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Segeberg Schmied verschenkt zwei Kunstwerke
Lokales Segeberg Schmied verschenkt zwei Kunstwerke
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16:17 03.03.2020
Von Sylvana Lublow
Kunstschmied Michael Schöttler in seinem Atelier in Nahe, das er nun schließt. Er verschenkt zwei seiner Arbeiten, unter anderem eine Arche. Quelle: Sylvana Lublow
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Nahe

Der 69-Jährige hatte sich vor einem Jahr zwei Rückenwirbel gebrochen – seinem körperlich anstrengendem Hobby kann er seit dem nicht mehr nachgehen. „Zu keinem Zeitpunkt hatte ich daran gedacht, dass es mal vorbei ist“, sagt Schöttler. Doch die Gesundheit hatte ihn in seine Schranken gewiesen. Die Arbeit am Schmiedeofen, das Tragen von schwerem Metall oder Holz funktioniert nicht mehr. Doch Schöttler sieht die Dinge positiv: „Seit ich hier nicht mehr tätig bin, merke ich, wie viel Zeit für andere Sachen bleibt. Das ist auch schön.“

Kunstwerke mit spirituellem Hintergrund

Seine gesamte Schmiede-Ausstattung konnte er an einen jungen Hufschmied aus Lübeck abgeben. „Er hat alles genauso übernommen.“ Übrig blieben einige der Skulpturen, die Schöttler im Laufe der Zeit angefertigt hat. Zwölf Kunstwerke konnte er in den letzten Jahren verkaufen, der Rest steht bei ihm Zuhause in Henstedt-Ulzburg, bei Familienmitgliedern und Freunden.

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Zwei seiner Arbeiten möchte der Hobby-Kunstschmied jetzt aber gerne verschenken. Es handelt sich um ein Triptychon und eine Arche. „Da beides einen spirituellen Hintergrund hat, würde ich mich freuen, die Skulpturen an irgendeine geistliche Institution zu verschenken“, sagt Schöttler. Das kann eine Kirche sein, ein kirchliches Gemeindehaus, ein geistlicher Verein, aber auch ein Bestattungsinstitut oder ein geistlicher Raum in einem Krankenhaus. „Wichtig ist mir, das sie dort stehen oder hängen, wo meine Botschaft auch ankommt.“

Triptychon und Arche zu verschenken

Der Rumpf der Arche besteht aus einem „verschrobenen Eichenstamm“, den Schöttler gefunden hat. „Zum Glück habe ich einen tollen Tischler gefunden, der genau verstand, wie ich den Rumpf haben wollte“, erzählt Schöttler. Den Rest hat er in rund 30 Stunden Arbeit selbst geschmiedet. Der Verkaufswert der Arche liegt bei 1950 Euro.

Das Triptychon stellte Schöttler schon 2014 fertig. Die geschmiedeten Worte „Denn Bleiben ist nirgends“ stammen von Rainer Maria Rilke. „Da steckt viel Weisheit drin“, sagt der 69-Jährige. Das Kunstwerk hätte Schöttler für 2750 Euro verlauft, jetzt soll es aber ebenfalls verschenkt werden.

Neuer Abschnitt ohne zu schmieden

„Ich hatte schöne Zeiten hier. Wir haben auch junge Menschen und Kinder eingeladen, die hier mit Holz und Metall arbeiten konnten, das hat mir besonders viel Spaß gemacht“, erzählt der Kunstschmied. Unter anderem waren drei Jugendliche aus Syrien in dem Atelier aber Kinder von den Young Carers. Doch bis Juni soll das Atelier komplett leer geräumt sein, dann wird aus den Räumen eine Wohnung gebaut. Und Michael Schöttler? Für ihn fängt ein neuer Abschnitt an, ohne Schmiedekunst, dafür mit anderen schönen Dingen. „Bleiben ist nirgends“, sagt er dazu.

Info: Wer Interesse an einem der Kunstwerke hat, kann Michael Schöttler unter 04193/97744 erreichen.

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