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Segeberg Schreien, bis ein Licht angeht
Lokales Segeberg Schreien, bis ein Licht angeht
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05:58 13.05.2013
Von Einar Behn
In diesen Kasten sollen die Kinder ganz laut „Nein“ hineinschreien, bis innen ein Licht angeht. Die beiden Rektorinnen Christine Landschek (von rechts) und Angelika Aust haben es auch ausprobiert. „Da muss man sich schon überwinden“, hat Christine Landschek festgestellt. Benjamin Köhnke, Leiter der Bad Bramstedter Sparkassenfiliale, sah sich die Mitmach-Ausstellung ebenfalls an. Sein Unternehmen hat den Transport von Kiel nach Bad Bramstedt bezahlt. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Sechs Stationen hat Petze noch bis zum 22. Mai im großflächigen Dachgeschoss der Grundschule aufgestellt. In einen Kasten beispielsweise müssen die Kinder „Nein“ hineinschreien, so laut, bis ein Licht angeht. „Sie sollen dabei ihre natürliche Scheu verlieren, so laut zu schreien, dass alle es hören“, sagt Rektorin Christine Landschek.

 An anderen Stationen sollen die Kinder Fragen beantworten, die richtige Antwort können sie aus diversen Vorschlägen per Drehscheibe auswählen. Beispiel: Was soll ich machen, wenn ich aus der Schule komme, die Haustür verschlossen und niemand zuhause ist? Eine fremden Mann auf der Straße um Hilfe bitten? Natürlich nicht. Besser ist es, bei der bekannten Nachbarin zu klingeln. Eine andere Frage lautet: Kennst du gute, schlechte und komische Berührungen?

 Die Mitmach-Ausstellung ist für Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren konzipiert. „Es ist wichtig, dass frühzeitig mit dem Schutz vor sexuellem Missbrauch und der Ich-Stärkung begonnen wird“, meint Rektorin Landschek. „So besteht die Hoffnung, dass die Jungen und Mädchen auch später als Erwachsene nicht zu Opfern, aber auch nicht zu Tätern werden.“

 Die Wanderausstellung wurde gemeinsam mit der Bad Bramstedter Grundschule am Storchennest nach Bad Bramstedt geholt. Christine Landscheks Kollegin, Angelika Aust, will mit ihren Schülern den Spielparcours im Maienbeeck ebenfalls besuchen. Den recht aufwendigen Transport der Ausstellung von Kiel nach Bad Bramstedt bezahlte die Sparkasse Südholstein.

 Die Lehrer wurden in Fortbildungen auf das Thema „sexueller Missbrauch“ vorbereitet, für Eltern werden Informationsabende angeboten. „Einen hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben, aber Eltern und Lehrerinnen können viel dazu beitragen, das Problem zumindest durch Aufklärung zu verringern“, meint Schulleiterin Landschek. Ziel müsse es sein, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und ihnen ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmtheit altersgerecht zu vermitteln.