Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Plattdeutsch liegt voll im Trend
Lokales Segeberg Plattdeutsch liegt voll im Trend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:30 21.02.2019
Von Sylvana Lublow
Lehrerin Petra Kerschinsky mit ihren Plattdeutsch-Schützlingen. Seit Jahren kommen sie im landesweiten plattdeutschen Vorlesewettbewerb ins Finale. Quelle: Sylvana Lublow
Anzeige
Kaltenkirchen

„Auf Plattdeutsch kann man wunderbar schimpfen“, sagt Amelie Koch. Die 13-jährige Gymnasiastin macht bei der Plattdeutsch-AG ihrer Schule mit und kam beim landesweiten plattdeutschen Vorlesewettbewerb, an dem das Gymnasium alle zwei Jahre teilnimmt, ins Finale. Mit der AG, Angeboten im Begabtenförderungsprogramm und dem Vorlesewettbewerb hat die Kaltenkirchener Schule bisher dafür gesorgt, dass Niederdeutsch auch bei den jungen Menschen am Leben erhalten wird.

Doch das soll nicht alles bleiben. Mit einem ausgefeilten Konzept hat sich das Gymnasium beim schleswig-holsteinischen Bildungsministerium beworben. Dort kamen die vielen Ideen so gut an, dass die Schule jetzt – als zweite im Land – das PrädikatModellschule Niederdeutsch für Sekundarstufe Eins“ erhielt. Darin enthalten sind vier zusätzliche Lehrer-Wochenstunden. 

Anzeige

Plattdeutsch kommt nicht aus der verstaubten Ecke

Lehrerin Petra Kerschinsky ist die Beauftragte für Niederdeutsch am Gymnasium Kaltenkirchen und beschreibt das Konzept, das ab dem kommenden Schuljahr in Kraft treten soll: „Alle fünften Klassen werden dann ein mehrmonatiges Plattdeutsch-Modul durchlaufen und so einen Erstkontakt zu der Sprache erhalten.“ Zwei Stunden pro Woche werden die Kinder also in Plattdeutsch unterrichtet, allerdings ohne Benotung. „Wir wollen das Interesse und die Begeisterung wecken, ohne Zwang, sonst geht der Spaß verloren“, erklärt Kerschinsky. Wer dann Feuer gefangen hat, kann in der sechsten Klasse Plattdeutsch im Wahlpflicht-Modul vertiefen. „Dort geht es dann auch um niederdeutsche Literatur, kulturelles Hintergrundwissen und natürlich um das aktive Plattdeutsch-Sprechen“, sagt Kerschinsky.

Ackerschnacker heißt Handy: Plattdeutsch kann auch modern

 Dass Plattdeutsch noch längst nicht in die verstaubte Ecke gehört, davon sind vor allem die Kinder überzeugt. „Ich finde, es ist eine Art Trend. Immer, wenn ich von Plattdeutsch erzähle, kommen von meinen Mitschülern ganz viele Fragen“, erzählt Christine Moeckelmann. Die 15-Jährige machte bei der AG mit und nahm drei Mal am Vorlesewettbewerb teil.

„Wenn wir diese Minderheitensprache mit Leben füllen, geben wir ihr auch neue Impulse“, sagt Kerschinsky. Plattdeutsch wird also weiterentwickelt und der Gegenwart angepasst. Sie nennt Beispiele: „Ackerschnacker heißt Handy, Wischbook Tablet-PC und Klapprekner Laptop.“ Kinder werden die Sprache weiterentwickeln, ist sie sich sicher: „Sie sind die Botschafter für Plattdeutsch.“

Einar Behn 21.02.2019
Segeberg Kleiderkammer der Kirche - Abschied eines echten Teams
Andreas Wicht 20.02.2019
Segeberg Mobilität auf dem Land - Mitfahrnetz: Zu wenige steigen ein
20.02.2019