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Segeberg Protest gegen Burger King
Lokales Segeberg Protest gegen Burger King
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06:00 08.10.2013
Von Michael Zwicker
Kaltenkirchen

„Wir befürchten Lärm nahezu rund um die Uhr, eine Vermüllung der Stadtmitte und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen“, kritisiert Nicole Maertz die geplante Ansiedlung eines Restaurants der Kette Burger King. Die Kaltenkirchenerin wohnt im Neuen Weg, nur einige Schritte von dem alten AKN-Bahnhof entfernt, und hat mit anderen Anliegern - unter anderem aus Bahnhofstraße und Holstenstraße - eine Bürgerinitiative gegründet. „Ist der Bürger King oder Burger King?“ ist die vorige Woche gestartete Unterschriftensammlung gegen den geplanten Bau des Fastfood-Restaurants mit Drive-In überschrieben.

 „Rund 500 Kaltenkirchener, nicht nur aus Neuem Weg und Bahnhofstraße, sondern auch aus anderen Straßen, haben bislang unterschrieben“ - Nicole Maertz und ihre anfangs nur wenigen Mitstreiter fühlen sich in ihrer Skepsis bestätigt. Listen liegen unter anderem im Lotto-Geschäft in der Bahnhofstraße und im Spielwarenladen „Steckenpferd“ in der Holstenstraße aus. Auch Eltern von Waldorfschülern sammeln Unterschriften, denn das Schnellrestaurant würde sich direkt am Schulweg der per Zug ankommenden Fahrschüler befinden. „Vielen jungen Leuten würde es sicher gut gefallen, aber zahlreiche Eltern und Lehrer lehnen diese Art der Ernährung schlichtweg ab“, hat Nicole Maertz sich unter den Waldorf-Verantwortlichen umgehört.

 Die Bürgerinitiative ist nicht grundsätzlich gegen ein Fast-Food-Restaurant in der Stadt. „Aber nicht im Zentrum. Am Stadtrand, beispielsweise in der Nähe von Dodenhof, wäre ein geeigneter Platz. Dort würde auch ein Drive-In-Schalter mit Autoverkehr bis spät in die Nacht niemanden stören“, betonte Nicole Maertz. Gegen Gastronomie im alten Bahnhofsgebäude hat die Bürgerinitiative generell nichts. „Ein hübsches Cafe, vielleicht mit überwiegend ökologischen Produkten wie auf dem Hof Ehlers in Hasenmoor, wäre eine Bereicherung für die Innenstadt“, meint die Initiative-Sprecherin.

 Das Grundstück mit dem alten Bahnhofsgebäude und auch Flächen am neuen AKN-Bahnhof gehören der Ferox GmbH aus Wuppertal. Geschäfte, Büros und Wohnungen sind dort geplant. Der erste Bauabschnitt mit dem im September eröffneten Sky-Markt ist fertig. Zu dem Projekt gehört auch die Sanierung des alten Bahnhofes. „Unter anderem werden das Dach und die Fassade erneuert. Im Obergeschoss wird Platz für ein Büro sein. Im Erdgeschoss soll das Fast-Food-Restaurant einziehen“, erläuterte der für das Projekt zuständige Ferox-Mitarbeiter Philipp Roth. Im Altbau des ehemaligen Bahnhofs sollen die Küche und der Tresen mit Kassenzone untergebracht werden. Für den Gastraum mit rund 60 Plätzen ist ein eingeschossiger Anbau geplant, und zwar - von der Straße Am Bahnhof aus gesehen - auf der rechten Seite. Dort soll auch die Zufahrt zum Drive-In-Schalter hin.

 Allerdings ist der Anbau so nicht im aktuellen Bebauungsplan für das Areal verzeichnet. Deshalb hat die Ferox bei der Stadt eine Änderung beantragt. Der Bau- und Umweltausschuss wird sich in seiner Sitzung am Dienstag, 29. Oktober, ab 18 Uhr im Rathaus mit dem Thema beschäftigen. Mit einhelliger Zustimmung kann die Firma Ferox nicht rechnen, denn die CDU-Fraktion steht dem Vorhaben ebenso kritisch gegenüber wie die Bürgerinitiative. „Wir begrüßen zwar die Ansiedlung eines Fast-Food-Restaurants in der Stadt, halten aber den alten Bahnhof als Standort für ungeeignet“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Kurt Barkowsky. Insbesondere befürchtet die CDU ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der ohnehin schon viel befahrenen Straße Am Bahnhof.

 Wie die anderen Fraktionen - SPD, Pro Kaki und FDP - sich entscheiden werden, ist noch nicht bekannt. Fest steht dagegen, dass Bürgermeister Hanno Krause (CDU) ein Befürworter eines Burger-King-Restaurants im alten Bahnhof ist. Krause erhofft sich dadurch eine höhere Attraktivität der Innenstadt - insbesondere für Jugendliche. Im Bau- und Umweltausschuss entscheiden jedoch allein die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker.

 Nach Informationen der Segeberger Zeitung steht ein möglicher Betreiber für die Burger-King-Filiale im alten Bahnhof bereits in den Startlöchern. Der Unternehmer, der nicht genannt werden möchte, hat Erfahrung in der Fast-Food-Branche. In Kaltenkirchen würde der Restaurantbetrieb mit Auto-Schalter - ähnlich wie die Burger-King-Filiale am Autobahnzubringer in Henstedt-Ulzburg - sonntags bis donnerstags bis Mitternacht sowie freitags und sonnabends bis 1 Uhr laufen. Im neuen Restaurant würden ungefähr 15 Vollzeitstellen entstehen und zudem - je nach Kundenandrang - mehr als 20 Teilzeitkräfte und Aushilfen beschäftigt.