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Segeberg Reparatur der Kanalisationen unbezahlbar
Lokales Segeberg Reparatur der Kanalisationen unbezahlbar
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05:55 08.05.2013
Von Einar Behn
Bad Bramstedt

Unter den 14 Gemeinden des Amtes Bad Bramstedt-Land sind nur drei nicht betroffen: Mönkloh, Hasenkrug und Hardebek. Mönkloh hat überhaupt keine zentrale Abwasserentsorgung. Die Gemeindevertretung hatte sich in den 1990er Jahren gegen den Bau von Klärteichen und Kanalisation entschieden, weil sie für das 240-Einwohner-Dorf zu teuer geworden wären. Stattdessen mussten die Einwohner ihre Hauskläranlagen auf den aktuellen Stand bringen. Hasenkrug und Hardebek betreiben gemeinsam eine sogenannte Vakuumanlage, die nur dann funktioniert, wenn die Leitungen komplett dicht sind. Jedes Leck muss hier also sofort behoben werden, weshalb diese Gemeinden auch kein Kanaluntersuchungen anstellen mussten.

 Die übrigen Gemeinden allerdings waren gesetzlich verpflichtet, zwischen 2007 und 2012 ihre Kanäle mit Kameras begutachten zu lassen. Die Ergebnisse ständen großenteils noch aus, berichtete Walther Hadeler, Kämmerer der Amtsverwaltung. Doch da, wo sie vorliegen, zeigen sie Erschreckendes.

 In Hagen beweisen die Videoaufnahmen, dass die bereits Anfang der 1970er Jahre verlegten Rohre an vielen Stellen brüchig sind und das Abwasser stellenweise im Erdreich versickert. Die beste Lösung wäre hier wohl ein kompletter Neubau mit moderner Technik. Ein solches Trennsystem, mit dem Regenwasser und Abwasser gesondert abgeleitet werden, wie es in den Städten die Regel ist, kostet bis zu 3 Millionen Euro. „Wir hätten dann Abwassergebühren zwischen 8 und 10 Euro pro Kubikmeter. Das ist nicht zumutbar“, sagt Hadeler. Eine komplette Erneuerung mit einer Mischkanalisation, wie sie zurzeit besteht, kostet immer noch 2 Millionen Euro. Auch das ist für den kleinen Ort unbezahlbar. Jetzt arbeitet ein Ingenieur an einer Reparaturlösung. Wie teuer das wird, stehe noch nicht fest, erklärte Hadeler.

 Hart trifft es auch Fuhlendorf. Hier war 1992/93 die Abwasserkanalisation gebaut worden und weist bereits jetzt, 20 Jahre später, schwere Schäden auf. „Da gab es offensichtlich Mängel in der Herstellung, die damals bei der Abnahme aber nicht erkannt wurden“, sagt Bürgermeister Werner Lembcke. Regressansprüche können nun nicht mehr gestellt werden. Paradoxerweise ist ein alter Regenwasserkanal in der Hauptstraße, der schon in den 1970er Jahren verlegt worden war und Anfang der 1990er Jahre in die Abwasserkanalisation einbezogen wurde, weit weniger beschädigt als die noch relativ neuen Rohre. Lembcke schätzt die Sanierungskosten auf etliche Hunderttausend Euro, das Wort „Million“ mag er nicht in den Mund nehmen. „Zuschüsse bekommen wir nicht“, weiß der Bürgermeister. Die Kosten würden also voll auf die Abwassergebühren durchschlagen, denn aus Steuermitteln darf die Sanierung nicht bezahlt werden. Auch Fuhlendorf sucht nun nach kostengünstigeren Lösungen.