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Segeberg So laufen die Proben von "Unter Geiern"
Lokales Segeberg So laufen die Proben von "Unter Geiern"
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10:00 16.06.2019
Von Gisela Krohn
Regisseur Norbert Schultze jr. (von rechts) setzt Sascha Gluth als Old Shatterhand, Alexander Klaws (Winnetou), Reiterei-Chefin Sylvia Kassel und Nicolas König (Schwerer Mokassin) in Szene. Beteiligt sind auch Stuntman Martin Szigeti (vorn, von links), Raúl Richter ( Martin Baumann) und Larissa Marolt (Tiffany O’Toole). Quelle: Gisela Krohn
Bad Segeberg

Regisseur Norbert Schultze jr. beobachtet die Schauspieler, Stuntleute und Statisten vom Bühnenrand aus und achtet auf jede Einzelheit. „Wir liegen gut im Zeitplan“, berichtet der 76-Jährige zufrieden. „Bei einem starken Regenguss müssen wir die Proben natürlich auch mal unterbrechen, aber das ist zum Glück erst einmal vorgekommen.“ Jeden Tag, auch am Wochenende und bis weit in die Abendstunden hinein wird an kleinsten Details gefeilt. 

Nicolas König ist diesmal der Hauptbösewicht

Gerade steht die dritte Szene des Stücks („Gestrandet im Wilden Westen“) im Mittelpunkt. Mit Schwung tritt Larissa Marolt als „Tiffany O’Toole“ zum ersten Mal auf. Die junge Schauspielerin, die eine junge Schauspielerin verkörpert, wird von Indianern unsanft aus einer Kutsche geholt. Nun muss sie sich gegen den hinterhältigen Häuptling „Schwerer Mokassin“ behaupten. Publikumsliebling Nicolas König kann in dieser Rolle so richtig schön fies sein. Es gibt diesmal keinen weißen Gangster, so dass der Hamburger den Hauptbösewicht verkörpert. Doch Tiffany O’Toole bekommt Hilfe, denn der junge Martin Baumann (Raúl Richter) hat den Überfall beobachtet. Wer die Karl-May-Spiele kennt, weiß: Ohne effektvollen Zweikampf wird diese Situation nicht gelöst. 

Jeder Schlag muss genau einstudiert werden

Was später so spontan und leicht daherkommt, muss jetzt minutiös einstudiert werden: Jede Bewegung beider Schauspieler, der beteiligten Stuntleute und Statisten muss genau sitzen. Doch so mutig sich der „Sohn des Bärenjägers“ auch in den Kampf wirft – der mächtige Häuptling der Sioux-Ogellallah überwältigt ihn.

Sascha Gluth ist der neue Old Shatterhand

Am Bühnenrand sucht Norbert Schultze jr. rasch die richtige Musik heraus, die auch später dann im Stück erklingen wird – für die Zuschauer ein sicheres Zeichen, dass jetzt einer der beiden Helden die Bühne betritt. Zur bekannten „Old-Shatterhand-Melodie“ aus den Karl-May-Filmen reitet Sascha Gluth den Abhang herunter. Er richtet sein Gewehr, den Henrystutzen, auf den kriegerischen Indianerhäuptling, was diesen aber noch nicht so recht einschüchtern kann. Doch aus dem Hintergrund taucht noch ein anderer Akteur auf: Alexander Klaws als Winnetou. Tiffany O`Toole ist fürs Erste gerettet.

Kutschpferde kommen erst später dazu

Allerdings ist die Postkutsche weg, weil die Pferde durchgegangen sind – zumindest theoretisch. „Die Kutschpferde sind noch nicht da“, berichtet Norbert Schultze. So heißt es improvisieren. Die Wege der Kutsche werden „mitgespielt“, auch wenn sie sich keinen Zentimeter bewegt. Schüsse werden noch mit dem Wort „Peng“ simuliert. Schießende Waffen, Mikrofone, Kostüme, Perücken – das kommt alles erst später.

Larissa Marolt und die winzige Pistole

Auch Larissa Marolt hat eine Waffe dabei: ein Pistölchen, das sie umständlich aus ihrer Handtasche kramt. Leider führt ein Schuss aus der Winz-Waffe dazu, dass die Kutsche auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Ärgerlich, weil Tiffany nach Washington will und nun in der Einöde festsitzt. Winnetou und Old Shatterhand ahnen schon: Da kommen so einige neue Abenteuer auf sie zu. 

