Projekt in Wahlstedt - Bald könnte autonomer E-Bus fahren
Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Bald könnte autonomer E-Bus fahren
Lokales Segeberg Bald könnte autonomer E-Bus fahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:24 25.02.2020
Von Gerrit Sponholz
Autonom fahrende Elektro-Kleinbusse gibt es einige in Deutschland, viele in Versuchen wie in Hamburgs HafenCity. Quelle: Daniel Bockwoldt
Anzeige
Wahlstedt

Erste Kreisgremien haben zugestimmt, Experten mögliche Zuschussgeber suchen zu lassen. Für 11424 Euro wird das Fachbüro autoBus diese Aufgabe übernehmen. Diese Kosten teilen sich Kreis und Stadt. Auftraggeber wird der Kreis sein.

Ein Teil des Aufwandes kann vermutlich durch Landesmittel zum Öffentlichen Personennahverkehr gedeckt werden, die der Kreis unerwartet zusätzlich bekommen wird.

Anzeige

Bislang hat Wahlstedt keinen Stadtverkehr

Bislang fahren zwar Busse des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) in Wahlstedt. Sie pendeln aber auf mehreren unterschiedlichen Linien aus dem Umland in die Stadt, in der Stadt und aus der Stadt. Für Bürger ist es nicht einfach, da immer die richtige Linie zu erwischen.

Doch nun gibt es Hoffnung. „Es sprechen bislang keine Probleme gegen eine Umsetzung des E-Kleinbusses“, sagt Claudius Mozer. Er arbeitet für die Südwestholstein ÖPNV-Verwaltungsgemeinschaft (SVG), die den Busverkehr für den Kreis Segeberg plant. Allerdings müsste noch die Infrastruktur angepasst werden.

Funknetz mit 3G oder 4G sowie GPS reicht aus

Außerdem muss ein dauerhafter Empfang von GPS-Satellitendaten und ein Mobilfunknetz mit den Standards 3G und 4G sichergestellt sein. „Das moderne 5G-Netz ist nicht nötig, aber hilfreich“, sagt Mozer.

Auch müssen Ladestationen für den Elektrobus gebaut und die Haltestellen hergerichtet werden. Die Ampelanlagen an der Wegstrecke sind zu modernisieren, damit der Bus den jeweiligen Signalzustand übermittelt bekommt.

Notfalls Landmarker bauen

Sollte der GPS-Funk an manchen Punkten ungenügend sein, könnten stattdessen dort Landmarker errichtet werden. Sie helfen der Bustechnik, sich zu orientieren. Ein Teil des Streckennetzes, die Kieler Straße (K60), will der Kreis ohnehin bald sanieren.

Rund 28 Prozent der befragten Wahlstedter können sich demnach vorstellen, den autonomen E-Bus als Linienbus zu nutzen. Das ergab eine Umfrage der Master-Studentin Jennifer Drach.

Viele Bürger wünschen sich Busverkehr

Das Potenzial ist groß. Die Hälfte aller Pkw-Fahrten sind bislang innerhalb der Stadt, wären also ersetzbar durch den E-Bus, der im Halbstunden-Takt fahren soll. Viele Bürger wünschen sich eine Busanbindung an den Bahnhof, der am Stadtrand liegt und ebenfalls angefahren werden soll.

Lesen Sie auch: Erstmals in Schleswig-Holstein: Elektrobus ohne Fahrer 

2017 war mit Investitionskosten von 113000 Euro gerechnet worden. Die jährlichen Kosten schätzt Mozer derzeit auf einen „unteren sechsstelligen Betrag pro Jahr“. Allerdings sei der Markt in Bewegung. Die Dynamik dürfte zunehmen nach einem weltweiten Fachkongress 2021 in Hamburg zu Intelligenten Verkehrssystemen und Services.

Die Chancen, Förderer zu gewinnen, hält Mozer für gut. „Tatsächlich hängen die aber von den konkreten Förderprogrammen und der Konkurrenz ab.“

Technische Herausforderung: Gleisübergang

Wahlstedts Bürgermeister Matthias Bonse hofft darauf, im jetzigen dritten Schritt nicht nur Zuschussgeber zu finden, sondern auch „geeignete Projektpartner für die Lösung technischer Herausforderungen, wie etwa die Querung des Bahnüberganges.“

Da der Kreis die Strecke für den Bus, die Kieler Straße, ausbauen wolle, werde der Bus frühestens in 2021 fahren, nach der Fertigstellung der Straße. Wie Claudius Mozer von der SVG sagt auch Bürgermeister Bonse, dass ein 5G-Netz nicht nötig sei. „Voraussetzung ist ein dauerhafter GPS-Empfang und ein funktionierendes 3G-/4G-Netz.“

5G-Netz nicht unbedingt nötig

Arne Hansen (Grüne), Vorsitzender des Kreisumweltausschusses, ist sich sicher, dass ohne Zuschüsse der Kreis und die Stadt das Projekt wohl nicht umsetzen könnten. Die Aussichten seien nicht schlecht, für das Modellprojekt Geldgeber zu finden. Auch wenn Wahlstedt nur 9700 Einwohner und wenig Pendler zum Bahnhof der Nordbahn hat.

Lesen Sie auch: E-Busse fahren auch in Segeberg 

Lesen Sie auch: Autonom fahrender Bus auf Sylt wird gut angenommen

Lesen Sie auch: Emil fährt autonom auf dem Uni-Campus 

Weitere Nachrichten aus dem Kreis Segeberg lesen Sie hier.

Frauen-Regionalliga Nord - SVHU ist auf einem sehr guten Weg
Nils Göttsche 25.02.2020
Heinrich Pantel 24.02.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 24.02.2020