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Segeberg Auszeichnung mit Geschmäckle
Lokales Segeberg Auszeichnung mit Geschmäckle
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18:44 05.03.2019
Von Gunnar Müller
Heike Baumann, Koordinatorin der Offenen Ganztagsschule in Kaltenkirchen, war irritiert über die Auszeichnung des Projekts. Quelle: Gunnar Müller
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Kaltenkirchen

Das schmeckt Anke Kehrmann-Panten, Geschäftsführerin der Tausendfüßler-Stiftung in Kaltenkirchen, so ganz und gar nicht: Vor zwei Wochen berichtete die Segeberger Zeitung über das Kochprojekt „Hier kommt nur Gutes in den Topf“ mit Kindern der 5. und 6. Klasse an der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Kaltenkirchen. „In Form“ heißt die bundesweite Initiative vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für gesunde Ernährung und mehr Bewegung.

Das Haar in der Suppe für Kehrmann-Panten und die Koordinatorin der Offenen Ganztagsschule, Heike Baumann: Beide erfuhren von der Auszeichnung, die Projektentwickler Andreas Sommers auf der Bildungsmesse Didacta entgegen genommen hatte, erst aus dem Bericht der SZ.

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Projektkoordinator seit 2018 nicht mehr an OGS

„Herr Sommers war engagiert, es gab jahrelang eine gute Zusammenarbeit“, erklärt Anke Kehrmann-Panten. Seit ungefähr 2012 versuchte der Projektleiter von der Leidenschaft-Brot-Ernährungsberatung aus Henstedt-Ulzburg, den Kindern beim gesunden Kochen die Wichtigkeit gesunder Ernährung nahezubringen. Allein: „Herr Sommers ist seit 2018 nicht mehr an der Offenen Ganztagsschule tätig“, sagt Heike Baumann. Zuletzt habe er zwei Kurse mit 18 Schülerinnen und Schülern betreut. Das schreibt auch Sommers in einer Anfrage. Nach zehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit setze er seine Tätigkeit an der OGS Kaltenkirchen jedoch aus.

Kurs an der OGS war nicht rein ehrenamtlich

Dieser Aussage der Ehrenamtlichkeit, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wohlwollend erwähnt, widersprechen Kehrmann-Panten und Baumann. „Herr Sommers hat einen adäquaten Satz als Selbstständiger erhalten“, so die Geschäftsführerin. Daher sei sein Projekt keineswegs ehrenamtlich gewesen. „Für uns ist diese Feststellung wichtig. Wir haben schließlich auch öffentliche Mittel abzurechnen.“ Auf Nachfrage räumt Sommers ein, einen kleineren Stundensatz erstattet bekommen zu haben.

OGS Kaltenkirchen hätte beteiligt werden sollen

Aber auch in einem weiteren Punkt widersprechen die beiden Frauen Sommers. Denn die Lebensmittel seien, anders als in der Projektbeschreibung, die das Ministerium auf seiner Internetseite veröffentlicht, durch die Tausendfüßler-Stiftung finanziert und nicht durch eine Umlage der Eltern. „Was ich mich frage, ist nur, wie das überhaupt in die Wege – und dann auch an uns vorbei – geleitet wurde“, sagt Kehrmann-Panten. Eigentlich sei es zudem nicht in Ordnung, so ein Projekt nur von einer Person abhängig zu machen. Das, sagt Andreas Sommers, sei bereits vor einigen Jahren gewesen. 2016 habe er sein Projekt bei „In Form“ eingereicht: „Mit der Plakette habe ich dann nicht mehr gerechnet.“ Rund drei Jahre lagen so zwischen Einreichen und Verleihung. Eine späte Ehrung.

Aktuell: Drei Kochkurse mit Kindern an der OGS

„An der OGS haben wir gerade drei weitere Kochkurse mit engagierten Eltern, die das ehrenamtlich machen“, erläutert Heike Baumann. Die Kritik solle ausdrücklich kein Nachtreten sein, schließlich habe man jahrelang gut zusammen gearbeitet. „Aber ich hätte es richtiger gefunden, in dem Moment, wo ich eine Auszeichnung bekomme, klarzustellen, dass es das Projekt an der OGS gar nicht mehr gibt.“

Plakette nur ideelle Förderung

Kurt Henn, der „In Form“ beim Bundesministerium betreut, stellt auf Nachfrage klar, dass Andreas Sommers als Koordinator selbst die Plakette bekommen habe: „Damit ist keine Förderung verbunden, sondern nur eine ideelle Unterstützung.“ Und die Mitgliedschaft in einem Netzwerk. Grundsätzlich laufe eine Projektpartnerschaft drei Jahre lang – mit der Option zur Verlängerung. Allerdings könne die Plakette auch wieder entzogen werden.

Andreas Sommers gibt sein Wissen inzwischen in seiner eigenen Ernährungsberatung weiter: „Letztlich ist die Hauptsache, dass die Kinder Spaß haben.“

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