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Segeberg "Alt wie ein Baum" - Ostrock im Norden
Lokales Segeberg "Alt wie ein Baum" - Ostrock im Norden
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19:31 25.02.2019
Von Gunnar Müller
Peter "Eingehängt" Meyer, Keyboarder der Ostrock-Kultband Puhdys kommt nach Kisdorf. Unterstützt wird der 79-Jährige von einer Band um den Sänger und Gitarristen Frank Proft (rechts). Quelle: hfr
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Kisdorf

Und mit dabei: Puhdys-Hits aus fast fünf Jahrzehnten. Neben Karussell („Als ich fortging“), Karat („Über sieben Brücken“) und City („Am Fenster“) waren die Puhdys auch über die Grenze der DDR hinaus im Westen bekannt. Dabei nutzten sie einen schmalen Grat des Singbaren im Arbeiter- und Bauernstaat aus. Entstanden sind seit 1969 nachdenkliche Balladen und rockige Nummern. Politisches zwischen den Zeilen und Persönliches. Das Wort Puhdys ergab sich aus den Anfangsbuchstaben der Bandmitglieder. Peter Meyer war als „Ur-Puhdy“ seit 1965 in den Vorgängerbands dabei – und das bis zur Auflösung der Ostrocker im Jahr 2016. Mit der Segeberger Zeitung sprach Meyer über die Puhdys und das Konzert in der Zentrale in Kisdorf.

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Herr Meyer, als ich in der Redaktion gesagt habe, dass ich mit dem „P“ in Puhdys ein Interview führe, fing eine Kollegin gleich an, „Alt wie ein Baum“ zu singen. Ist das nicht ein bisschen nervig, wenn nach so vielen Alben im Prinzip nur ein Lied hängenbleibt?

Peter Meyer: Na,ja, das ist bei fast allen Musikern so. Und Fans, die jahrzehntelang zu uns gekommen sind, kennen natürlich viel, viel, viel mehr als nur „Alt wie ein Baum“, „Hey wir wollen die Eisbären sehen“, „Ikarus“ und „Lebenszeit“. Wir haben ja viele Hits. Und das ist sowieso das Entscheidende: Es gibt ja viele Bands, die haben wirklich nur einen einzigen Hit.

In den Songs der Puhdys geht’s häufig auch gesellschaftspolitisch zu, zwischen den Zeilen zumindest, etwa für ein gutes Zusammenleben. Welches Lied müsste man in der heutigen Zeit neu aufnehmen?

Wir waren nie konkret politisch. Es gibt Bands, die machen richtig Politsongs und sprechen Dinge direkt an. Bei uns war das eigentlich immer eher philosophisch. Es war in der DDR sinnvoll, wenn man nicht so konkret wurde. Sonst konnte man auch Ärger bekommen. Einige Bands wurden verboten oder in den Westen abgeschoben und ausgebürgert. Nur, weil sie ein Lied über die Mauer gemacht haben. Und genau durch diese nicht so konkreten Aussagen konnten wir trotzdem politisch sein. DDR-Bürger waren gewohnt, zwischen den Zeilen zu hören. Heute kann man ja alles sagen und alles singen. Wenn wir zum Beispiel das Lied „Ikarus“ gesungen haben, dann spielte da eben zwischen den Zeilen die Assoziation Freiheit und Wegfliegen mit.

Die Puhdys

Die Band erwähnt häufig in ihren Texten Wörter wie See, Sturm und Freiheit. Was verbindet Sie mit dem Norden oder vielleicht sogar mit unserer Region?

Wenn da was von Sturm, weite Welt und See gesungen wurde, war das natürlich das Synonym für Freiheit. Das ist der Vorteil von philosophischen Texten. Wir sind schon mal in Kaltenkirchen aufgetreten. Ach, wir waren sowieso schon überall da oben im Norden. Wir waren in Neumünster und viel in Hamburg, in Bremen und Kiel.

Ist denn die Resonanz auf den Konzerten im Westen eine andere? Die waren ja nicht gewohnt, zwischen den Zeilen zu hören?

Das war von Anfang an auch ein Vorteil. Seit 1975 waren wir auch im Westen unterwegs. Die Leute kamen, weil sie sich genau für unsere Art von Musik interessiert haben. 

Ganz harter Zeitsprung. 2012 haben Sie in einem Interview angekündigt, dass die Puhdys nicht mehr lange Bestehen aufgrund des Alters. Auch mit Stichwort „Lebenszeit“. Warum touren Sie mit 79 Jahren noch?

