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Segeberg Freispruch nach Vergewaltigungsvorwurf
Lokales Segeberg Freispruch nach Vergewaltigungsvorwurf
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15:56 11.09.2019
Von Nadine Materne
Vergewaltigungsprozess vor dem Schöffengericht in Bad Segeberg endet mit einem Freispruch. Quelle: Nadine Materne
Bad Segeberg/Wahlstedt

War der ganze Vorwurf nur ausgedacht?

Justin K. und Melanie S. (Namen geändert) sind seit über sechs Jahren ein Paar. „Mit Pausen“, wie der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht sagte. Im Januar vergangenen Jahres waren sie gerade wieder getrennt.

Laut Anklage soll K. zu S. gefahren sein nach der Arbeit am Abend. In der Annahme der Paketbote stünde vor der Wohnungstür habe Melanie S. geöffnet. Beim Anblick von K. soll sie versucht haben, die Tür zu schließen, doch K. habe seinen Fuß dazwischen gestellt, schilderte der Staatsanwalt die Vorwürfe.

Angeklagter bestreitet die Vorwürfe einer Vergewaltigung

Demnach soll der heute 24-Jährige seine Ex-Freundin dann zum Bett geschoben und zunächst von ihr Oralsex erzwungen haben, obwohl sie geweint haben soll. Danach habe er sie ausgezogen und sei gewaltsam mehrfach in sie eingedrungen.

Der Angeklagte bestreitet diese Version. „Es ist nichts strafbares passiert.“ Ja, man sei getrennt gewesen, aber die beiden hätten bereits wieder Kontakt gehabt.

Er sei an diesem Tag zu Melanie gefahren, dann habe man einvernehmlichen Sex gehabt. Sie habe sich selbst ausgezogen und sogar Babyöl zum Massieren mit ins Bett genommen. Nach dem Geschlechtsverkehr habe man noch gemeinsam eine Zigarette geraucht, dann sei er nach Hause gefahren.

Auf konkrete Nachfragen vom Gericht reagierte K. leicht genervt: Wer hat wo gelegen, was hatte er an, wann wurde welches Kleidungsstück ausgezogen?

Zeugin und Angeklagter kamen gemeinsam zum Gericht

Die Antworten vergleichen konnte das Gericht nicht mit der Belastungszeugin. Melanie S. hat sich inzwischen wieder versöhnt mit Justin K., gemeinsam waren sie zur Verhandlung gefahren, mit einiger Verspätung.

Auch K.s Verteidiger Ralf Stelling wirkte irritiert, sprach sich nochmal mit seinem Mandanten ab. Die Zeugin werde wohl die Version des Angeklagten bestätigten, teilte Stelling dem Gericht hinterher mit. Aber sie habe Angst, dass sie Ärger bekomme wegen der Aussage bei der Polizei.

Justin K. äußerte die Vermutung, seine Schwester habe Melanie damals angestiftet, ihn wegen Vergewaltigung anzuzeigen. „Das hätte sie sonst nie gemacht“, sagte der 24-Jährige. „Ich hasse meine Schwester.“ Sie habe nicht gewollt, dass er wieder mit Melanie zusammen sei.

Seine Schwester habe auch beim Jugendamt intrigiert, sodass ihnen die dreijährige Tochter weggenommen worden sei vor einigen Wochen. Acht Polizisten hätten plötzlich vor der Tür gestanden. „Deshalb hasse ich meine Schwester jetzt noch mehr.“ Die Schwester sollte eigentlich auch als Zeugin aussagen, war aber nicht zur Verhandlung erschienen.

Zeugin verweigert die Aussage - um sich nicht selbst zu belasten

Als Melanie S. in den Zeugenstand gerufen wurde, wurde sie besonders intensiv belehrt. Sie müsse die Wahrheit sagen, aber sich auch nicht selbst belasten. Richterin Dr. Lena Vitols konkretisierte: Wenn die wahrheitsgemäße Aussage mit früheren Angaben bei der Polizei in Widerspruch stünde, könnte sie die Aussage verweigern, um sich nicht selbst zu belasten. 

„Was ich damals gesagt habe bei der Polizei“, begann Melanie S. mit leiser, stockender Stimme, „ist so nicht gewesen.“ „Und deshalb verweigern Sie Ihre Aussage“, ging der Staatsanwalt dazwischen.

Ohne Zeugin sei die vorgeworfene Tat nicht nachweisbar. Deshalb sei der Angeklagte freizusprechen, beantragte die Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme.

Dem folgte auch das Schöffengericht. Gänzlich überzeugt habe die Aussage des Angeklagten nicht, stellte Richterin Vitols in der Urteilsbegründung klar. Da die Zeugin aber keine Angaben zum Ablauf des fraglichen Abends gemacht habe, sei K. freizusprechen. 

Ob das Verfahren für Melanie S. noch ein Nachspiel haben wird, wurde vor Gericht nicht klar. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass S. bei der Polizei falsche Angaben gemacht und damit ein Verfahren mit entsprechenden Kosten verursacht hat.

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