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Segeberg Traumata belasten Generationen
Lokales Segeberg Traumata belasten Generationen
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14:59 12.11.2019
Von Detlef Dreessen
Diakon Hartmut Kühl mahnte 2017 am Ehrenmal in Rickling-Fehrenbötel, nicht Teil der Maschinerie aus Hass und Gewalt zu werden. Quelle: Detlef Dreessen / Archiv
Rickling

Solch eine Veranstaltungsreihe war vor drei Jahren noch nicht absehbar gewesen. Damals hatten einige Ricklinger vorgeschlagen, den Volkstrauertag durch eine Woche des Gedenkens zu ergänzen und auch das Zeremoniell der Kranzniederlegung am Ehrenmal neu zu gestalten. Es gab eine Menge Unruhe. Die Feuerwehr hatte mit Boykott gedroht.

2016 hatte die Feuerwehr noch mit Boykott gedroht

„Kommunalpolitiker verlangten, dass die Inhalte der ’Woche für den Volkstrauertag’ von der Gemeindevertretung genehmigt werden müssten“, erinnert sich Diakon Hartmut Kühl an stürmische Diskussionen im Jahr 2016.

Inzwischen ist die Gemeinde stolz auf diese Form der Beschäftigung mit den Themen Krieg und Frieden, die Ihresgleichen suche, freut sich Kühl. Seit Februar bereitet er die „Woche für den Volkstrauertag 2019“ vor, die von Dienstag, 12. November, bis Sonntag, 17. November, stattfinden wird.

Wieder haben er und seine Mitstreiter aus Seniorenbeirat, Landfrauen, Sozialverband, Aktive Bürger Rickling (ABR), Kirchengemeinde, Feuerwehr und Bürgermeister Keno Jantzen ein wochenfüllendes Programm auf die Beine gestellt. 

Leitthema in Rickling: Verschwiegene Erbschaften

„Wir stellen uns in verschiedenen Veranstaltungen die Frage, wie Erinnerungen und Erfahrungen unserer Großeltern und Eltern in uns weiterleben“, kündigte Kühl an. „Verschwiegene Erbschaften“ lautet das Thema.

Eröffnet wird die Woche am Dienstag, 12. November, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Eichbalken 2. Nach der Eröffnung durch Bürgermeister Keno Jantzen fragt die Soziologin, Autorin und Filmemacherin Uta Rüchel nach den langen Schatten, die Flucht und Vertreibung nach 1945 auch in der Kinder- und Enkelgeneration hinterlassen hat: „Verschwiegene Erbschaften!“ 

Flucht und Vertreibung war nur im Westen Thema

Die unterschiedliche Einstellung zum Thema Flüchtlinge in Ost und West, vermutet Kühl, liegt auch daran, dass in Westdeutschland das Thema Flucht, Vertreibung und Heimatverlust nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiges Thema war, während in Ostdeutschland seit Beginn der DDR an es verpönt war, über Flucht zu reden.

Am Mittwoch, 13. November, wird ab 19.30 Uhr im Gemeindehaus am Eichbalken 2 der Film „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“ gezeigt. Malte Ludins berichtet in dem Film, wie er mit einem schweren Erbe seines Vaters umging und was dessen Taten für ihn und sein Leben bedeuten. Denn sein Vater war Hitlers Botschafter in der Slowakei gewesen und hatte eine große Rolle an den Morden der jüdischen Bevölkerung gespielt, wofür der Vater schließlich hingerichtet worden ist. 

Wie Traumatisierungen zwischen den Generationen übertragen werden, erläutert der leitende Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums Rickling, Dr. Nikolas Kahlke, am Donnerstag, 14. November, ab 19.30 Uhr im Kunsthaus des Landesvereins für Innere Mission.

Traumata halten sich bis zu 200 Jahre

Kahlke nähert sich aus neurobiologischer und psychotherapeutischer Sicht der Frage, wie es zur bewussten und unbewussten Weitergabe von Erfahrungen und seelischen Schmerzen zwischen Generationen und in Familien kommen kann und was dann hilft. „Traumata halten sich bis zu 200 Jahre, habe die Wissenschaft festgestellt“, weiß Kühl.

Den Abschluss der „Woche für den Volkstrauertag“ bildet ein Friedensgottesdienst am Sonntag, 17. November ab 10.30 Uhr in der Kirche. Danach geht es mit der Feuerwehr und elf Gedenklichtern zum Ehrenmal in Rickling. Damit nicht alle auseinanderlaufen, sind dann noch alle beim Essen im Gasthof zur Doppeleiche willkommen. „Es gibt Rübenmus – wie damals in der Nachkriegszeit“, kündigte Hartmut Kühl an. Er freut sich auf Gespräche, die sich auch aus dieser Erinnerung ergeben.

Kränze niederlegen in Fehrenbötel

Um 12 Uhr gestaltet die Feuerwehr in Fehrenbötel eine Kranzniederlegung am dortigen Ehrenmal mit Imbiss.

Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.

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