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Segeberg "Ohne Pflegedienst schaffe ich es nicht"
Lokales Segeberg "Ohne Pflegedienst schaffe ich es nicht"
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14:58 27.04.2019
Maria (9) muss rund um die Uhr gepflegt werden. Pflegemutter Jutta Feddern (58, links) aus Schwissel bekommt Unterstützung Krankenschwester Natasha vom Kinderintensivpflegedienst Balu aus Neversdorf. Doch nicht alle Familien können versorgt werden. Quelle: Nadine Materne
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Schwissel/Neversdorf

Ambulantes Pflegepersonal zu finden ist schwierig. Es gibt wenige Anbieter mit qualifiziertem Personal.  „Ich könnte zehn Vollzeitkräfte einstellen“, sagt Saskia Danger, Leiterin des Kinderpflegedienstes Balu aus Neversdorf.

Personalmangel: Nicht alle Kinder können zu Hause gepflegt werden

Alles rede vom Pflegenotstand in der Altenpflege, kritisiert sie. Doch auch in der Kinderkrankenpflege fehle es an Personal. „Es können längst nicht alle Kinder nach Hause“, so Danger, selbst gelernte Kinderkrankenschwester.

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Auch sie habe eine Warteliste. Und mit der neuen generalistischen Pflegeausbildung ab 2020, so befürchtet Danger, werde sich das Problem noch verstärken. Die spezielle Ausbildung für die Kinderpflege komme zu kurz.

Die Pflege von Kranken, alten Menschen und Kindern unterscheide sich. Das Spritzen von Medikamenten, so hat es Danger erlebt, trauten sich fachfremde Pfleger bei Kleinkindern nicht immer zu.

Auch die Kommunikation sei grundlegend verschieden. „Ein Erwachsener kann mir sagen, was ihm fehlt, ein Kind kann das nicht“, schildert Krankenschwester Natasha Z. (Pflegepatienten sollen ihren vollen Namen aus Datenschutzgründen nicht erfahren). Das mache die Krankenbeobachtung deutlich anspruchsvoller.

Maria (9) aus Schwissel ist auf Pflege angewiesen

Auch Maria kann nicht reden, sie macht sich mit Lauten bemerkbar. Die Liste der Beschwerden und Einschränkungen des Mädchens ist lang. Maria ist blind, sie muss gefüttert werden, das Schlucken bereitet ihr aber auch Schwierigkeiten.

Flüssigkeit erhält sie über eine Sonde. In der Bewegung ist die Neunjährige stark eingeschränkt, laufen kann sie nicht, die Gelenke versteifen, die Wirbelsäule ist stark gekrümmt. Der Pflegeaufwand ist hoch.

„13 Mal am Tag braucht Maria Medikamente, fünf Mal muss sie inhalieren“, zählt Saskia Danger auf. Alle zwei Stunden müsse Maria umgelagert werden. Rund um die Uhr müssen ihre Vitalzeichen beobachtet werden. Vor allem die Sauerstoffsättigung muss bei Maria stetig kontrolliert werden. Sinkt sie müsse das Sekret im Mund abgesaugt werden.

Angst vor Kürzung der Pflegezeit

Außerdem hat das Kind einen Wasserkopf. Steigt der Hirndruck, wird Maria übel, womöglich kommt es zu Erbrechen. „Das kann aber auch eine Magen-Darm-Erkrankung sein“, wirft Pflegemutter Jutta Feddern ein. Als Laie wisse sie dann nicht, was zu tun ist. Sie ist froh, wenn fachkundige Pfleger im Haus sind – bislang 400 Stunden im Monat.

Abends, am Wochenende und in den meisten Nächten kümmert sich Feddern allein um Maria. Die Verantwortung, die sie dann trägt, mache ihr auch Angst, sagt die Pflegemutter.

So manches Mal habe sie die Bereitschaftsnummer gewählt, um sich Rat beim Pflegenotdienst zu holen. Auch der Krankenwagen stand bereits mehrfach vor der Tür, weil Maria zu krampfen begann. „Auch das Absaugen kann ich nicht“, schildert sie.

Vor einigen Monaten hat die Krankenkasse Jutta Feddern mitgeteilt, dass die Pflegeleistung von 400 radikal auf nur noch 62 Stunden im Monat gesenkt werden soll. Zwei Stunden am Tag. „Das würde ich körperlich und seelisch gar nicht durchstehen“, sagt sie.

Feddern hat noch drei weitere Kinder im Haus, darunter zwei weitere Pflegekinder, es sind Geschwister von Maria. Der Pflegedienst begleitet Maria auch in die Förderschule. Drei Mal pro Woche.

Auf Probleme aufmerksam machen

„Zwei Stunden Pflege, das ist ein Witz“, ärgert sich Saskia Danger. „Das wurde nach Aktenlage entschieden.“ Das Widerspruchsverfahren läuft aber noch, jüngst war ein Gutachter vor Ort, um den Pflegeaufwand vor Ort zu beurteilten. Das Ergebnis steht noch aus, deshalb wollen Danger und die Familie die zuständige Krankenkasse nicht öffentlich benennen.

„Es ist aber generell so, dass ich oft um jede Minute Pflege kämpfen muss“, sagt Saskia Danger. Sie will deshalb auf die Probleme aufmerksam machen, viel zu lange seien die Kinderkrankenpfleger viel zu leise gewesen.

Danger hat Politiker angeschrieben – und auch Rückmeldung erhalten. Jüngst durfte sie ihre Bedenken auch im Gesundheitsministerium vortragen. Ob das etwas ändert, muss sich erst noch zeigen.

Von Nadine Materne

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