Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Vorfahrt für Radler auf Ortsstraßen?
Lokales Segeberg Vorfahrt für Radler auf Ortsstraßen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:15 09.10.2019
Von Gerrit Sponholz
Das weltgrößte Fahrradparkhaus in Utrecht (Niederlande) besuchte radelnd der Radverkehrsbeirat des Kreises Segeberg. Es bietet 12500 Stellplätze auf drei Ebenen. Quelle: Rüdeger Cuwie
Kreis Segeberg

„Die Niederländer sind uns in der Verkehrspolitik locker 30 Jahre voraus“, sagte Arne Hansen, Organisator, Kreisfraktionsvorsitzender der Grünen sowie Umweltausschussvorsitzender. Es sei beeindruckend zu sehen, was möglich sei, wenn Menschen und nicht die Autofahrer in den Mittelpunkt der Planungen gestellt würden. Wobei die Niederlande durchaus auch eine Autonation sei.

Radprofessorin: Sicherheit ist das Wichtigste

„Wir sind alles: Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer“, sagte Professorin Ineke Spapé, Verkehrswissenschaftlerin aus Breda, den Segeberger Gästen. Die Niederlande verfügten über das weltbeste Radverkehrssystem, ein hervorragendes Fußwegenetz, einen vorbildlichen öffentlichen Personennahverkehr sowie ein dichtes Netz von Straßen und Autobahnen.

Delegation aus Segeberg bestaunt Radwegenetz in Holland.

Ursache für den Wandel vom Auto- zum Radlerland sei die hohe Zahl Verkehrsunfälle gewesen. Sicherheit im Straßenverkehr, vor allem für die Kinder, sei damals wichtig geworden. „Sicherheit ist die wichtigste Voraussetzung für den Radverkehr. Wie sicher eine Stadt ist, kannst du an der Menge von Rad fahrenden Kindern und Frauen sowie Lastenrädern sofort erkennen“, sagte Ineke Spapé.

40 Prozent der holländischen Grundschüler radeln zur Schule

In den Niederlanden fahren rund 40 Prozent aller Grundschüler mit dem Rad zur Schule und 75 Prozent aller Sekundarschüler. Besonders die selbsterklärende Gestaltung der Straßen, die Verkehrsschilder nahezu überflüssig macht, sorgt dafür, dass alle Verkehrsteilnehmer sich quasi intuitiv angemessen verhalten – also langsam und vorsichtig fahren. Das hatte auch Joachim Brunkhorst erstaunt, Radverkehrsbeauftragter des Kreises.

Zu viele Schilder in Deutschland

„Wir müssen bei uns den Schilderwald angehen“, nahm er sich vor. Es reichten Fahrbahnmarkierungen oder Piktogramme. „Alle halten sich an die Regeln, die Radler und die Autofahrer.“ In Wohnbereichen abseits der großen Autostraßen hätten immer Radler Vorfahrt. Julia Maßow, Regionalmanagerin des Kreises, staunte bei einer Radfahrt durch Utrecht über die gegenseitige Rücksichtnahme und große Gelassenheit der Holländer.

Spektakuläre Bauten für Radler

Beeindruckt haben die Delegation das Fahrradparkhaus (12 500 Stellplätzen auf drei Etagen) und eine Radbrücke über Schule und Kanal, beides in Utrecht. In Houten, das vor Jahren die Autos aus der Innenstadt verbannt hatte, liegt der Radverkehrsanteil bei 60 Prozent.

Das Rad-Konzept der Niederlande

1. Geschwindigkeitsreduzierung (Tempo 30) auf innerstädtischen Straßen. 2. breite Fahrradwege (möglichst kreuzungsfrei, mit Tunnel- und Brückenbauwerken) oder Fahrradstraßen (wo Fahrräder Vorrang haben und Autos nur „Gäste“ sind) sowie breite Gehwege. 3. gesicherte Querungen und Kreuzungen (mit Ampelvorrangschaltungen für Radfahrer). 4. Reduzierte Zufahrtsmöglichkeiten in die Stadtzentren für Autofahrer. 5. Erhöhung der Parkgebühren und Reduzierung der Verkehrsflächen für Autos.

„Wir haben in den Niederlanden vor 40 Jahren mit den Umbauten in den Niederlanden“, sagte Bernhard Ensink vom Verkehrsplanungsbüro Mobycon. Utrecht investiere jährlich 132 Euro pro Einwohner in den Radverkehr. In deutschen Großstädten seien es 5 Euro.

Lieber Abstriche als ganz verzichten

Manchmal werden bei Standards für den Radwegebau Abstriche gemacht. „Was nützt eine perfekte Planung“, sagt Professorin Ineke Spapé, „wenn es keine Chance gibt, diese auch umzusetzen?“ Thies Rickert, Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses in Kaltenkirchen, will nun für den Radschnellweg Hamburg-Bad Bramstedt nicht mehr die etwas entlegene Osttrasse, sondern die Westtrasse. „Ich habe gesehen, dass auch in Wohngebieten gute Radwege und sichere Kreuzungen gebaut werden können.“ Denn, so eine Erkenntnis aus Holland: Wichtig ist, möglichst viele Radfahrer zu erreichen mit den Trassen. Nachgedacht wird über eine Kampagne, um dafür zu werben, dass Schüler vermehrt mit dem Rad zur Schule fahren.   

"Dort möglich, warum hier nicht"?

„Auch wenn es nicht einfach wird, Segeberg zu einer Rad-Region zu entwickeln: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, sagte Ludwig Reese, Radverkehrsbeiratsmitglied aus Wiemersdorf. „Die Niederlande zeigen uns, wie Städte und Dörfer radfahrfreundlich umgestaltet werden können.“ Ähnlich fragt Arne Hansen: „Warum soll hier nicht möglich sein, was dort seit Jahrzehnten Alltag ist?“

Lesen Sie weitere Nachrichten aus dem Kreis Segeberg.

Die Polizei ermittelt nach einem Wohnungseinbruch in der Ortelsburger Straße in Kaltenkirchen. Die Einbrecher kamen tagsüber - und konnten unerkannt fliehen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 09.10.2019

Im Zentrum von Bad Bramstedt steht erneut ein altes Haus vor dem Abriss. Ein Bauunternehmer hat das Gebäude Maienbeeck 31 gekauft, um es abzureißen. Es steht zwar unter Denkmalschutz, doch ein Gutachten besagt, dass sich der frühere "Colonialwarenladen" in einem dramatisch schlechtem Zustand ist.

Einar Behn 08.10.2019

Am Donnerstag feiert der Zirkus Frank in Kaltenkirchen Premiere. Das Zelt ist auf dem Gelände des Ohland Parks zu finden. „Großen Dank sprechen wir dem Warenhaus-Leiter aus, dass wir hier unser Zelt aufbauen durften“, sagen Patrick Sperlich und Joschi Frank. Der Festplatz der Stadt ist zu teuer.

Nicole Scholmann 08.10.2019