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Segeberg In Boostedt lebt es sich sicher
Lokales Segeberg In Boostedt lebt es sich sicher
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10:05 05.04.2019
Von Einar Behn
Waren nicht immer beste Freunde: Bürgermeister Hartmut König (links), hier bei einer gemeinsam abgehalten Einwohnerversammlung, fühlt sich von Innenminster Hans-Joachim Grote schlecht informiert. Quelle: Ulf Dahl
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Boostedt.

Der Mann mit den dunklen Haaren geht mit leerem Rucksack zu Aldi und kommt – ohne zu bezahlen – mit vollen wieder heraus. Die Kassiererin darf nicht eingreifen. Das erzählte Gemeindevertreter Peter Windischauf der Pressekonferenz im Hof Lübbe zum Thema Sicherheitslage in Boostedt. Auch Facebook steht voll solcher Geschichten. Doch die Wahrheit ist eine andere. „Boostedt ist ein sicheres Dorf“ – so stellen es Gemeindevertreter und Polizeiführung da.

Anlass, vor die Presse zu treten, war die Berichterstattung der Kieler Nachrichten, nach der Straftaten in der Landesunterkunft (LUK) für Flüchtlinge weder der Öffentlichkeit noch Bürgermeister Hartmut König (CDU) mitgeteilt wurden. König blieb auch am Mittwoch dabei: „Ich habe nichts zurück zu nehmen.“ Oft genug hätten Bürger ihm von Straftaten berichtet und er habe nichts gewusst, weil er offiziell nicht informiert worden sei. Was König ebenfalls ärgert: „In Ausschüssen im Landtag wird über Boostedt gesprochen und ich werde nicht einmal dazu angehört.“ Mit der Polizei sei allerdings vereinbart worden, sich künftig regelmäßig auszutauschen. 

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Deutlich gestiegenen Bewohnerzahl

Tatsächlich hat es in Boostedt 2018 gegenüber dem Vorjahr einen signifikanten Anstieg von Kriminalität gegeben, sowohl in der Landesunterkunft als auch im Ort. In der Landesunterkunft stieg die Straftatenzahl um 172 Prozent, was die Polizei aber vor allem mit der deutlich gestiegenen Bewohnerzahl begründet. Und auch mit einer komplett geänderten Bewohnerklientel. „Anfangs hatten wir in Boostedt vor allem Familien aus Syrien, für die sicher war, das sie hier bleiben können. Jetzt sind es alleinstehende junge Männer ohne Bleibeperspektive“, erklärte der stellvertretende Polizeidirektionsleiter Jan-Hendrik Lewering. Die neigten deutlich eher zu kriminellem Handeln.

Die Zahl der Rohheitsdelikt, vor allem Körperverletzungen, ist laut Polizeistatik von 41 Taten in 2017 auf 97 im letzten Jahr gestiegen. Das seien aber ganz überwiegend Bagatelldelikte, beispielsweise „wenn jemand bei der Essensausgabe weg geschubst wird“, erklärte der Leiter des Polizeireviers Kaltenkitchen, Birger Gossem. Schwere Delikte, wie Sexualstraftaten, tätliche Angriffe auf Polizeibeamte und Hausfriedensbruch seien lediglich um zwei Fälle auf vier gestiegen.

"Völliger Unsinn"

Bedeutender für die Boostedter ist jedoch, wie sich Kriminalität von Flüchtlingen auf das Dorf auswirkt. Die Fallzahl stieg um 74 Prozent. Ladendiebstähle sind darunter am meisten vertreten: 118 im letzten Jahr (2017: 37 Fälle). In 99 Fällen waren Flüchtlinge die Täter. 2018 gab es vier Körperverletzungen und zwölf Rauschgiftdelikte. Sexualdelikte gab es nur zwei und das waren laut Revierleiter Gossem „Altfälle“, die erst Jahre später angezeigt wurden, also nichts mit der Landesunterkunft zu tun haben.

Fazit für Gemeindevertreter Wolfgang Bruckner (CDU): „Es ist nicht zu erkennen, dass hier etwas eskaliert.“ Die Vertreter der anderen Gemeinderatsfraktionen stimmten ihm zu. Gerüchte auf Facebook, dass man sich in Boostedt nach 22 Uhr besser nicht mehr draußen aufhalten sollte, seien völliger Unsinn – darin war sich die Runde einig. 

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