Regisseur arbeitete erstmals 1996 am Kalkberg

Norbert Schultze, der erstmals 1996 von den Karl-May-Spielen engagiert wurde, hat „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ 2004 schon mal inszeniert – damals mit Patrick Bach und Tanja Szewczenko. „Aber das war ein ganz anderes Stück.“ Ihm gefällt an dieser Karl-May-Geschichte besonders gut, dass darin viele Indianer eine Hauptrolle spielen. „Es kommen sehr viele Indianerstämme vor.“ 

Sogar zwei Stinktiere spielen diesmal mit

Ebenfalls neu sind eine ganze Menge tierische Akteure – neben Adlerdame „Mali“ darf ein Weißrückengeier namens „Jango“ nicht fehlen. „Außerdem ein Watussi-Rind mit riesigen Hörnern, Schafe, Ziegen, Hühner und Enten“, zählt der Regisseur auf. „Dazu kommt auch ein echtes Stinktier.“ Die müffige Rolle teilen sich die Skunks „Bruno“ und „Fritzi“. Mit Tieren zu arbeiten, sei eine Herausforderung. „Die Lautstärke auf der Bühne ist nicht so sehr das Problem, eher die vielen Menschen.“

Am Ende wirkt das Abenteuer ein wenig wie "Indiana Jones"

Was diese Inszenierung von der früheren Fassung deutlich unterscheide, sei auch die Art der Stunts. „Am Ende geht es so ein bisschen in Richtung Indiana Jones“. Zunächst aber muss „Bild 3“ richtig laufen. Alle kommen zu einer kurzen Besprechung zusammen. Danach heißt es: „Das Ganze noch mal!“

Zum achten Mal fliegen die Geier am Kalkberg

Seit der Gründung der Karl-May-Spiele im Jahre 1952 wurde bislang in sieben Sommer ein Stück mit dem Titel "Unter Geiern" gespielt - wobei sich dahinter zwei sehr unterschiedliche Geschichten verbergen. Der Karl-May-Verlag hat nämlich einst die Kurz-Romane "Der Sohn des Bärenjägers" und "Der Geist des Llano Estacado" unter dem Sammeltitel "Unter Geiern" veröffentlicht.

In Bad Segeberg wurde 1962 die Bärenjäger-Episode mit Manfred Böhm als Winnetou aufgeführt. 1967 war dann Heinz Ingo Hilgers der Herr der Silberbüchse. Im Sommer 1973 folgte dann erstmals das Abenteuer um den Geist des Llano Estacado. Das Textbuch stammte - zum einzigen Mal in der Bad Segeberger Geschichte - von Jochen Bludau, dem Chef der Karl-May-Festspiele im sauerländischen Elspe. Den Winnetou spielte erstmals Klaus-Hagen Latwesen.

Latwesen, der in den 80er Jahren in Personalunion Intendant, Autor, Regisseur, Actionchoreograf und Winnetou-Darsteller war, nahm sich 1984 wiederum die Geschichte um den Bärenjäger selber vor. Allerdings verwendete er den erfundenen Untertitel "Die Felsengeier".

1998 löste das Winnetou-Darsteller Gojko Mitic das Rätsel um den Geist des Llano Estacado. Damals war es bereits üblich, Gaststars zu verpflichten. Horst Janson ("Der Bastian") spielte als Old Shatterhand mit. 2004 war ebenfalls Gojko Mitic der Apachenhäuptling, als es wiederum um den Bärenjäger ging. Patrick Bach, der mit den Serien "Silas" und "Jack Holborn" berühmt geworden war, verkörperte den Bärenjägersohn Martin Baumann. An seiner Seite spielte Ex-Einlaufprinzessin Tanja Szewczenko die hinzu erfundene Figur der Reporterin Mary-Lou Carson.

2014 - mittlerweile mit Jan Sosniok als Winnetou und Wayne Carpendale als Old Shatterhand - ging es zum dritten Mal in den Llano Estacado. Den Gangsterboss Burton spielte Christian Kohlund ("Die Schwarzwaldklinik", "Das Traumhotel"). 2018 findet nun das achte Mal "Unter Geiern" statt - mit dem Bärenjäger und seinem Sohn.

Fünf Wochen lang wird im Freilichttheater am Kalkberg in Bad Segeberg für das neue Stück "Unter Geiern - Der Sohn des Bärenjägers" geprobt.
Winnetou und seine Komparsen
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