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Segeberg „Sniper“ verstörte mit Drohbriefen
Lokales Segeberg „Sniper“ verstörte mit Drohbriefen
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07:00 14.07.2016
Von Alexander Christ
Der Kauf des Bauernhofs an der Dorfstraße in Oersdorf hatte Anfang des letzten Jahres für heftige Diskussionen in der Gemeindevertretung gesorgt. Quelle: Alexander Christ
Oersdorf

In den Schreiben, die allesamt mit „american sniper“ (übersetzt: amerikanischer Scharfschütze) unterzeichnet waren, empfiehlt der Unbekannte den Empfängern in deren Interesse, der Sitzung fernzubleiben, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Kebschull: „Zudem enthält der Brief mehrere rechtslastige Parolen wie beispielsweise ,Deutschland den Deutschen, Oersdorf den Oersdorfern‘“. Weitere Empfänger waren die Amtsverwaltung des Amtes Kisdorf in Kattendorf sowie die Betreiberin des Oersdorfer Gemeindehauses. Kebschull erstattete sofort nach Empfang des Drohbriefs Anzeige bei der Polizei.

 Das Motiv des Verfassers glaubt Kebschull zu kennen: „Auf der abgeblasenen Sitzung sollte die Architektin aus Hamburg Pläne über die zukünftige Nutzung eines von der Gemeinde im letzten Jahr gekauften Bauernhofs an der Dorfstraße vorstellen. Ursprünglich sollten hier Wohnungen für Flüchtlinge entstehen, doch diese Pläne wurden inzwischen verworfen. Offensichtlich wusste das der Täter nicht.“ Für diese Annahme spreche auch die in den Schreiben geäußerte Unterstellung, die Gemeindevertretung und insbesondere der Bürgermeister wollten heimlich und im Schutz der Fußball-Europameisterschaft und somit sozusagen ohne Öffentlichkeit den Beschluss für den Bau einer Asylunterkunft fällen.

 Entsetzt sei er von der Aggressivität der ausländerfeindlichen Drohungen gewesen, erklärte Kebschull. Da sich die Botschaft von den Drohbriefen schnell im Dorf verbreitete, reagierte Kebschull nun mit einem Bürgerinformationsschreiben, das er an alle Oersdorfer Haushalte verteilen ließ.

 Die ausgefallene Sitzung des Bauausschusses soll nun am Donnerstag, 21. Juli, ab 19 Uhr, im Gemeindehaus nachgeholt werden. Die Architektin wird ihre Pläne zur Umwandlung des ehemaligen Bauernhauses in seine seniorengerechte Wohnanlage mit vier Mietwohnungen vorstellen.

 Der Kauf des Bauernhofs hatte Anfang des letzten Jahres für heftige Diskussionen in der Gemeindevertretung gesorgt. Denn aus ursprünglich geschätzten Umbaukosten in Höhe von 300000 Euro wurden unerwartet innerhalb weniger Tage 540000 Euro. Das führte dazu, dass der Haushalt für die Gemeinde nur mit knapper Mehrheit von den damals fünf Gemeindevertretern der OeWV durchgewunken wurde. Die vier AWOe-Mandatsträger stimmten dagegen. Die beiden fraktionslosen Gemeindevertreter Markus Kohrt (OeWV) und Jan Heesch (FDP) enthielten sich.

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