Es macht einfach Spaß. Deswegen machen die anderen Puhdys das auch alle weiter.

Die Puhdys wurden ganz offiziell am 19. November 1969 gegründet – wenn Sie alle noch Spaß haben: Gibt es dann zum 50. Bestehen ein Jubiläumskonzert?

Wahrscheinlich nicht. Weil jeder im Moment so mit sich selbst und seinen Projekten beschäftigt ist, dass das wahrscheinlich nicht stattfindet.

Segeberger Zeitung verlost Karten

Die Segeberger Zeitung verlost zwei mal zwei Karten für das Konzert „Eingehängt – ein Puhdy kommt“ in Kisdorf am Sonnabend, 9. März, in der Zentrale, Dorfstraße 7. Wer gewinnen möchte, schreibt eine Postkarte an: Segeberger Zeitung, Friedenstraße 7, 24568 Kaltenkirchen oder eine E-Mail an gewinner@segeberger-zeitung.de. Anzugeben ist der Betreff „Puhdy“ sowie – ganz wichtig: Name, Anschrift und Telefonnummer. Bei mehreren Einsendungen entscheidet das Los. Einsendeschluss ist Montag, 4. März.

Apropos Konzert – was erwartet die Besucher eigentlich jetzt in Kisdorf?

Wir machen das zusammen mit Frank Proft – der ist verrückt. Der hat sämtliche Puhdys-Titel drauf. Der weiß ganz genau, wer von uns vor 20 Jahren sich an welcher Stelle verspielt hat. Der spielt das alles exakt genau wie bei den Puhdys. Und: Erstaunlicherweise klingt seine Stimme auch ein bisschen wie „Maschine“ (Dieter Birr, der Lead-Sänger der Puhdys). Seine Freundin Sandra spielt Cajon, Melanie spielt Bass. Manchmal sitzt dann auch noch mein zwölfjähriger Enkel Ludwig am Schlagzeug. Die Leute, die zu uns kommen, sind hinterher immer glücklich, weil sie ein echtes Puhdys-Konzert erlebt haben. Und ich spiele dann auch noch etwas am Saxophon, was nicht unbedingt von den Puhdys ist.

Ein paar kurze Fragen zum Schluss: Rammstein oder Helene Fischer?

Rammstein. Die sind schon außergewöhnlich. Helene Fischer ist auch gut. Aber es gibt auch ein paar andere, die noch singen können.

Große Stadien oder kleine Bühnen?

Groß ist natürlich toll. Wir haben bereits Anfang der 1980er-Jahre auf der Berliner Waldbühne gespielt. Drei Jahre hintereinander. Da passen locker 20000 Menschen rein. Und dann ging es immer weiter in großen Hallen in Ost und West. Aber wir haben uns auch nie davor gescheut, akustisch und kleiner was zu machen.

Saxophon oder Keyboard?

Eigentlich würde ich sagen Saxophon. Aber die Konstellation Puhdys war eben so, dass ich immer nur ein einziges Mal am Abend Saxophon gespielt habe. Aber das hatte auch einen Vorteil: Ich hatte noch gar nicht geblasen, da sind die Leute schon ausgerastet. Egal ob gut oder schlecht. Wenn man nur ein Mal am Abend das Saxophon in die Hand nimmt, dann funktioniert das so. Jetzt spiele ich das schon mehr bei den Konzerten.

Wieso heißen Sie eigentlich „Eingehängt“?

Ich heiße nicht so, ich bin so. Kurzform: Ich bin ja fast 100 Jahre alt und seit etwa 90 Jahren melde ich mich mit „Eingehängt“ am Telefon. Alle Freunde und Bekannte machen dann ein komisches Geräusch. Wenn ich zu Maschine „Eingehängt“ sage, macht der „pchrr“ oder mein Blumenhändler macht „uhio“. Ich sag mal „Eingehängt“ zu dir, mal gucken, vielleicht bellst du ja.

Hust

Siehste, jetzt erkenne ich dich gleich.

Letzte Frage. Unterm Strich: „Was bleibt?“ (Ein Song der Puhdys) Oder was soll bleiben?

Unsere Lieder. „Alt wie ein Baum“ wird ja schon in einigen Schulen gelehrt. Und mal sehen, was so von den einzelnen Projekten von uns und meinen Kollegen dann noch an neuen Dingen bleibt.

Sylvana Lublow 25.02.2019
Einar Behn 25.02.2019
25.02.2019