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Segeberg 10.000 Flugblätter gegen Industriegebiet
Lokales Segeberg 10.000 Flugblätter gegen Industriegebiet
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09:01 09.04.2018
Von Michael Stamp
Foto: Eva und Albert Holm haben ein Flugblatt gegen das geplante Industriegebiet am Wahlstedter Bahnhaltepunkt drucken lassen.
Eva und Albert Holm haben ein Flugblatt gegen das geplante Industriegebiet am Wahlstedter Bahnhaltepunkt drucken lassen. Quelle: Michael Stamp
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Wahlstedt

Die Sprecher der Initiative sind Eva und Albert Holm. Sie haben auch das Flugblatt entworfen. Ihre größte Sorge: Dass das Schriftstück als Postwurfsendung vor der Kommunalwahl missverstanden wird. „Keine Parteiwerbung!“ steht deshalb in roten Lettern gleich auf der ersten Seite. „Aus der Politik wollen wir uns raushalten“, sagt Albert Holm. „Es geht uns nur um Wahlstedt.“

Mitte März waren die Holms zusammen mit einem Dutzend Unterstützern schon einmal von Haus zu Haus gezogen. Innerhalb kürzester Zeit sammelten sie über 300 Unterschriften gegen das Projekt. Ein Bürgerbegehren mit nachfolgendem Bürgerentscheid wird es in der Sache aber nicht geben, denn dafür kommt der Protest zu spät im Bauleitverfahren. „Das hat man uns bei der Kommunalaufsicht gesagt“, erklärt Albert Holm. Doch aufgeben wollen er und seine Mitstreiter nicht. Weil am 6. Mai sowohl Kommunal- als auch Bürgermeisterwahl ist, wollen sie moralischen Druck auf die Bewerber um die Stadtvertretung aufbauen – und auf Matthias Bonse, der ohne Gegenkandidat zur Wiederwahl als hauptamtlicher Verwaltungschef antritt.

Kritischer Brief an Bürgermeister Matthias Bonse

Die Holms wohnen am Rüßweg – nicht weit vom Bahnhaltepunkt entfernt. Zusammen mit Bewohnern aus Königskoppel, Blocksberg, und Bahrenbrook machen sie mobil. Die Sorge: Manche Grundstücke werden dicht an dem Industriegebiet liegen, auf dem 15 bis 25 Meter hohe Gebäude erlaubt sein sollen.

In einem offenen Brief, der dem Bürgermeister heute vorliegen soll, kritisieren die Anwohner die ökologischen Schäden, die ihrer Ansicht nach durch den Bau eintreten. „Das bedeutet, dass ein wertvolles Biotop für immer verloren geht“, steht dort geschrieben. Das in Auftrag gegebene Umweltgutachten berücksichtige unter anderem die Belange von Amphibien, Reptilien, Haselmaus und Hamster zu wenig. „Ihnen als von uns gewähltem Bürgermeister obliegt doch eine besondere Verantwortung.“

Auch für die Anwohner wären die Folgen immens. „Wir befürchten eine starke Einschränkung unserer Lebensqualität.“ Auch wolle die Stadt Wahlstedt über drei Millionen Euro für die Erschließung des Gebietes ausgeben. „Sie erhöhen die Schulden auf über 14 Millionen Euro, Zinsen noch nicht mitgerechnet!“ Es folgt eine Erinnerung an die Millionen-Verluste mit dem Spaßbad FehMare.

Bei den Schulden für die Erschließungskosten geht die Argumentation der Anwohner allerdings in die Irre; schließlich gibt die Stadt Wahlstedt das Geld aus, um die Grundstücke hinterher an Industrieunternehmen verkaufen zu können. Am Ende dürfte dies der Stadtkasse zugute kommen.

Zusätzlich zum Flyer wurde auch eine Website geschaltet. Zudem kann man per E-Mail an albertholm48@gmail.com mit der Gruppe in Kontakt treten.

Einar Behn 09.04.2018
Klaus-Ulrich Tödter 08.04.2018
Detlef Dreessen 08.04.2018