Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Der Arzt der Armen
Lokales Segeberg Der Arzt der Armen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:30 08.12.2015
Von Alexander Christ
Bei seiner Arbeit in der Praxis am Kirchplatz 2wird Dr. Uwe Denker (vorne) unter anderem von (hinten von links) Carola Koth, Barbara Felkel seiner Frau Christa Denker sowie dem Augenarzt Dr. Heino Hansen unterstützt. Quelle: Alexander Christ
Bad Segeberg

Mehr als tausend kranke, arme, oftmals tief verzweifelte Patienten fanden seitdem in seiner Praxis ärztlichen Rat, Beistand, Hilfe und neuen Lebensmut. Denkers deutschlandweit einzigartiges Pilotprojekt fand schnell Nachahmer. Allein in Schleswig-Holstein und Hamburg eröffneten seitdem acht weitere Mediziner nach dem Segeberger Vorbild weitere Praxen ohne Grenzen.

 „Als ich damals eröffnete, war mir überhaupt nicht klar, in welch gewaltiges Leck unseres Gesundheitssystems ich eingedrungen bin“, sagt Dr. Denker. In Deutschland gebe es rund 800000 Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keine Krankenversicherung haben. „Oft handelt es sich um mittelständische Unternehmer, die sich die teuren Beiträge für eine private Krankenversicherung nicht mehr leisten können“, erklärt der 77-jährige Mediziner.

 Seine Idee habe er zunächst als eine Art Nachbarschaftshilfe verstanden. „Ich wusste aus meiner täglichen Arbeit, dass es auch in Bad Segeberg und umliegenden Orten Menschen gibt, die nicht versichert sind. Ihnen wollte ich helfen.“ Doch die Existenz von Denkers Praxis ohne Kasse, wie er sie selbst gerne nennt, sprach sich schnell herum. Auch, dass niemand dort seine Bedürftigkeit nachweisen musste. „Immer mehr Menschen kamen, darunter viele Selbstständige, Handwerksmeister, Ingenieure, Diplom-Volkswirte, freie Verlagsmitarbeiter und Gastronomen, sogar eine Ärztin war dabei. „Alles Menschen, die eigentlich dem Mittelstand angehören, jedoch aus verschiedensten Ursachen einen Knick in ihrer Karriereleiter erlebten und dadurch ins soziale Abseits gerieten.“ Überzeugend gelang es Denker, auch die Medien für seine Sache zu gewinnen. Zahlreiche Berichte in großen Tageszeitungen, Magazinen, Hörfunkinterviews und Fernsehreportagen machten seine Praxis schnell bundesweit und auch international bekannt. Verarmte und kranke Menschen aus 26 Ländern, darunter auch 13 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, der Ukraine, Niger, Russland und den USA machten sich mit viel Hoffnung im Herzen und fast leerem Geldbeutel auf den weiten Weg nach Bad Segeberg.

 Schnell fand Denker, dessen Praxis als gemeinnütziger Verein betrieben wird, Unterstützer aus Kollegenkreisen. Zahlreiche Fachärzte, Krankenschwestern, Optiker, aber auch medizinische Labore unterstützten seine Arbeit ehrenamtlich. Heute stehen den bedürftigen Kranken insgesamt mehr als 70 Mitarbeiter, darunter fünf Ärzte und sieben Krankenpflegerinnen zur Verfügung. Außerdem gelang es Denker, zahlreiche private Sponsoren zu gewinnen, die die Praxis mit dem versorgten, was sie stets am Dringendsten braucht – Geld. Viel Geld. Denn oftmals müssen sich Denkers Schützlinge teuren Operationen oder Medikamentenbehandlungen unterziehen, um ihre Gesundheit wiederherstellen zu lassen. Denker: „Für eine nächtliche Geburt per Kaiserschnitt mussten wir 4500 Euro bezahlen, für einen Herzschrittmacher 17000 Euro; und die Behandlung eines Krebspatienten hat den Verein sogar 22000 Euro gekostet.“

 Ein Großteil seiner Patienten sei jenseits der 50,erklärt der Mediziner. Besonders prekär sei die Situation für privat versicherte Menschen ab 55 Jahren. Ihnen bleibt eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung verwehrt. Und das Geld für die teuren privaten Krankenversicherungen mit Monatsbeiträgen zwischen 500 und 1000 Euro hätten sie einfach nicht. Einige der besonders tragischen Fälle in seiner nun fünfjährigen Karriere als Arzt der Armen schildert Denker in dem von ihm verfassten Buch „Praxis ohne Grenzen – Medizin in einem reichen Land“. Darunter auch die Geschichte eines 51-Jährigen. Als er Denkers Praxis das erste Mal besuchte, hatte er einen seit sechs Monaten wuchernden, inzwischen golfballgroßen Tumor im rechten Oberkiefer. Nach umfangreicher Diagnostik stand schon bald fest, dass die Geschwulst Folge einer nicht operablen Kieferhöhlenkrebserkrankung war. Denkers erster Rat, sich wegen einer Übernahme der weiteren Behandlungskosten an die Arge - heute Jobcenter - zu wenden, lehnte der Mann kategorisch ab. Auch als Denker ihm anbot, dass seine Praxis für die weiteren Behandlungskosten aufkommen würde, blieb er bei seiner Haltung und bat lediglich um schmerzstillende Medikamente. „Er kam noch ein paar Mal in die Praxis und verbarg dabei sein inzwischen vollkommen entstelltes Gesicht. Kurze Zeit später war er tot.“

Termine für Gespräche und Behandlungen nimmt Uwe Denker unter 0173/9578380 entgegen. Sprechstunde ist mittwochs von 15 bis 17 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Weitere Informationen unter: www.praxisohnegrenzen.de

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Den ersten Schritt zum Bau einer neuen Sporthalle im Ort machte die Gemeindevertretung in ihrer jüngsten Sitzung. Ein Neubau wurde notwendig, weil die Grundfläche der jetzigen Halle mit 10 mal 15 Meter zu klein ist.

Alexander Christ 08.12.2015

Elsa und Albert Dönneweg verfügten in ihrem Testament, dass ein Großteil ihres Vermögens in eine Stiftung fließt, die schwer sehbehinderte Menschen unterstützt. Mittlerweile kann die Stiftung ein Kapital von 1,4 Millionen Euro vorweisen. Vielen Bedürftigen in und um Bad Bramstedt wurde schon geholfen.

Sylvana Lublow 08.12.2015
Segeberg Flüchtlingskoordinierung - Die Vier von der KiA

Neu in der Kreisverwaltung Segeberg ist die „Koordinierungsstelle zur integrationsorientierten Aufnahme von Flüchtlingen“.  Hinter dieser neuen Mini-Abteilung mit der Abkürzung KiA stehen vier Frauen, die den Asylsuchenden ein „schnelles und gelungenes Ankommen“ ermöglichen wollen.

Petra Stöver 07.12.2015