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Segeberg Riesiger Müllberg in Norderstedt: Behörden prüfen Gefahr
Lokales Segeberg Riesiger Müllberg in Norderstedt: Behörden prüfen Gefahr
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18:23 07.02.2020
Müll und anderer Unrat liegt auf einem Gelände in Norderstedt. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Norderstedt/Kiel

Mögliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken eines riesigen Müllbergs in Norderstedt sollen mit Hilfe von Grundwasserproben festgestellt und danach das weitere Vorgehen entschieden werden. Es würden zwei Wasserproben-Messstellen direkt an der Grundstücksgrenze eingerichtet werden, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Freitag in Kiel. Am Vortag hatte das „Schleswig-Holstein Magazin“ des NDR Fernsehens berichtet.

Auf dem Gelände eines privaten Eigentümers direkt angrenzend an einen großen Schrottplatz eines Autoverwerters liegen mehrere zehntausend Tonnen Abfälle - darunter Bauschutt, grundwassergefährdende Stoffe wie teerhaltige Dachpappe und krebserregender Asbest. Sollten gefährliche Stoffe den Boden oder das Grundwasser belasten, könne das Land den Müllberg im Stadtteil Friedrichsgabe räumen - „und wir werden auch tätig werden“, sagte der Ministeriumssprecher. Falls es Entwarnung gebe, werde man mit der Stadt über eine Kostenaufteilung sprechen. „Langfristig muss der Müllberg weg.“

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Ermittlungen gegen Betreiber

Gegen den Betreiber wird ermittelt. Wie die Staatsanwaltschaft Kiel am Freitag mitteilte, geht es um den unerlaubten Umgang mit Abfällen gemäß Paragraph 326 Strafgesetzbuch. „Insbesondere die Genehmigungslage und das Firmenkonstrukt sind nachzuvollziehen. Ferner müssen weiterhin die verschiedenen Verantwortlichkeiten geklärt werden“, erläuterte Oberstaatsanwalt Axel Bieler.

Die Stadt Norderstedt betonte am Freitag, es habe sich nie um eine genehmigte „Müllkippe“ oder „(Dauer-)Deponie“ gehandelt. „Sondern um das Gelände eines privaten Containerdienstes, dem die zeitweise (!) Zwischenlagerung bestimmter Stoffe erlaubt war.“ Die Genehmigung durch das LLUR stamme aus 2007, nach dem Kenntnisstand der Stadt sei dem Betrieb 2017 die komplette Räumung des Geländes auferlegt worden. „Nach Ansicht der Stadt kann/darf der Betrieb in der bisherigen Form keinesfalls fortgeführt werden“, betonte der Sprecher.

Seit 2017 konnte kein Mitarbeiter des zuständigen Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und landwirtschaftliche Räume (LLUR) das abgeschlossene Privatgelände mehr betreten. Die Untere Wasserbehörde habe seit 20 Jahren nicht mehr direkt auf dem Gelände Wasserproben genommen, sondern nur hunderte Meter entfernt, berichtete das „Schleswig-Holstein Magazin“.

Umweltministerium schließt Gefahr für Umwelt nicht mehr aus

Die Vergabe für die Gutachterarbeiten wird nach Angaben des Ministeriums zurzeit vorbereitet. Im Sommer sei mit Ergebnissen zu rechnen, ob das Grundwasser mit Schadstoffen bereits belastet sei oder durch Sickerwasser weiterhin belastet werde.

Nach derzeitigem Kenntnisstand durch Luftaufnahmen von Drohnen, früheren Begehungen und bekannten Grundwassermesswerten geht das Umweltministerium „gegenwärtig von keiner unmittelbaren Gefahr für das Grundwasser aus“. Allerdings könne aus heutiger Sicht „eine Gefahr für die Umwelt auch nicht völlig ausgeschlossen werden“. Daher sei es sinnvoll, weitere Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen des Müllberges auf Boden und Grundwasser vorzunehmen.

Probleme mit Müll-Areal seit 2011

Nach Angaben des Ministeriums hatte der Betreiber der Deponie eine Genehmigung durch das LLUR erhalten, auch Problemstoffe wie Asbest vorübergehend zu lagern - allerdings mit der Auflage, diese schnell weiter zu entsorgen. Diese Auflage habe der Betreiber aber nicht eingehalten. Seit 2017 sei auf dem Gelände viel mehr Müll gelagert worden als vom LLUR erlaubt worden sei. Probleme mit der Müll-Areal soll es aber bereits seit 2011 gegeben haben.

2017 warnte das LLUR in einem vom „Schleswig-Holstein Magazin“ zitierten Schreiben, es könne „aufgrund der Art der Abfälle und der Art der Lagerung eine Verunreinigung der Schutzgüter Boden und Wasser nicht ausgeschlossen werden“. Außerdem verwies das Landesamt auf die Deponieverordnung. Darin geht es unter anderem um die sogenannte Basisabdichtung und die Versiegelung des Bodens. Diese Anforderungen würden in Norderstedt nicht erfüllt, „so dass auf Dauer negative Boden- und Gewässerbeeinträchtigungen zu besorgen sind“.

Lesen Sie auch: Staatsanwaltschaft prüft Müllberge

Nach einem Treffen am 29. Januar 2020 an dem Gelände erklärten der zuständige Staatssekretär für technischen Umweltschutz, Tobias Goldschmidt, und Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, dass die Situation auf dem Gelände nicht so bleiben könne. Trotz des längeren Rechtsstreits mit dem Betreiber und dem Einschalten der Staatsanwaltschaft sei sehr wahrscheinlich nicht davon auszugehen, dass der Betreiber seinen Pflichten nachkommen werde. „Nun gilt es einen gemeinsamen Umgang mit dem illegal angehäuften Müll auf dem Gelände zu finden.“

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Von RND/dpa

Einar Behn 07.02.2020
Nadine Materne 07.02.2020
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