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Segeberg Damit Geschichte nicht vergessen wird
Lokales Segeberg Damit Geschichte nicht vergessen wird
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11:21 04.06.2019
Von Sylvana Lublow
Lebendige Geschichte – auch zum Anfassen. Geschichtslehrer Jens Mehrens (vorne Mitte) und Dr. Gerhard Braas (hinten Mitte) freuen sich über die Arbeit der Schüler zu den Fundstücken.  Quelle: Sylvana Lublow
Nützen/Kaltenkirchen

Das Ergebnis ihres Projekts, an dem sie zusammen mit dem Trägerverein der Gedenkstätte gearbeitet hatten, konnten sich die Schüler in dieser Woche anschauen. 

Die ersten sieben von ihnen kamen am Montag in die Gedenkstätte. Dort hatte Dr. Gerhard Braas, Mitglied des Trägervereins, auch gleich noch eine Aufgabe für die Jugendlichen: Sie mussten eine Korkwand anbringen, an die kommende Besucher Ideen zu Ausstellungsstücken anpinnen können. Mit Hilfe einer Wasserwaagen-App und einer Bohrmaschine war der vorerst letzte Teil ihrer Arbeit schnell getan. 

Fundstücke wurden schon in den 1990er-Jahren ausgegraben

Im Besucherraum der Gedenkstätte stehen und hängen seit einige Wochen Vitrinenschränke mit Fundstücken, die vermutlich aus der Zeit vor 1945 stammen. Fünf davon waren bereits in Springhirsch vorhanden, die zwölf anderen konnten dank Braas im vergangenen Jahr wieder an ihren Ursprungsort zurückgeholt werden. Es handelt sich dabei unter anderem um Essgeschirr, wie Löffel, Trinkbecher, Essschale, Kannen, einen Teekessel aber auch um einen Schuh, einen Feuerlöscheimer oder eine Waschwanne. Die Fundstücke wurden in den 1990er-Jahren ausgegraben und landeten irgendwann in einer Garage in Hannover, wo Braas sie ausfindig machte. 

Aufgabe der Schüler war es, zu den Fundstücken Texte unter Berücksichtigung einiger Fragen zu schreiben: Was ist das? Wozu wurde es im Lager benutzt? Wer benutzte es? Wo befand es sich im Lager? Was könnte das Fundstück erzählen, wenn es sprechen könnte? Außerdem sollten die Jugendlichen darüber nachdenken, wie die Fundstücke am besten präsentiert werden.

Kaum Hygiene, dafür lebensbedrohliche Entzündungen

Das werden sie nun in Vitrinen – und kleine Texte hängen daneben. So wird eine Waschwanne unter anderem mit folgenden Sätzen beschrieben: „(...)Hygiene war kaum vorhanden. Für die 500 Gefangenen gab es nur einen kleinen Waschraum (...) Bei der schweren Arbeit (...) kam es oft zu Wunden. Außerdem entstanden Verletzungen durch Schläge und Tritte der NS-Offiziere. Durch die dreckige Kleidung und wenig Möglichkeiten, die wunden auszuwaschen, kam es häufig zu lebensbedrohlichen Entzündungen.“ Jedes Fundstück wird also in einen geschichtlichen Kontext gesetzt.

Trägerverein will Geschichtslabor mit Schülern weiterentwickeln

„Das ist ein gelungenes Projekt und wir als Trägerverein sind euch Schülern dankbar für die tolle Mitarbeit“, lobte Braas die Schüler, denen das Projekt ebenfalls am Herzen liegt. „Ich war begeistert von dieser Arbeit, weil sie wichtig ist und dazu beiträgt, dass die Geschichte nicht vergessen wird“, sagte Sarah Tews (17). Maurice Harms (18), dessen Gruppe eine altes Stück Stacheldraht beschreiben musste, erklärte: „Anfangs hatten Schwierigkeiten damit, aber dann haben wir uns auf die Lage der Insassen bezogen und überlegt, welche Bedeutung der Stacheldraht für sie hatte.“

Das Projekt „Lebendige Geschichte“ sei aber noch lange nicht abgeschlossen, erzählte Braas. Auch künftige Schülergruppen sollen neuen Ideen einbringen können. „Auf dem Plan steht zum Beispiel noch eine Schaufensterpuppen mit originalgetreuer Kleidung der Insassen.“ Eine weitere Schülergruppe beschäftige sich derzeit mit einigen Biographien der Insassen von Springhirsch. 

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