen würde.

 Rückblick: Die Kita Arche soll für 1,2 Millionen Euro erweitert werden. Kern des Anbaus sind zwei Gruppenräume für je zehn Krippenkinder. Auch die kleine Küche des Altbaus soll im neuen Gebäude durch eine moderne ersetzt werden. Heftige Kritik gab es an den Planungen, als bekannt wurde, dass in Lentföhrden eine Krippe für 20 Kinder für nicht einmal die Hälfte der Kosten gebaut wurde. Bauherr in Bad Bramstedt ist die evangelische Kirchengemeinde, die Baukosten trägt aber längerfristig die Stadt Bad Bramstedt, da die Kreditabzahlung einschließlich Zinsen in das von der Stadt zu deckende Betriebsdefizit einkalkuliert wird. Die hohen Kosten für den Anbau entstehen vor allem wegen des ungünstigen Bauplatzes. Unter anderem müssen zum Altbau Höhendifferenzen ausgeglichen werden. Ein frei stehendes Gebäude, wie in Lentföhrden, lässt sich auf dem Grundstück der Arche nicht realisieren, andere Standorte waren von der Stadt nicht geprüft worden.

 Nachdem der Sozialausschuss der Stadt trotz der horrenden Kosten dem Projekt zähneknirschend zugestimmt hatte, gibt es nun, zumindest für die Eltern und auch einige Kommunalpolitiker, eine weitere Überraschung: In der neuen Küche kann für die dann 90 Kinder der Arche nicht mehr täglich alles frisch gekocht werden. Stattdessen ist geplant, zumindest teilweise vorkonfektionierte Kost zu beziehen, die dann nur noch aufgewärmt werden muss. Ein Alleinstellungsmerkmal der Kindertagesstätte geht somit verloren. Denn obwohl die Küche zurzeit viel kleiner ist als die geplante, kocht eine Mitarbeiterin das Essen für die zurzeit 70 Kitakinder täglich selbst. Birgit Albrecht, SPD-Mitglied im Sozialausschuss, erklärte der Segeberger Zeitung, sie habe davon nichts gewusst, das Thema sei nie angesprochen worden. „Sonst hätte ich bestimmt dagegen protestiert.“ Der Kirchenvorstand hätte das auch den Eltern sagen müssen, monierte die Kommunalpolitikerin.

 Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach erklärte dagegen, es sei bekannt gewesen, dass nicht mehr alles frisch gekocht werden kann. Aus den Unterlagen ist das allerdings kaum ersichtlich. In einem Kostenvergleich der Architektin Angela Schnack mit der Kita Lentföhrden heißt es lediglich: „Der neu geplante Küchentrakt ist so ausgelegt, dass alle 90 Kinder der Einrichtung im Rahmen der Ganztagsbetreuung verpflegt werden können.“ Da bisher täglich gekocht wird, gingen wohl die meisten der an den Beratungen Beteiligten davon aus, dass das auch mit der neuen, deutlich größeren und modernen Küche so bleiben wird. Architektin Schnack dazu: „Um den Auflagen des Gesundheitsamtes zu genügen, müsste eine Gewerbeküche eingebaut werden, die rund 80000 Euro kostet.“ Das sei in dem vorgegebenen Kostenrahmen aber nicht möglich. Die jetzige Küche, die kaum größer als die in einem Privathaus ist, entspreche schon längst nicht mehr den Bestimmungen. Das Gesundheitsamt könnte dem „jederzeit einen Riegel vorschieben“. Die Architektin erläuterte, es sei nicht daran gedacht, die kompletten Mahlzeiten anliefern zu lassen. „Es könnte aber beispielsweise das Fleisch vorgekocht geliefert werden, während das Gemüse frisch zubereitet wird.“ Dafür reiche die Küche aus.

 Elternvertreter Thomas Rickert will das nicht hinnehmen. Vorkonfektioniertes Essen sei nicht nur geschmacklich schlechter, es enthalte auch weniger Nährstoffe. „Diverse Eltern sind entsetzt, als sie davon hörten“, berichtete der Vater von zwei kleinen Töchtern. Er hält die ganze Planung der Krippe für verfehlt. An anderer Stelle, beispielsweise an der Schatzkiste, wäre der Bau einer Krippe viel billiger geworden und man hätte solche Nachteile nicht in Kauf nehmen müssen.

 Noch aus einem anderen Grund sind die Eltern besorgt. Für den Anbau muss eine Seitenwand der bestehenden Kita, ein Okal-Fertighaus aus den frühen 1970er Jahren, abgerissen werden. Sie ist asbesthaltig. Architektin Schnack versicherte, dass eine Spezialfirma mit der Entsorgung des krebserregenden Materials beauftragt werde. Die Kita muss dafür aber eine Woche geschlossen werden. „Wir wollen die Arbeiten möglichst um den 1. Mai oder Christi Himmelfahrt durchführen, damit nicht zu viele Tage ausfallen“, erklärte die Planerin.