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Segeberg Vom Teneriffa-Urlaub in die Quarantäne in Norderstedt
Lokales Segeberg Vom Teneriffa-Urlaub in die Quarantäne in Norderstedt
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17:11 07.03.2020
Von Gesa Abel
Perdita S. vertrieb sich die Langeweile während der Quarantänezeit vor allem mit Stricken. Quelle: Gesa Abel
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Norderstedt

Zehn herrliche, sonnige Tage konnte Perdita S. auf Teneriffa genießen. Dann trübte ein Sandsturm, der den Rückflug verzögerte, die Urlaubsstimmung. Das „dicke Ende“ folgte aber erst nach der Landung in Hamburg: Perdita S. erkannte in den Nachrichten das Hotel wieder, aus dem sie zwei Tage vorher ausgecheckt hatte. In dem „H 10 Costa Adeje Palace“ war ein Gast positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Seitdem haben die spanischen Behörden das Hotel abgeriegelt.

Sorgen um die Angehörigen

„Gleich am nächsten Tag habe ich den Kontakt mit den Behörden gesucht, um mich testen zu lassen. Dabei ging es mir weniger um mich selbst, ich bin ja gegen Grippe geimpft und gesundheitlich gut davor“, berichtet die Apothekerin. Vielmehr habe sie sich um ihre in Bad Bramstedt lebende Tochter und das Enkelkind gesorgt sowie um einen mehrfach erkrankten Bekannten, den sie nach der Ankunft in Hamburg noch besucht hatte.

Doch obwohl Perdita S. im Gesundheitswesen tätig ist, war es nicht einfach, die für sie zuständige Behörde zu finden. Insgesamt kontaktierte die Apothekerin das Robert-Koch-Institut, das UKE in Hamburg, das Bernhard-Nocht-Tropeninstitut, ihren Hausarzt und das Bundesgesundheitsministerium. „Ich war hartnäckig, weil ich mich unbedingt testen lassen wollte. Ich kann mir aber vorstellen, dass jemand anderes vorher einfach aufgegeben hätte.“

Supermarkteinkauf untersagt

Bis sie eine kompetente Ansprechpartnerin beim Gesundheitsamt des Kreises Segeberg, Abteilung Infektionsschutz, erreichte. „Von da an ging es voran, dort hat sich eine umsichtige Mitarbeiterin meiner angenommen“, berichtet die 72-Jährige. „Von dem Moment an galt „Stufe 1, sofortige Quarantäne“. Zügig erhielt S. einen Test-Termin im Forschungszentrum Borstel. Ein letzter kleiner Zwischenstopp im Supermarkt wurde ihr untersagt.

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Während die Norderstedterin auf das Testergebnis wartete, ließ sie noch einmal den Urlaub Revue passieren: Liege an Liege mit der munteren italienischen Urlauber-Gruppe, die offenen Lebensmittel am Buffet, nur eine Nasszelle für alle Poolgäste. „Ich habe schon überlegt, bei welchem Kontakt eine Ansteckung erfolgt sein könnte“. Dann kam einen Tag später das Testergebnis: negativ. „Ich war froh. Die Menschen, die ich zuvor getroffen hatte, konnte ich nicht angesteckt haben“. 

Bürgertelefon

Hier können sich Bürger informieren:

Rund um die Uhr ist die Kassenärztlichen Vereinigung unter Tel. 116117 für Patienten erreichbar. Das  allgemeine Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums ist unter 030-346 465 100 erreichbar, das Bürgertelefon des Landesgesundheitsministeriums 0431-7970001 (werktäglich von 8 bis 18 Uhr). Die Hotline des Kreises Segeberg unter 04551-951 98 33 ist von montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr besetzt.

Mit Stricken die Zeit vertrieben

Trotz dieser Erleichterung: die häusliche Quarantäne lief weiter. „Ich habe viel gestrickt und tatsächlich Dinge geputzt, die ich lange nicht in der Hand hatte“, spricht sie aufgeräumt über diese sechs Tage in amtlicher Quarantäne. Sie habe auch nicht viel telefoniert; das sei nicht ihre Art. Einmal täglich habe das Kreis-Gesundheitsamt angerufen – eine Kontrolle und psychosoziale Betreuung gleichermaßen.

Die Nachbarn haben für sie die Pakete angenommen, darüber hinaus habe die Apothekerin ihr persönliches Umfeld aber nicht weiter einbeziehen und beunruhigen wollen. Ihre Lebensmittelvorräte hätten ausgereicht, auch wenn sie zum Schluss frisches Gemüse vermisst habe. „Der Online-Supermarkt, bei dem ich sonst immer bestelle, hatte auf eineinhalb Wochen leider keine Liefertermine mehr frei“.

Kein zweiter Test nötig

Offiziell endete die Quarantäne am Montagabend, ohne das ein zweiter Corona-Test durchgeführt wurde. „Das ist bei Ansteckungsverdächtigen in Quarantäne ohne Symptome nicht sinnvoll“, erläutert Sabrina Müller, Pressesprecherin des Kreises Segeberg. Dennoch hat Perdita S. ihre Wohnung vorsorglich erst am Donnerstagabend wieder verlassen.

„Den Müll rausbringen, mal ein paar Meter gehen. Das war schön“, berichtet sie von ihrer ersten Runde nach der Quarantäne. Nun will sie auch ihren Mann treffen, mit dem sie gemeinsam auf Teneriffa im Urlaub gewesen ist. Seit der  Rückkehr nach Deutschland hat sich dieser in seiner Hamburger Wohnung aufgehalten. Freiwillig, so Perdita S., denn die zuständigen Hamburger Behörden hielten in seinem Fall weder einen Test noch eine Quarantäne für erforderlich

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